Globaler Rekord bei Internetsperren: Vodafone fordert strenge Regeln gegen Internet-Blackouts - Golem.de

Immer mehr Regierungen setzen auf das gezielte Kappen von Internetverbindungen - mit drastischen Folgen. Die Vodafone Group fordert verbindliche Schutzmechanismen und internationale Standards.

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Globaler Rekord bei Internetsperren: Vodafone fordert strenge Regeln gegen Internet-Blackouts - Golem.de

Immer mehr Regierungen setzen auf das gezielte Kappen von Internetverbindungen – mit drastischen Folgen. Die Vodafone Group fordert verbindliche Schutzmechanismen und internationale Standards.

Internet-Blackout in Gaza im Jahr 2023 (Bild: KHAN YOUNIS/ GAZA/ REUTERS)

Internet-Blackout in Gaza im Jahr 2023 Bild: KHAN YOUNIS/ GAZA/ REUTERS

Die Vodafone Group hat Regierungen weltweit dazu aufgefordert, Internetabschaltungen nicht weiter unkontrolliert anzuordnen. Joakim Reiter, Chief External und Corporate Affairs Officer, erklärte am 18. September 2026(öffnet im neuen Fenster):"Regierungen müssen ihre Praxis der Internetsperren überprüfen und Schutzmaßnahmen verstärken; dazu gehört auch ein breiteres, koordiniertes Vorgehen von Industrie, Regulierungsbehörden und Zivilgesellschaft."

Laut der Nichtregierungsorganisation Access Now und deren #KeepItOn-Koalition gab es im Jahr 2025 mindestens 313 gezielte Internetabschaltungen in 52 Ländern. Rund 800 Millionen Menschen waren davon betroffen. Der weltweite wirtschaftliche Schaden wird für 2025 auf knapp 20 Milliarden US-Dollar geschätzt, wovon Schwellen- und Entwicklungsländer besonders hart getroffen wurden.

Die Dauer vollständiger Internet-Blackouts stieg 2025 den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent, gezielte Blockaden einzelner Social-Media-Plattformen verzeichneten ein Plus von 66 Prozent. Neben direkten Schäden wie der Unterbrechung von Notdiensten sowie der Bildungs- und Finanzsysteme hätten diese Abschaltungen die Verbreitung von Fehlinformationen begünstigt, hieß es.

Auch Indien schaltet häufig das Internet ab

Die global aktive Vodafone Group appellierte an die Regierungen, einen transparenten Regelungsrahmen zu schaffen, um dem Anstieg zu begegnen. Der Konzern forderte einen Handlungsrahmen, um Internetabschaltungen auf das absolute Minimum zu beschränken und strengen Auflagen zu unterwerfen.

Abschaltungen dürfen nur als letztes Mittel bei konkreten Bedrohungen eingesetzt werden. Nötig seien die Einbeziehung unabhängiger Stellen, Überprüfungsrechte vor Gericht, schriftliche Anordnungen sowie eine öffentliche Nachbereitung zu den Auswirkungen der Sperrungen.

Laut Access Now führt Myanmar die Statistik mit 95 dokumentierten Abschaltungen an, die überwiegend durch das Militärregime angeordnet wurden. Indien ordnete 65 regionale oder lokale Sperren an, auch um Proteste zu verhindern.

In Pakistan gab es 20 Abschaltungen, vor allem rund um Wahlen und Proteste. Das Regime im Iran ließ das Internet 11-mal abschalten. In Tansania wurden 8 Abschaltungen im Zusammenhang mit Wahlen und Demonstrationen angeordnet. Im Sudan gab es schwere Netzausfälle während der humanitären Krise.

In Gaza gab es laut Access Now und der Nichtregierungsorganisation 7amleh gezielte Netzunterbrechungen während großer militärischer Operationen Israels, um die Kommunikation und Koordination von Palästinensern vor Ort zu unterbinden.

Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen wurden 2025 auch in Ländern wie den USA einzelne Vorfälle gezielter Netz- oder Dienstunterbrechungen registriert. Laut Access Now und digitalen Bürgerrechtsorganisationen wurde bei Protesten und Blockaden gegen den Terror der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE mehrfach zu punktuellen Mobilfunk-Blockaden gegriffen.