Norwegens Staatsfonds: Warum die Schweiz keinen hat
Finanziert wird der Fonds mit Gewinnen aus den Öl- und Gasfeldern Norwegens – und gleichzeitig soll er mit seinen Investments weltweit den Klimaschutz vorantreiben. Ist das ein Widerspruch oder ein cleveres Modell? Und warum hat die Schweiz keinen vergleichbaren Staatsfonds? Wir zeigen Norwegens Weg vom Armenhaus in Europa zum reichen Vorbild – und beantworten die Frage, was die Schweiz daraus lernen könnte. ____________________ Habt Ihr Fragen oder Themen-Inputs? Schreibt uns gerne per Mail
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Gewinne in Norwegen Warum gibt es nicht auch einen Staatsfonds in der Schweiz?
Norwegen verdient Milliarden mit seinem Staatsfonds. Warum die Idee eines Schweizer Staatsfonds bisher erfolglos blieb.
14.08.2026, 06:39
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Darum geht es: Der «Government Pension Fund Global» in Norwegen wurde geschaffen, um die Einnahmen aus Öl und Gas langfristig für künftige Generationen zu sichern. Laut seinen gesetzlichen Richtlinien, wird das Vermögen ausschliesslich im Ausland angelegt, vor allem in Aktien. Er gehört zu den weltweit grössten Staatsfonds. Rund 1.5 Prozent aller börsenkotierten Unternehmen weltweit gehören dem Fonds. Das macht ihn auch aussenpolitisch zu einem wichtigen Instrument, sagt SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann.
Kritik am Erfolgsmodell: Auf Kritik stösst der Fonds wegen der Frage der Nachhaltigkeit. Das Vermögen stammt aus dem Öl- und Gasgeschäft, während der Fonds Unternehmen zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Klimarisiken bewegen soll. Die jüngst veröffentlichten Zahlen zeigen, wie erfolgreich dieses Modell sein kann: Rund 184 Milliarden Dollar wurden im ersten Halbjahr 2026 erzielt.
Wert des Norwegischen Staatsfonds in Echtzeit
Warum die Schweiz keinen hat: Die Idee wurde politisch immer wieder diskutiert, bisher aber ohne Erfolg. Laut SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim hat das verschiedene Gründe. Einerseits verfügt die Schweiz im Vergleich zu Norwegen über keine Rohstoffeinnahmen, mit denen man einen solchen Fonds speisen könnte. Als Alternativen wurden unter anderem die Devisenreserven oder die Gewinne der Schweizerischen Nationalbank ins Spiel gebracht. Bisher sind diese Vorschläge jedoch am Widerstand des Bundesrats und der Nationalbank gescheitert. Das norwegische Modell bleibt trotzdem verlockend: Schon in der Vergangenheit wurde in politischen Vorstössen für einen Schweizer Staatsfonds auf die hohen Gewinne des Fonds verwiesen. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben.
Was ist ein Staatsfonds?
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Ein Staatsfonds kann als grosses Anlagekonto eines Staates verstanden werden. Statt Geld auszugeben, legt der Staat es langfristig an, zum Beispiel in Aktien, Anleihen oder Immobilien. Die Erträge bleiben im Fonds oder fliessen zurück an den Staat und damit wieder an die Bevölkerung.
Die Ziele können dabei unterschiedlich sein: Saudi-Arabien nutzt seinen Staatsfonds unter anderem, um grosse Investitionen und Bauprojekte zu finanzieren. Singapur schafft damit ein finanzielles Polster für wirtschaftlich schwierige Zeiten. Norwegen hingegen legt die Einnahmen aus Öl und Gas an, damit auch künftige Generationen vom heutigen Rohstoffreichtum profitieren können.
Darum stellt sich die SNB trotz Gewinnen dagegen: Die Gewinne der Nationalbank seien keine verlässliche Einnahmequelle, sagt Matthias Heim. In den vergangenen zehn Jahren schrieb die SNB in drei Jahren Verluste und in sieben Jahren Gewinne, und das teils mit enormen Ausschlägen. Hinzu kommt: Die SNB hat nicht den Auftrag, Gewinne zu erwirtschaften, sondern Geldpolitik zu betreiben. Ein Staatsfonds, der von ihren Gewinnen abhängig wäre, könnte diesen Fokus verwässern.
SNB (links) und Bundeshaus (rechts): Könnte die Schweiz ihr Staatsvermögen stärker für sich arbeiten lassen?
Keystone / Peter Klaunzer
Statt beim Bund, die Kantone: Grundsätzlich könnten auch Kantone eigene Fonds auflegen. Das wird in anderen Ländern bereits gemacht: So haben in den USA einzelne Bundesstaaten eigene Staatsfonds. Matthias Heim verweist bei der Frage aber auf den Schweizer Kontext. Hierzulande gilt Eigenverantwortung als sehr wichtig. Überschüsse werden eher über Steuersenkungen an Haushalte und Unternehmen zurückgegeben, als sie langfristig in einem Fonds anzulegen.
Neue Ausgaben, alte Frage: Die Nationalbank erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von rund 25 Milliarden Franken. Sollte auch die zweite Jahreshälfte stark ausfallen, könnte die Frage nach einem Staatsfonds erneut aufkommen, sagt Heim. Bisher regelte eine sogenannte Gewinnausschüttungsvereinbarung, wie die Gewinne der SNB über mehrere Jahre an Bund und Kantone verteilt werden. Die Ausschüttungen beliefen sich auf bis zu sechs Milliarden Franken pro Jahr. Wie die Ausschüttung für 2026 aussehen wird, ist noch offen. Eine neue Vereinbarung wurde bisher nicht kommuniziert.
SRF 4 News, 13.08.2026, 16:12 Uhr;liea