„Habe immer schon an Wunder geglaubt“: Ex-Baulöwe kauft Kloster – und baut es für neuen Zweck völlig um
StartseiteLokalesEbersbergStand: 24.08.2026, 13:39 UhrKommentareUns auf Google folgen„Upperroom“ nach der Pfingsterfahrung nennt Fadi Krikor den Gebetsraum, in dem er täglich allein betet. © Stefan RoßmannFadi ...
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Stand: 24.08.2026, 13:39 Uhr
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Fadi Krikor aus Grafing hat 2013 ein ehemaliges Dominikanerinnenkloster gekauft. Nach dem aufwendigen Umbau netzwerkt er dort, wie er sagt, im Sinne des Christentums.
Altenhohenau/Grafing – Es war beim Beten vor rund 13 Jahren, als diese Idee zu Fadi Krikor kam. „Kauf ein Kloster“, sprach ein Impuls in ihm, so erzählt es der 56-jährige Grafinger heute. Es dauerte, doch schließlich gab er nach. „Ohne Plan“, wie er gesteht, sei er bei den verkaufswilligen Dominikanerschwestern in Altenhohenau bei Wasserburg vorstellig geworden. „Das war peinlich“, erinnert er sich. Doch die Schwestern im Mutterhaus der Mission San José im kalifornischen Fremont hätten tagelang gebetet – und seien zu dem Schluss gekommen, dass der Bauunternehmer vom bekannten Grafinger Gebrüder-Unternehmen „K-Team“ gemeinsam mit seinem Bruder Adnan unter mehreren Bietern der Richtige sei. Dabei ist er nicht einmal Katholik. Aber tiefgläubiger Christ – und seit 2013 Eigentümer des schmucken Klosterbaus nahe dem Innufer mitsamt der angeschlossenen Heilerziehungs-Pflegeschule, der Stallungen und des Sportplatzes. Ein Wunder, findet er heute. „Ich habe immer schon an Wunder geglaubt.“
Keine Kirche, aber ein Ort, wo sich Kirche treffen soll

Der Plan stellte sich danach ein. Unter großem organisatorischen und finanziellen Aufwand baute Krikor, studierter Architekt, gemeinsam mit seiner Frau Nicole das ehemalige Kloster zu einem Treffpunkt für Christen aller Konfessionen und aus aller Herren Länder aus. Im „Father’s House for all Nations“ (FHN), so haben es die Krikors genannt, veranstalten sie Tagungen, Seminare, Konferenzen. „Wir sind keine Kirche“, sagt Fadi Krikor. „Wir sind ein Ort, wo die Kirche sich trifft.“
„Neocharismatische Bewegung“: Krikor hat auch Kritiker
Involviert ist Krikor in Projekte wie „Unum 24“, einer „Glaubenskonferenz“ mit 8000 Menschen in der Münchner Olympiahalle, die als „Treffen christlicher Fundamentalisten“ vorab kritische Medienberichterstattung abbekam. „Ich habe einfach alle eingeladen, weil alle miteinander reden sollten“, verteidigt sich der Organisator. Mit dem Projekt „Rise up now“ habe er Europa wieder näher an seine christlich-jüdischen Wurzeln bringen wollen. Im kriegsversehrten Syrien unterstützte das FHN christliche Waisenhäuser, besitze ein Gebetshaus in Damaskus. Die in der Coronazeit entstandene Initiative „Deutschland betet“ unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und mit Teilnehmern verschiedener Kirchen weist Fadi Krikor als Mitorganisator aus. Er gilt als einer der prominenteren Vertreter der tendenziell bibelnah und wertekonservativ orientierten, stark aus den USA beeinflussten neocharismatischen Bewegung ( Fragen an …), auch wenn er selbst mit dem Begriff fremdelt. Selbst habe er „so gut wie keine Kontakte in die USA“, sagt Krikor auf Nachfrage. Rechten Strömungen will er sich nicht zuordnen lassen, sieht sich dafür in enger Verbundenheit mit der „Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche“ (CE).

Erfahrung des Übernatürlichen
Dass sich der im syrischen Aleppo geborene Sohn einer arabischen Mutter und eines armenischen Vaters aus dem Baugeschäft zurückgezogen hat und sich so intensiv für das Christentum engagiert, führt er auf eine Lebenskrise Anfang der 2000er zurück. „Damals ist mein Glaube vom Kopf ins Herz gefallen“, umschreibt er, wie sich seine Religiosität vom moralischen Kompass hin zu einer Erfahrung des Übernatürlichen entwickelt habe. Seitdem netzwerkt er im Dienste des Herrn; seine Rolle ließe sich vielleicht zwischen Apostel und Influencer verorten – auch wenn ihm das eine Etikett zu anmaßend, das andere zu neudeutsch ist. „Was wir hier tun, ist Versöhnung“, sagt er schlicht über sein interkonfessionelles Engagement. Aus 50 Kilometern Entfernung kämen die Menschen etwa zu den regelmäßigen Gebetskreisen. „Klöster waren schon immer Leuchttürme in der Umgebung.“
Seine Nachbarschaft zur katholischen Kirchengemeinde vor Ort beschreibt Krikor als harmonisch, er habe sogar schon zwei Trauungen in der Kirche neben seinem ehemaligen Kloster durchführen dürfen. Und bei den Augustinerinnen in Kalifornien herrsche Dankbarkeit, dass das Gebäude in Altenhohenau weiter christlichen Zwecken diene.

