Gut fünf Tonnen Gesamtgewicht: Kardinal Marx weiht neue Bronzeglocken für Kirche in Oberbayern
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Stand: 27.09.2026, 19:45 Uhr
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Eine der alten Stahlglocken wäre im Mai 2023 beinahe abgestürzt. Die vier neuen Bronzeglocken sind deutlich leichter, Kardinal Reinhard Marx hat sie jetzt geweiht.
Beuerberg – Unbedingt mitfeiern wollten sie: Das Ehepaar Antonia und Carl Pacher lebt erst seit drei Monaten in Beuerberg und erlebte jetzt dort sein erstes großes Fest. „Wir sind als Katholiken für Tradition und Gemeinschaft“, sagte Carl Pacher (34). Er wolle sich künftig verstärkt ins Gemeindeleben einbringen. Selbstverständlich also, dass er, seine Frau und seine drei Kinder, am Sonntag (27. September) mit dabei waren, bei der Glockenweihe an der Stiftskirche Peter und Paul. Fast schon ein Pflichttermin für die Pachers.
Gut fünf Tonnen Gesamtgewicht: Kardinal Marx weiht neue Bronzeglocken für Kirche in Oberbayern
Das sahen wohl viele Gläubige so, der Andrang war jedenfalls enorm: Geschätzt 2000 Gläubige kamen zur Stiftskirche, um gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx die vier neuen Glocken zu weihen, mit Festgottesdienst und anschließendem Pfarrfest. Nicht alle fanden in der Kirche Platz, sodass der Gottesdienst nach draußen übertragen wurde.

Immerhin kommt eine Glockenweihe nicht alle Tage vor, die bis dato letzte in Beuerberg fand am 19. Juni 1949 statt. Zwei Tage hat sie dieses Mal gedauert: Sie begann am Samstag mit der feierlichen Einholung der Glocken. Diese wurden in auf Pferdefuhrwerken in einem Festzug zum Platz vor dem Gotteshaus gefahren und dort für die Weihe aufgestellt. Nach einer Andacht in der Kirche hielten dann Vereine und Gruppen aus dem Ort abwechselnd Glockenwache bis in die Nacht.
Im Mai 2023 drohte der Absturz einer Glocke
Der Austausch der Glocken erfolgte nicht ganz freiwillig, denn kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden noch die Glocken aus Stahl gefertigt. Das hohe Gewicht – über fünf Tonnen – belastete den jahrhundertealten barocken Turm jedoch so sehr, dass im Laufe der Jahre gefährliche Verschleißerscheinungen aufgetreten waren. Mit gravierenden Folgen: Die Materialermüdung an der Aufhängung hätte beinahe zum Absturz der Peter-und-Pauls-Glocke im Mai 2023 geführt. Die neuen Klangkörper sind jetzt leichter: Sie sind aus Bronze gegossen und erfüllen laut Pfarrer Bernhard Häglsperger gleich zwei Eigenschaften: „Der Klang entspricht wieder mehr dem Glockenideal und das geringere Gewicht schont den Turm.“
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„Beuerberg ist ja schon immer ein besonderer Ort gewesen“, sagte Kardinal Marx im Gottesdienst. Kunst, Bildung, gute Gespräche – „eine Gemeinde, die alle Menschen willkommen heißt“. Der Klang der Kirchenglocke sende ja eindeutige Signale: „Seid willkommen!“ Und: „Ihr seid nicht allein.“ Nach dem Gottesdienst fand die eigentliche Weihezeremonie statt. Dazu sprach Marx ein Segensgebet und besprengte jede Glocke mit Weihwasser, beräucherte sie mit Weihrauch und salbte sie mit dem Salböl Chrisam – und zwar von allen vier Himmelsrichtungen. Danach wurde jede Glocke mit einem Schlägel angeschlagen – ein heller, fast fröhlicher Klang.

Der hat gekostet: Der Freistaat Bayern hat den größten Teil der Kosten getragen, rund 815.000 Euro kostete das neue Geläut insgesamt. Allein die Glocken schlugen mit gut 206.000 Euro zu Buche. Alexander Piehl, stellvertretender Sachgebietsleiter bei der Bezirksregierung und verantwortlich für Hochbauprojekte in Oberbayern, hätte sich mehr Tempo bei der Umsetzung der Glockenerneuerung gewünscht: „Aber die fehlenden Haushaltsmittel haben das Projekt verzögert.“ Aber er freue sich nun darauf, wenn die Glocken endlich wieder läuten, so Piehl in seiner Ansprache. Das kann schon bald der Fall sein, in den kommenden Tagen sollen die Glocken im Turm montiert werden.
Das ist es doch, was eine Dorfgemeinschaft ausmacht, etwas, was die Menschen verbindet und zusammenbringt.
In der Tat ist die Installation neuer Glocken etwas, was nicht so nebenbei passiert. Das Staatliche Hochbauamt Weilheim etwa, welches für die Beuersberger Kirche als Staatseigentum verantwortlich ist, hatte nach dem Beinaheabsturz 2023 umfangreiche Messungen durchführen müssen, um zu ermitteln, welche Kräfteeinwirkungen der Turm maximal verträgt. Von diesen Parametern ausgehend, wurden die Größen der einzelnen Glocken festgelegt. In Kilogramm gesprochen: Die neuen Glocken wiegen insgesamt 5,16 Tonnen. Damit sind sie 4,6 Tonnen leichter als die Gusseisernen von 1949.
Einer, der selbst bei den Vorbereitungen angepackt hatte, war Bürgermeister Moritz Sappl. „Wo gibt es so etwas sonst, dass ein Rathauschef Balken schleppt?“, fragte er augenzwinkernd in die Runde. Sein Fazit: „Das ist es doch, was eine Dorfgemeinschaft ausmacht, etwas, was die Menschen verbindet und zusammenbringt.“