Gäste genießen Meeresbrise, doch Gradierbau I wird ab Herbst gesperrt – Sanierung kostet 2,6 Millionen Euro

Die Stadt Bad Nauheim sperrt ab Herbst das Areal um den Gradierbau I mit Inhalatorium und Liegewiese. Die Arbeiten dauern bis Mitte 2028, denn der Schwarzdorn muss nach 20 bis 25 Jahren komplett erneuert werden.

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Gäste genießen Meeresbrise, doch Gradierbau I wird ab Herbst gesperrt – Sanierung kostet 2,6 Millionen Euro

Stand: 03.08.2026, 06:00 Uhr

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Bad NauheimGradierbau I wird saniert. Stimmungsbild und offene Fragen.

In diesem Sommer ist es noch möglich, die Liegewiese und andere Annehmlichkeiten rund um den Gradierbau I zu genießen. Ab Herbst wird saniert – dann ist bis Mitte 2028 geschlossen. © Nici Merz

Die Stadt Bad Nauheim sperrt ab Herbst das Areal um den Gradierbau I mit Inhalatorium und Liegewiese. Die Arbeiten dauern bis Mitte 2028, denn der Schwarzdorn muss nach 20 bis 25 Jahren komplett erneuert werden.

Bad Nauheim – Schon von weitem ist es zu erkennen: Fast alle Bänke vor dem Gradierbau I in Bad Nauheim sind besetzt. Die Menschen genießen die erfrischende Brise, die dort zart weht. „Heute bin ich hauptsächlich wegen der Kühle hergekommen“, sagt Hella Steiner. Es mache vier, fünf Grad Unterschied aus. „Ich wohne an der Schwalheimer Straße und habe im Schlafzimmer nachts 25 Grad, und auf dem Balkon mittags 30 – und da ist es hier die reinste Erholung. Es ist wunderschön.“

Bad NauheimGradierbau I wird saniert. Stimmungsbild und offene Fragen.

Löchriger Schwarzdorn © Nici Merz

Kühle und Wasserplätschern

Den Gradierbau entlangzugehen, ist ebenfalls angenehm. Das Wasser plätschert vom stellenweise löchrigen Schwarzdorn herunter, auf dem auch Ablagerungen zu sehen sind. Hans-Peter Niklas aus Bad Nauheim fühlt sich wohl. „Im Sommer, wenn es so warm ist, komme ich hierher“, erzählt er. Es sei kühl, und die solehaltige Luft tue seinen Atemwegen gut.

Mittel von Bund/Land

Die Sanierung von Gradierbau I kostet die Stadt 2,6 Millionen Euro netto. Enthalten sind Fördermittel in Höhe von insgesamt rund 1,3 Millionen Euro. Davon stammen 1.053.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm XIII des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Weitere 180.000 Euro kommen aus dem hessischen Landesfördertopf zum Erhalt von Kulturdenkmälern. Für den Erhalt der Bundesfördermittel haben sich Staatsministerin Natalie Pawlik (SPD) und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Peter Heidt (FDP) intensiv eingesetzt.

Mit der bevorstehenden Sanierung kann er trotzdem leben, auch wenn man das Areal mit Inhalatorium und Liegewiese deshalb nicht mehr besuchen kann. Zumindest von diesem Herbst bis Mitte 2028, wenn dort gearbeitet wird. „Der Gradierbau an der Langen Wand war ja auch eine ewige Baustelle“, meint Niklas.

Der neu gestaltete Keltenpavillon, der in die Anlage integriert ist, wird während dieser Zeit nur virtuell zugänglich sein. Momentan ist der Raum belebt. „Wir waren hier schon öfter. Es ist sehr interessant“, sagt Heike Swingle, Tagestouristin aus den USA. Die Gradierbauten empfindet sie als wohltuend, auch für die Atemwege. Ihr Mann, sie und die Enkelkinder seien allerdings nicht zum Inhalieren da, sondern unterwegs, um Sehenswürdigkeiten anzuschauen.

Auf der Wiese stehen Strandkörbe und Liegen. Von dieser Seite aus sind die Schäden am Gradierbau ebenfalls sichtbar. Menschen erfreuen sich an der Ruhe, manche in der Sonne, andere im Schatten. Ein Besucher aus Büdingen und seine Kollegin sind soeben im Kneippbecken gewesen. „Ich war heute erstmals auch im Inhalatorium“, sagt der Mann. Das sei eine schöne Sache gewesen, habe ihm Spaß gemacht. „Ich würde mich freuen, wenn das erhalten bleibt oder sogar noch ausgebaut wird und mehr Nutzung erfährt.“

Genau das ist die Absicht. Wie die städtische Pressestelle auf Anfrage mitteilt, wird das Gesamtinvestitionsvolumen der Sanierung auf rund 2,6 Millionen Euro netto beziffert. Darin enthalten sind Fördergelder von 1,3 Millionen Euro (diese Zeitung berichtete).

Wie seit März vergangenen Jahres aber auch bekannt ist, möchte die Stadt ein Ganzjahres- und Kinderinhalatorium errichten. Dies, da sich das derzeitige Inhalatorium nur für die Öffnung von März bis Oktober eignet. Es bestand die Überlegung, den Keltenpavillon dafür umzubauen, der jüngst neu gestaltet worden ist. Wegen des defizitären Haushalts wurde dieser Sprung aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Bad NauheimGradierbau I wird saniert. Stimmungsbild und offene Fragen.

Ablagerungen © Nici Merz

Kein Widerspruch beider Maßnahmen

Wie kontraproduktiv war die Neugestaltung des Pavillons und ist eine Sanierung vor dem Hintergrund dieser Pläne? Laut Rathaus widersprechen sich die beiden Maßnahmen nicht. Ganzjahres- und Kinderinhalatorium seien zurückgestellt worden, „weitere Schritte hängen von den Ergebnissen des Konsolidierungsprozesses ab“. Die Planungen könnten jederzeit wieder aufgenommen werden.

Wie die Pressestelle erklärt, sei Gesundheit in Bad Nauheim ein messbarer Wirtschaftsfaktor. Deshalb betrachte die Stadt ein Ganzjahresinhalatorium mit Kinderbereich als grundsätzlich sinnvolle Investition und zeitgemäßes Angebot. „Es ergänzt das Inhalatorium am Gradierbau I außerhalb der Betriebszeiten und wirkt nicht nur gesundheitsfördernd, sondern auch identitätsstiftend.“

Laut Rathaus ist die Sanierung des Gradierbaus I technisch geboten. „Der Schwarzdorn, der für die Gradierfunktion essenziell ist, muss in regelmäßigen Abständen von 20 bis 25 Jahren erneuert werden.“ Daher sei die Instandsetzung unabhängig vom Ganzjahresinhalatorium zu betrachten. Die Neugestaltung des Keltenpavillons habe nicht viel Geld gekostet und diene der kurzfristigen Standortattraktivierung – wohl wissend, dass weitere Entwicklungsschritte noch dauern werden.