Christliche Eventlocation auf Hotelstandard
Mit klösterlicher Kargheit hat die umgebaute Dominikanerinnenklausur samt ehemaligem Kinderheim aber nichts mehr gemein. Die ehemaligen Nonnenzellen sind zu 55 Schlafräumen auf Hotelstandard ausgebaut, mit einem gedruckten Bibelspruch, der auf jeden Gast auf der blütenweißen Bettwäsche wartet. Kronleuchter zieren die Flure, weiße Hussen die Stühle und Tische in den Seminarräumen, Küche und Kantine sind auf gehobenem Restaurantniveau ausgerüstet. Mit seiner Ausstattung und mehreren Angestellten ist das Father’s House for all Nations ein Draufzahlgeschäft, räumt Fadi Krikor ein. Mit Sneakern, Sakko und akkurat gestutztem Fünf-Tage-Bart sitzt er beim Gespräch mit der EZ in einem Polstersessel unter einem der vergoldeten Kruzifixe, die seine Frau gestaltet hat. Die Künstlerin zeichnet auch verantwortlich für die Gemälde und Figuren, die den weiten Räumen Farbe und Inhalt verleihen.

Der liebe Gott sucht sich schon die Richtigen aus.
„Nicht exklusiv, aber elegant“, fasst Krikor den Kloster-Umbau zusammen. „Das muss man sich leisten können“, gesteht der ehemalige Bauunternehmer auch, der nach eigenem Bekunden mit seiner Firma Augustus Global Investment ein neues, weltweites Geschäft aufgetan hat. Kann er, beweisen die Audemars Piguet am Handgelenk und der Mercedes-AMG vor der Haustür, respektive für einen fünf- und sechsstelligen Eurobetrag zu haben. Der Grafinger Ex-Baulöwe und Investor schmunzelt, als er über seinen nicht zuletzt finanziellen Dienst an der christlichen Weltkirche sagt: „Der liebe Gott sucht sich schon die Richtigen aus.“

Zwei Stunden tägliches Gebet im „Upperroom“
Das Zwiegespräch mit Gott ist der Dreh- und Angelpunkt von Krikors Alltag in Altenhohenau, wenn er nicht gerade auf Konferenzen in London, Beirut oder Singapur unterwegs ist. Unter der Woche, wenn es still in den langen Fluren und abgeschiedenen Räumen ist, scheint der Konferenztrubel, der sich meist am Wochenende abspielt, weit weg. Dann ist der Gebetsraum unterm Dach jeden Vormittag zwei Stunden lang für Fadi Krikor allein reserviert. „Beten, zuhören, laut aus der Bibel lesen“, beschreibt er diese spirituelle Alltagseinkehr in dem „Upperroom“ genannten Raum, zu Deutsch „Obergemach“, nach dem Saal des Letzten Abendmals, in dem der Heilige Geist auf Jesu Jünger herabkam.
Hintergrund-Interview: „Neocharismatische Bewegung“

Philipp Greifenstein (38) ist Journalist beim Magazin für Kirche, Politik und Kultur Die Eule. Der Thüringer schreibt über Religionspolitik sowie Rechtsradikalismus in christlichen und kirchlichen Kontexten. Er beobachtet die neocharismatische Bewegung – und sieht ihr Wirken in Teilen kritisch.
- Herr Greifenstein, was versteht man unter „neocharismatischer Bewegung“?
Das sind neue Gemeinschaften, die ähnlich wie traditionelle Pfingstkirchen stark auf die im Neuen Testament bezeugten Geistesgaben abzielen. Es geht um Heilungerlebnisse, begeistertes Gebet und Gesang, Enthusiasmus und eine intensive Gottesbegegnung. Theologisch stehen diese Bewegungen einem radikalisierten Evangelikalismus nahe, der LGBTQ-feindlich ist und ein sehr traditionalistisches, antifeministisches Familienbild mit einer untergeordneten Rolle der Frau vertritt. Die Bewegung ist anschlussfähig an rechtsradikale Politik.
- Gilt das auch für Fadi Krikor?
Wenn man sich seine Netzwerke ansieht, glaube ich das schon. Unter den Kontakten in die USA sind Akteure der christlichen Rechten wie Bill Johnson von der Bethel Church und andere Akteure. Die neocharismatische Bewegung in den USA kooperiert auch mit der MAGA-Bewegung von Donald Trump. Es ist auch eine Finanzierungsfrage. Fadi Krikor mag durch seinen Hintergrund eine Ausnahme darstellen, aber insgesamt wäre die neocharismatische Bewegung in Deutschland ohne die finanzielle und ideologische Unterstützung aus den USA nicht lebensfähig.
- Wie einflussreich oder gar gefährlich sind solche Strömungen?
In Deutschland: nahe Null. Während es hierzulande rund 1,2 Millionen evangelikale Christen gibt, sind es vielleicht ein paar Tausend aus dem neocharismatischen Spektrum. In Teilen der evangelikalen Bewegung gilt die Strömung allerdings als „die Zukunft“. Wir erleben derzeit eine Pluralisierung des Christentums in Deutschland, während die Mitgliedschaft in den großen Kirchen abnimmt. Solche Randphänomene werden deshalb viel sichtbarer als noch vor wenigen Jahren.