„Große Belastung“: Züge im Saarland werden immer unpünktlicher – diese Strecken sind besonders betroffen
Die Züge im Saarland werden immer unpünktlicher. Im vergangenen Jahr war nur rund jeder sechste Zug pünktlich. Dabei gibt es Strecken, die besonders anfällig sind. Und eine Kurzstrecke, die besonders pünktlich ist.
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„Große Belastung“ Züge im Saarland werden immer unpünktlicher – diese Strecken sind besonders betroffen
Saarbrücken · Die Züge im Saarland werden immer unpünktlicher. Im vergangenen Jahr war nur rund jeder sechste Zug pünktlich. Dabei gibt es Strecken, die besonders anfällig sind. Und eine Kurzstrecke, die besonders pünktlich ist.
07.09.2026 , 08:00 Uhr
Im Schnitt ist fast jeder sechste Zug im Saarland verspätet. Vor allem die Achse Richtung Frankfurt ist ein Problem.
Foto: Fabian Sommer/dpa/Fabian Sommer
Die Züge im Saarland sind in den vergangenen Jahren immer unpünktlicher geworden. Sind 2021 noch fast 93 Prozent der Züge im Schienenpersonennahverkehr planmäßig gefahren, ist dieser Wert im vergangenen Jahr auf nur noch 84 Prozent gesunken. Das heißt, dass fast jeder sechste Zug im Land Verspätung hat. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion an die Landesregierung hervor.
Züge im Saarland unpünktlich – nicht alle Verspätungen entstehen im Saarland
„Das ist natürlich nicht zufriedenstellend. Ganz im Gegenteil. Das ist eine große Belastung für alle, die Bahn fahren“, sagt Alwin Theobald, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. Tatsächlich haben in den vergangenen Jahren nur drei Linien ihre Pünktlichkeitsquote annähernd halten können, alle anderen haben sich verschlechtert – teils deutlich. Besonders schlecht steht der RE3 von und nach Frankfurt da: Hier ist fast jeder dritte Zug verspätet. Aber auch bei der RB33 und der RB68 ist rund jeder vierte Zug unpünktlich. Dabei wurden fast alle Verbindungen schlechter. Nur drei Verbindungen haben ihre Quoten halten können. Die beste Pünktlichkeitsquote hat dabei die RB77 zwischen Dillingen und Niedaltdorf. Kein Wunder, dauert die Fahrt doch nur 13 Minuten.
Längst nicht alle Verspätungen entstehen dabei im Land. So verweist die Landesregierung in ihrer Antwort bei den Problemen beim RE3 und bei der RB33 auf die „infrastrukturellen und betrieblichen Störungen und Einschränkungen im Rhein-Main-Gebiet, welche sich dann bis ins Saarland fortsetzen“. Doch es ist nicht nur die wichtige Verkehrsachse Richtung Frankfurt betroffen. Auch beim RE1 nach Koblenz hat fast jeder fünfte Zug Verspätung.
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Selbstversuch: Eine Fahrt mit Bus und Bahn von Naßweiler nach Eiweiler (mit Zeitstempeln)
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Foto: Hannah Merk
VCD: Auch hausgemachte Probleme auf den wichtigen Achsen
Und dort sei das Problem großteils hausgemacht, sagt Manuel Schauer, stellvertretender Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Denn im Bahnhof Koblenz hat der Zug gerade einmal 14 Minuten Wendezeit. Das sei viel zu knapp bemessen. Hat der Zug in die eine Richtung Verspätung, setzt sich das fast zwangsläufig in die andere Richtung fort. „Hier müsste eigentlich vertraglich vereinbart werden, dass ein Ersatzfahrzeug bereitsteht oder diese überschlagene Wende nicht mehr gemacht wird“, sagt Schauer.
Gerade die Verbindungen außer Landes haben besonders schwache Pünktlichkeitsquoten. Kaum jemand, der aus dem Saarland Richtung Köln oder Frankfurt – und dann oft weiter in der Republik fährt –, plant seine Reise ohne Puffer. „Vor allem auf den großen Strecken ist es ja eigentlich leider ein Dauerzustand und ein Problem für die Anbindung, gerade an das Rhein-Main-Gebiet“, sagt Theobald.
Hier sind die Probleme am offensichtlichsten. Aber die Erklärung, auch der Bahn, dass vor allem Baustellen und fehlende Zweispurigkeit für die Unpünktlichkeit verantwortlich seien, will Verkehrsclub-Vize Schauer nicht gelten lassen. „Alles auf die Infrastruktur zu schieben, ist zu einfach. Dass Züge nicht rechtzeitig bereitgestellt werden oder kein Lokführer da ist, das kommt auch vor. Und selbst bei den Lokführern gibt es Unterschiede, wie sehr sie sich bemühen, Verspätungen aufzuholen.“
Strafsystem kompliziert und zweischneidiges Schwert
Der Haken aus Sicht des Landes: Seine Möglichkeiten sind überschaubar. Zwar gibt es einen langen Katalog mit Strafen – von 50 Euro pro Tag, wenn der Fußboden nicht „besenrein“ ist, über 5.000 Euro für unvollständige Fahrgastdaten bis hin zu Strafen für Unpünktlichkeit, die sich auf Hunderttausende Euro addieren können. Doch das System ist kompliziert. 2022 zahlten die Verkehrsunternehmen 2,9 Millionen Euro Strafen. Für die Folgejahre wird immer noch gerechnet. Und es gibt die offenbar nicht ganz unberechtigte Sorge, dass die Strafen ein zweischneidiges Schwert sind, weil die Unternehmen sie bei den nächsten Ausschreibungen einkalkulieren und auf den Preis aufschlagen.
Hoffnung macht VCD-Vize Schauer der Fahrplanwechsel im Dezember, wenn die Taktung deutlich erhöht wird. „Der 20-Minuten-Takt kann im Land sicher einiges auffangen. Wenn die nächste Bahn bald kommt, sind Kleinverspätungen nicht mehr so schlimm“, sagt er. Das gelte aber eben nur für die Verbindungen und Anschlüsse im Saarland. „Wer aus dem Land raus muss, für den bleibt es aber schwierig.“ (lck)
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