Kolumbien: Gewalt nach Amtsantritt des Präsidenten
Der Amtsantritt von Kolumbiens Staatschef Abelardo de la Espriella ist am Wochenende von Gewalt überschattet worden. Einen Tag nach der Vereidigung des ultrarechten Politikers wurden am Samstag an verschiedenen Orten des südamerikanischen Landes zwei Bombenanschläge verübt, wie die Armee mitteilte. De la Espriella verurteilte die Anschläge scharf. Zuvor hatte er seine Absicht bekräftigt, wieder für „Ordnung“ zu sorgen.
- 3 min read
Kolumbien
Der Amtsantritt von Kolumbiens Staatschef Abelardo de la Espriella ist am Wochenende von Gewalt überschattet worden. Einen Tag nach der Vereidigung des ultrarechten Politikers wurden am Samstag an verschiedenen Orten des südamerikanischen Landes zwei Bombenanschläge verübt, wie die Armee mitteilte. De la Espriella verurteilte die Anschläge scharf. Zuvor hatte er seine Absicht bekräftigt, wieder für „Ordnung“ zu sorgen.
Online seit heute, 13.30 Uhr
Kolumbiens Armee erklärte, dass abtrünnige FARC-Guerillakämpfer am Samstag eine Mautstelle nahe Cali im Südwesten des Landes mit Sprengstoff zerstört hätten. Zwei Sicherheitskräfte hätten leichte Verletzungen erlitten.
Etwa 1.000 Kilometer nördlich wurde im Departement Cesar bei einem weiteren Bombenanschlag ein Beamter getötet. Dort traf eine mit Sprengstoff versehene Drohne eine Polizeistation, wie Behördenvertreter mitteilten. Wer hinter dem Anschlag steckte, war noch unklar.
Brüchiges Friedensabkommen
In der Region Cali sind Kämpfer unter dem Kommando von Ivan Morodisco aktiv, der als meistgesuchter Guerillakommandant Kolumbiens gilt. Morodisco führt Kämpfer an, die sich vom historischen Friedensabkommen von 2016 zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung abgespalten haben.
Zehn Jahre nach dem historischen Friedensabkommen werden Teile des Landes weiterhin von abtrünnigen bewaffneten Gruppen beherrscht, die die Kokainproduktion kontrollieren.
De la Espriella will harten Kampf gegen Gewalt
„Ein Angriff auf die Infrastruktur des Landes ist ein Angriff auf den Fortschritt“, erklärte De la Espriella nach den beiden Anschlägen auf der Plattform X. An die Verantwortlichen gerichtet fügte er hinzu: „Es wird keinen Zufluchtsort, keine Nachsicht und keine Straffreiheit geben.“
Der für seine harte Rhetorik bekannte Politiker war am Freitag vereidigt worden. In seiner Antrittsrede in Cali versprach der 48-Jährige, er werde den „Drogenterrorismus und alle kriminellen Organisationen unermüdlich bekämpfen“ und die Friedensgespräche mit bewaffneten Gruppen beenden.
Ende des Dialogs angekündigt
Nach seiner Vereidigung sagte er vor Hunderten uniformierten Soldaten, die von seinem linken Vorgänger Gustavo Petro verfolgte „Option des Dialogs“ sei „völlig ausgeschöpft“. De la Espriella stellte die Mitglieder illegaler Banden vor die Wahl: sich dem Gesetz zu „unterwerfen“ oder sich mit der „entschlossenen Härte des Staates“ konfrontiert zu sehen.
Der Millionär und Anwalt gab sich selbst den Spitznamen „El Tigre“ (dt.: der Tiger) und will Kolumbien durch hartes Durchgreifen wieder „großartig machen“. Seine Vorbilder: die Präsidenten der USA (Donald Trump), Argentiniens (Javier Milei) und El Salvadors (Nayib Bukele).
Ungewöhnlicher Ort für Amtseinführung
Auch die kurz zuvor abgehaltene Amtseinführung fand ungewöhnlicherweise nicht in der Hauptstadt Bogota, sondern in Cali statt. Die drittgrößte Stadt Kolumbiens ist international für das nach ihr benannte Drogenkartell bekannt. De la Espriella hatte Cali ausgewählt, obwohl es zuletzt mehrfach Schauplatz von Anschlägen bewaffneter Gruppen gewesen war. Rund 11.000 Sicherheitskräfte wurden rund um die Amtseinführung eingesetzt.
Versprechen einer „neuen Ära“
De la Espriella hatte die Stichwahl um die kolumbianische Präsidentschaft am 21. Juni mit weniger als einem Prozentpunkt Vorsprung gewonnen. Der Politikneuling hatte nach seinem Wahlsieg eine „neue Ära“ versprochen.
Er kündigte unter anderem Luftangriffe auf Lager bewaffneter Gruppen, den Bau von Megagefängnissen und eine engere militärische Zusammenarbeit mit den USA und Israel an. Die US-Regierung will umgerechnet rund 860 Millionen Euro als Teil eines Sicherheitspakets zur Unterstützung der neuen Regierung Kolumbiens bereitstellen.
De la Espriellas Amtseinführung fand inmitten der schlimmsten Gewaltwelle statt, die Kolumbien in den vergangenen zehn Jahren erlebt hat. Sein Vorgänger Petro, der erste linke Präsident in der Geschichte Kolumbiens, hatte versucht, mit mehreren bewaffneten Gruppen Friedensabkommen auszuhandeln – allerdings mit wenig Erfolg.