„Bin die richtige Person“: Gerhard Zeiler will SPÖ-Chef werden
Der Medienmanager Gerhard Zeiler hat am Freitag angekündigt, SPÖ-Chef werden zu wollen. „Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen“, sagte er der „Kronen Zeitung“. In der SPÖ gab man sich zurückhaltend.
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„Bin die richtige Person“
Der Medienmanager Gerhard Zeiler hat am Freitag angekündigt, SPÖ-Chef werden zu wollen. „Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen“, sagte er der „Kronen Zeitung“. In der SPÖ gab man sich zurückhaltend.
Online seit heute, 13.54 Uhr
(Update: 15.42 Uhr)
Nun liege es an der SPÖ zu sagen, ob sie dem zustimme, so Zeiler. Laut APA-Informationen denkt Parteichef Andreas Babler nicht daran, sein Amt zurückzulegen. Entscheiden müsste dann die Basis. Babler war erst im März für eine dreijährige Amtsperiode wiedergewählt worden. Stürzen kann man ihn nur, wenn zehn Prozent der Mitglieder eine Direktwahl verlangen. Dann hat Babler noch immer die Chance, sich bei diesem Mitgliederentscheid gegen Zeiler durchzusetzen.
Zeiler sagte, für ihn sei jetzt die Partei am Zug: „Ich habe noch nie in meinem Leben wo gearbeitet, wo ich nicht gewollt bin. Und jetzt muss die SPÖ sagen: Ist Gerhard Zeiler gewollt oder ist er nicht gewollt?“
SPÖ mit Verweis auf geltende Regeln
In der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße reagierte man mit Verweis auf die geltenden Regeln: „Wenn jemand gegen den aktuellen Vorsitzenden kandidieren will, kann und muss er das im Rahmen der statutarischen Möglichkeiten tun.“ Das „impliziert“ eine Abstimmung unter den Mitgliedern. Von den Koalitionspartnern gab es auf APA-Anfrage noch keine offizielle Reaktion. Weder die Kanzlerpartei ÖVP noch NEOS wollte die parteiinternen Vorgänge bei der SPÖ kommentieren.
Länderreaktionen gemischt
Die SPÖ-Länderreaktionen fielen gemischt aus. Ein deutliches Nein zu Zeiler kam aus dem Burgenland. Aus dem Büro von Landesparteichef Hans Peter Doskozil hieß es am Freitag, dass man die aktuellen Entwicklungen nur aus den Medien kenne – mehr dazu in burgenland.ORF.at.
Salzburgs Parteichef Peter Eder meinte jedoch, dass die Sozialdemokraten auf Bundesebene schleunigst zur Ruhe kommen müssten: „Diese Diskussionen gehören endlich beendet.“ Der oberösterreichische SPÖ-Chef Martin Winkler wollte die Angelegenheit nicht öffentlich kommentieren, er sei „kein Balkon-Muppet“. Personalthemen würden in den Gremien diskutiert – mehr dazu in ooe.ORF.at.
Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner, der als Zeiler-Unterstützer gehandelt wird, wollte keinen Kommentar abgeben. Gleiches gilt für Niederösterreichs Landeschef Sven Hergovich. Am offensten zeigte sich bisher der Vorarlberger Landesvorsitzende Mario Leiter. Demokratie sei ein Wettbewerb der besten Ideen – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.
Von der steirischen SPÖ kamen grundsätzlich freundliche Worte. SPÖ-Landtagsklubobmann Hannes Schwarz sagte am Freitag auf APA-Anfrage, Zeiler sei eine ernst zu nehmende Persönlichkeit und international sehr erfolgreich in der Wirtschaft. „Wenn sich jemand mit so einer Expertise und Erfahrung für die Sozialdemokratie einbringen möchte, ist das jedenfalls respektabel.“
Karriere in Politik und Medien
Der 71-Jährige wuchs als Arbeiterkind in Wien auf und trat früh der Sozialistischen Jugend bei. Später war er, der sich an mehreren Studien – Psychologie, Soziologie und Pädagogik – versuchte, im Parteipressedienst tätig, ehe es ihn in den 1970ern als Pressesprecher zum damaligen Unterrichtsminister Fred Sinowatz (SPÖ) verschlug. Danach war er für Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) als ebensolcher tätig.
1986 wechselte Zeiler in die Medienbranche, zuerst als Generalsekretär, später als Generaldirektor des ORF und danach als CEO bei RTL2. 2012 zog es ihn in die USA, wo er zuletzt das internationale Geschäft von WarnerMedia verantwortete.
„Leidenschaftlich Rot“
Über all die Jahre blieb Zeiler eng mit der Sozialdemokratie verbunden, 2019 etwa veröffentlichte er das Buch „Leidenschaftlich Rot: Darum mehr Sozialdemokratie“. In einem Gastkommentar für „profil“ meinte er: „Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass es möglich ist, das Ruder herumzureißen.“ SPÖ und ÖVP hätten den Mut verloren, den Menschen zuzuhören und sich mit ihnen von Angesicht zu Angesicht auseinanderzusetzen. Zudem hätten sie die Fähigkeit verloren, ihr politisches Handeln in Form einer optimistischen Zukunftsvision zu kommunizieren.
Jede der Regierungsparteien werde die eine oder andere heilige Kuh schlachten müssen, und sie würden offen für neue Ideen sein müssen, schreibt Zeiler. „Es ist die einzige Option, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Ohne Mut zur Veränderung, ohne Wirtschaftskompetenz und ohne das Wissen, wie die Welt heute funktioniert, wird sich kein Erfolg einstellen.“