Fünf Fraktionen gründen Demokratie-Stammtisch
StartseiteRegionEgelsbachStand: 25.07.2026, 06:00 UhrKommentareUns auf Google folgenGemeinsam für Egelsach (von links): Christoph Zscherneck (SPD), Andreas Schweitzer (WGE), Alice Dietsch (CDU), Carsten Dietsch...
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Stand: 25.07.2026, 06:00 Uhr
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Die Mitglieder der Egelsbacher Gemeindevertretung wollen entschlossen gegen rechte Umtriebe im Ort vorgehen. Auch das Bündnis Bündnis „Egelsbach ist mehr“ ist mit im Boot.
Egelsbach – Sticker an Laternen mit ausländerfeindlichen Parolen, Zeitschriften mit verschwörungstheoretischen Inhalten im Briefkasten: Sie sind manchmal erst bei genauerem Hinsehen sichtbar, doch auch in Egelsbach gibt es Hinweise auf rechtsradikale Strömungen und Umtriebe. Die fünf Fraktionen der Gemeindevertretung möchten dem nun gemeinschaftlich entgegentreten und haben deshalb zusammen mit dem Bündnis „Egelsbach ist mehr“ einen Demokratie-Stammtisch ins Leben gerufen.
Initiator ist Martin Fitzthum. Er sitzt seit dieser Legislaturperiode als Nachrücker neu für die Grünen im Ortsparlament. Der 54-Jährige ist im Hauptberuf Polizeibeamter, sein Job motiviert ihn auch zum privaten Ehrenamt. „Ich habe einen Eid geschworen, dass ich die freiheitlich-demokratische Grundordnung schütze, und das möchte ich tun“, sagt er. „Ich bin jemand, der lieber macht, statt zu meckern.“ Also hörte er sich bei den anderen Fraktionen um und fand in Christoph Zscherneck (SPD), Alice Dietsch (CDU), Andreas Schweitzer (WGE) und Carsten Dietsche (FDP) sowie Frank Hoffmann von „Egelsbach ist mehr“ interessierte Mitstreiter für den Stammtisch. Fitzthum hält es für ein schönes Zeichen der Gemeindevertretung, dass sämtliche Parteien und die Wahlgemeinschaft vertreten sind. „Und ich bin glücklich, dass bei uns mit Alice auch eine Frau am Tisch sitzt“, verweist er auf die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD für die Bundesregierung im vergangenen Jahr – eine reine (alte) Männerrunde.
Dass sich alle demokratischen Parteien gemeinsam an einen Tisch setzen, würde ich mir auch mal auf Landes- oder Bundesebene wünschen.
Pfarrerin Rebekka Adler fand die Idee so gut, dass sie das evangelische Gemeindehaus in der Ernst-Ludwig-Straße für den Demokratie-Stammtisch zur Verfügung stellte. Das erste Treffen hat kürzlich stattgefunden, laut Fitzthum war es ein guter Einstand mit konstruktivem Austausch. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen sei es vor allem darum gegangen, dass alle Teilnehmenden auf demselben Stand sind, was antidemokratische Umtriebe und Akteure im Ort angeht. So konnte Hoffmann etwa berichten, dass eine rechte Verschwörungs-Zeitschrift insbesondere in Straßen eingeworfen wird, in denen Mitglieder von „Egelsbach ist mehr“ wohnen. Fitzthum stellte den anderen eine WhatsApp-Gruppe vor, in der rechtsradikale Aufkleber im Ortsgebiet dokumentiert und deren Entfernung koordiniert werden. „Manche der anderen wussten noch gar nichts davon“, erzählt er. Eine erste Erkenntnis der Premiere war, dass man den internationalen Charakter Egelsbachs, zum Beispiel bei Festen, noch mehr herausstellen könnte.
Gruppe trifft sich alle drei Monate
Ein weiteres Ziel der Runde ist ein besseres Miteinander der demokratischen Kräfte in der Lokalpolitik. „In der konstituierenden Sitzung hat die Gemeindevertretung kein gutes Bild abgegeben“, findet Fitzthum. Nach Unstimmigkeiten im Vorfeld hatte sich am 16. April ein Viererbündnis gebildet und die Grünen – eigentlicher Wahlsieger – bei der Vergabe der wichtigen Posten komplett ignoriert (wir berichteten). Der turbulente Abend zog heftige gegenseitige Anschuldigungen nach sich. „Es darf schon einen Diskurs geben, aber er sollte sachlich und vertrauensvoll sein“, sagt Fitzthum. „Wir sollten uns nicht zerfleischen, sondern lieber geräuschlos Politik für die Bürger machen.“ Das wollen die Mitglieder des Stammtisches auch in ihre Fraktionen tragen.
Geplant ist, dass die Runde in fester Besetzung alle drei Monate zusammenkommt. Öffentlich sind die Treffen vorerst nicht. „Wir wollen uns unserer Verantwortung stellen und die demokratischen Verhältnisse in Egelsbach wahren“, sagt Initiator Fitzthum. „Und wir hoffen, dass auch weiterhin keine antidemokratischen Parteien bei uns im Parlament sitzen.“ Bei der Kommunalwahl im März war die AfD, die in Hessen als rechtsextremer Verdachtsfall vom Verfassungsschutz beobachtet wird, in Egelsbach nicht angetreten – im Gegensatz zu allen anderen Städten und Gemeinden im Kreis Offenbach. Bei der Wahl zum Kreistag holten die Rechtspopulisten in Egelsbach 13 Prozent. Der neue Stammtisch will jedoch ausdrücklich nicht Stimmung gegen einzelne Parteien machen, sondern Werte wie Respekt und Vielfalt hochhalten und gefährliche Strömungen frühzeitig erkennen. „Dass sich alle demokratischen Parteien gemeinsam an einen Tisch setzen, würde ich mir auch mal auf Landes- oder Bundesebene wünschen“, betont Fitzthum.