Geld aus der Kapitalrente sollte Europa finanzieren

StartseiteWirtschaftStand: 17.09.2026, 13:50 UhrKommentareUns auf Google folgen„Stromnetze, Schienen, bezahlbarer Wohnraum, erneuerbare Energien, Gesundheit benötigen Kapital und bieten zugleich stabile Erträge...

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Geld aus der Kapitalrente sollte Europa finanzieren

Stand: 17.09.2026, 13:50 Uhr

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Großbaustelle auf der Schiene.

„Stromnetze, Schienen, bezahlbarer Wohnraum, erneuerbare Energien, Gesundheit benötigen Kapital und bieten zugleich stabile Erträge.“ © Hannes P Albert/dpa

Ab 2028 sollen jährlich 35 Milliarden Euro über die geplante Kapitalrente angelegt werden. Ohne klare Regeln landet das Geld bei Google, Apple und Co. Ein Gastbeitrag von Karsten Kührlings.

Deutschland spart für die Rente – bald auch am Kapitalmarkt. Mit der geplanten Kapitalrente ab 2028 entsteht ein Vermögen, wie es dieses Land noch nicht gesehen hat: Jährlich sollen mittelfristig 35 Milliarden Euro am Kapitalmarkt angelegt werden. Über die Kapitalrente wird viel diskutiert. Jedoch bleiben folgende Fragen meist unbeantwortet: Wohin fließt das Geld und wer profitiert davon? Ohne klare Leitplanken und wenn es schlecht läuft, geht das Geld dorthin, wo Anlagekapital heute fast automatisch landet: bei US-Tech-Konzernen und in globalen Indexfonds. Die deutschen Rentnerinnen und Rentner von morgen investieren dann in Apple, Google und Co. Und bei uns zu Hause bröckeln Brücken, die Industrie schwächelt und nachhaltige Stromnetze fehlen.

Dabei liegt der Bedarf vor der Haustür. Studien beziffern die Investitionslücke allein bei der deutschen Infrastruktur auf 400 bis 600 Milliarden Euro bis 2035. Das Sondervermögen des Bundes mit seinen 500 Milliarden Euro ist dabei schon rausgerechnet und verplant. Für Europa hat Mario Draghi den zusätzlichen Bedarf auf 750 bis 800 Milliarden Euro beziffert – wohlgemerkt: pro Jahr. Dass der Staat dies allein stemmt, ist illusorisch. Der Großteil muss von privater Seite kommen.

Karsten Kührlings ist Geschäftsführer der GLS Investments.

Karsten Kührlings ist Geschäftsführer der GLS Investments. © GLS

Die Kapitalrente könnte dabei mehr leisten als reine Vermögensbildung. Denn eine starke europäische Wirtschaft ist nicht nur Anlageobjekt, sondern auch die Grundlage künftiger Renten. Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Produktivität entscheiden langfristig darüber, wie viel Wohlstand erwirtschaftet und verteilt werden kann.

Für die Kapitalrente bleibt eine breite internationale Diversifikation zwar unverzichtbar. Dennoch sollte sie neben Rendite und Sicherheit auch einen Beitrag zur Stärkung Europas leisten. Dabei geht es nicht darum, maximale Rendite gegen Standortpolitik einzutauschen. Vielmehr eignen sich gerade Infrastruktur- und Energieinvestitionen aufgrund ihrer langfristigen und vergleichsweise stabilen Erträge für Anlegerinnen und Anleger mit einem jahrzehntelangen Anlagehorizont wie bei der Kapitalrente. Stromnetze, Schienen, bezahlbarer Wohnraum, erneuerbare Energien, Gesundheit benötigen Kapital und bieten zugleich stabile Erträge.

Investitionen stärken Europas Zukunftsfähigkeit

Zur Stärkung Europas gehört auch Wagniskapital. Unsere Start-ups und Wachstumsunternehmen haben die Ideen, finden aber zu selten das Geld zum wachsen – und wandern ab, samt Jobs, Patenten und Börsengängen. Schon ein kleiner Teil der Rentenmilliarden könnte das ändern und die zukünftigen europäischen Weltmarktführer finanzieren.

Entscheidend ist dabei nicht, wer das Geld verwaltet, sondern wie und wo es investiert wird. Jeder Euro, der in die europäische Wirtschaft fließt, stärkt unsere Zukunftsfähigkeit. Denn was nützt die schönste Kapitalrente, wenn die Wirtschaft, die sie tragen muss, im Wettbewerb zurückfällt?