Gaming: Wie das Pay2win-Konzept gute Spiele kaputtmachen kann
Ist Free to Play am Ende? Mit neuen Tricks versuchen Anbieter mehr Geld zu verdienen. Dieser Gastbeitrag beleuchtet das Pay2win-Konzept. In-Game-Käufe und virtuelle Währungen bestimmen zunehmend die Umsatzstruk...
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Ist Free to Play am Ende? Mit neuen Tricks versuchen Anbieter mehr Geld zu verdienen. Dieser Gastbeitrag beleuchtet das Pay2win-Konzept.
In-Game-Käufe und virtuelle Währungen bestimmen zunehmend die Umsatzstruktur auf dem Gaming-Markt. Insbesondere bei den Europäern ist die Toleranz für solche Mikrotransaktionen hoch. Zu diesem Ergebnis kommt der 2025 veröffentlichte Bericht „Unlocking Games Revenue: Player Behavior and Payment Trends in the West“. Darin beleuchtet man, welchen Einfluss das Pay2win-Konzept auf die Spiele haben kann.
Zwar können In-Game-Käufe positiven Einfluss auf den Spielspaß nehmen. Werden sie jedoch zur Voraussetzung dafür, im Spiel voranzukommen, können sie selbst gelungene Games ruinieren. Das zeigte sich bereits im Jahr 2018 an dem damals beliebten Spiel „Clash Royale“.
Kostenfreie Games, die dennoch Geld kosten?
Video- und Computerspiele haben sich in Deutschland von einem Nischenhobby längst zu einem Massenphänomen gemausert. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen, genauer gesagt 52 Prozent, zockt laut einer 2025 veröffentlichten Bitkom-Umfrage zumindest gelegentlich mit dem Smartphone, Computer oder der Spielkonsole.
Besonders beliebt unter den Handyspielen sind dabei die Free2Play-Games. Gemessen an der Spielerzahl, gehören einige von ihnen, etwa der Multiplayer-Shooter „Fortnite: Battle Royal“, zu den größten Games weltweit.
Die Beliebtheit der Spiele erklärt sich vor allem durch ihr Hauptmerkmal: Sie sind kostenfrei spielbar. Etwa auf einer Plattform wie Roblox. Zwar können sich Gamer eine Roblox-Karte kaufen, um in ihren Lieblingsspielen In-App-Käufe zu tätigen. Auf den Spielerfolg nehmen diese Käufe jedoch nur einen geringen Einfluss. Zumindest in der Theorie.
In der Praxis zeigt sich: In einigen Free2Play-Spielen sind die Mikrotransaktionen längst nicht mehr optional. Vielmehr werden sie durch die Programmierung der Games für den Spielspaß notwendig. Es handelt sich also um Pay2Win-Games.
„Clash Royale“ – vom guten Spielkonzept zur Cashcow
Erfordert ein Spiel den Einsatz einer echter Währung, um voranzukommen, setzt das nicht nur Reize für unnötige Geldausgaben. Für jene Spieler, die die In-App-Käufe tätigen, ergibt sich im Vergleich zu denen, die nicht zahlen, beim Gaming ein unfairer Vorteil.
In einem Free2Play-Spiel schürt dieses Prinzip schnell Frust. Dass es ganze Spielkonzepte zerstören kann, wurde 2018 am Online-Game „Clash Royale“ ersichtlich. Dessen Spielprinzip war einfach:
- Die Spieler konnten sich Decks aus acht Karten zusammenstellen. Darunter Einheiten, Gebäude- und Zauberkarten sowie Gestoße.
- Das Ziel bestand darin, innerhalb von drei Minuten die Türme des Gegners anzugreifen.
- Gewonnen hatte derjenige, der innerhalb dieser Zeit mehr Türme zerstören konnte.
- Mit dem Fall des sogenannten Königsturms war die Partie dagegen sofort beendet.
Essenziell für einen Sieg waren zu Beginn des Spiels sowohl ein gutes Timing als auch das Wissen um die Stärken und Schwächen der eigenen Karten. Durch die Monetarisierung büßte „Clash Royale“ jedoch einen großen Teil dieses Strategieprinzips ein.

Denn In-Game-Käufe machten es möglich, das eigene Deck mit Karten einer gewissen Seltenheitsstufe aufzuleveln. Und das, ohne mehr Zeit in das Spiel investieren zu müssen.
Für Spieler, die diese Karten nicht kaufen wollten, wurde es also umso schwieriger, kompetitiv zu bleiben. Um nicht auf einem Level zu stagnieren oder gar abzustürzen, bissen darum viele in den sauren Apfel und schritten zur Mikrotransaktion.
Ein weiterer Ansporn, um Spieler zu In-App-Käufen zu animieren, war zudem ein zunehmend unfaires Matchmaking. So wurden Spieler niedriger Level immer häufiger Kontrahenten höherer Level zugeteilt. Zu Beginn des Spiels trafen dagegen Spieler gleicher Stärke aufeinander.
Wer also gegen die starke Konkurrenz gewinnen wollte, musste aufleveln. Das funktionierte einerseits durch viel Zeit im Game und damit einhergehender Frustration durch wiederholte Niederlagen. Andererseits durch den Kauf besserer Karten. Damit wichen Strategie und Können also der Zahlungsbereitschaft.
Wie Spielehersteller ihre Umsätze maximieren
Die Studie „Unlocking Games Revenue: Player Behavior and Payment Trends in the West“ von Newzoo und Tebex hat untersucht, wie Spieler in Nordamerika und Europa Geld für Games ausgeben und welche Zahlungsarten sie bevorzugen. Das erklärte Ziel war es, Entwicklern und Publishern Hinweise zu geben, wie sie ihre Monetarisierung verbessern können.
Mehr Wachstum erreichen die Publisher bzw. Spielehersteller nicht durch das Anlocken von noch mehr Spielern. Die bestehenden Spieler müssen vielmehr zu höheren Ausgaben verleitet werden. Das liegt vor allem daran, weil die Anzahl der zahlenden Spieler in den USA und Europa nur noch vergleichsweise langsam wächst.
In Nordamerika geben die Gamer vor allem Geld aus, um exklusive Inhalte freizuschalten, für individuelle Merkmale ihres Charakters oder dafür, im Spiel erfolgreich zu sein. In Europa ist man offenkundig preisbewusster. Gamer achten vermehrt auf Spiele ganz ohne Werbung, auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Features, die man bei Sonderangeboten günstiger erwerben kann. Bezahlmethoden nach dem Buy Now, Pay-Later-Prinzip sind sehr beliebt. Auch die Nutzung von Kryptowährungen führt zu höheren Verkäufen. Kreditkarten und digitale Wallets dominieren den Markt aber weiterhin. Besonders beliebt sind neue Inhalte in Form von DLCs, In-Game-Währungen, kosmetische Inhalte, Battle Passes, Power-ups und Abonnements. Statt einer einzelnen Kaufoption solle man den Gamern lieber ein breit gefächertes Angebot an verschiedenen Produkten anbieten, um das Maximum an Umsatz herauszuholen.

Fazit: Die Hersteller müssen ihr Pay2win-Konzept den Bedürfnissen anpassen
Als Fazit hält die Studie fest, dass man als Spielehersteller die Motive der Spieler für den Kauf genauer erforschen und möglichst viele Bezahloptionen anbieten soll. Dies könne sowohl den Umsatz als auch die Bindung der Spieler an das Game steigern.
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