Hähnchen-Hype in Köln: Hähnchen statt Wehrdienst-Demo – „Das war eine Realitätsklatsche“
NRWPanorama NRW Hähnchen-Hype in Köln Hähnchen statt Wehrdienst-Demo – „Das war eine Realitätsklatsche“ 26.09.2026 · 13:24 Uh...
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Hähnchen-Hype in Köln Hähnchen statt Wehrdienst-Demo – „Das war eine Realitätsklatsche“
26.09.2026 · 13:24 Uhr
Ein Sicherheitsmann steht vor dem Eingang von Nhas City Chicken in Köln.
Foto: Farina Kremer
Köln · Vor Nhas City Chicken auf der Kölner Breite Straße lenken Gurte und Security die wartenden Kunden. Eine Woche nach der Eröffnung ist weniger Müll sichtbar, doch der Andrang bleibt.
Vor den Geschäften der Kölner Breitestraße sind in regelmäßigen Abständen Flächen abgesperrt, sodass sie nicht die Eingänge behindern. Bewacht werden die Wartebereiche von Sicherheitspersonal. Darin stehen junge Menschen, viele von ihnen noch Kinder, und warten mehr oder weniger geduldig, bis sie ins nächste Rechteck vorgelassen werden. Sie sind nur aus einem Grund hier: Hähnchen.
Am Freitag vergangene Woche hat eine Filiale des Hähnchen-Ladens Nhas City Chicken in Köln eröffnet und einen regelrechten Hähnchen-Hype ausgelöst. Bis zu 100 Meter soll sich die Schlange am Eröffnungstag gestaut haben und schnell erschienen Medienberichte über Verpackungsmüll, der die Mülleimer zum Überquellen brachte und schließlich auf der Straße landete. Sitzbänke sollen mit Ketchup und Mayo beschmiert gewesen seien.
Müllproblem sei besser geworden
Eine Woche danach ist von diesem Müll nichts zu sehen. Das liegt wohl auch an dem zahlreichen Sicherheitspersonal, das die wartenden Kunden im Blick hat. Es wurde vom Betreiber des Restaurants beauftragt. „Eigentlich hätten wir nur bis Sonntag hier sein sollen“, sagt einer der Mitarbeiter. Jetzt wurde ihr Auftrag durch den großen Andrang um eine Woche verlängert. „Mal sehen, wie es dann ist.“ Die meisten würden sich benehmen, aber ein paar „Chaoten“ gäbe es immer.
Auch Mikayil Uyumaz beobachtet das Geschehen schon länger. Er arbeitet im Kiosk direkt gegenüber und findet den Trubel eigentlich gut. „Das bringt Leben rein“, sagt er. Sowohl der Müll als auch die große Menschenmenge seien anfangs ein Problem gewesen. Aber seit der Eröffnung habe sich einiges getan. „Sie bemühen sich, es immer besser zu machen“, sagt er und meint damit die Betreiber. „Sie sammeln sogar nach Feierabend den Müll in der ganzen Umgebung ein.“
Ein paar Schüler ärgern sich, weil sie noch nicht zum nächsten Abschnitt der Schlange vorrücken durften.
Foto: Farina Kremer
Tatsächlich hat der Betreiber über seine Accounts auf den Social-Media-Plattformen Tiktok und Instagram seine Kunden aufgerufen, keinen Müll mehr zu hinterlassen. Auf einem weiteren Video ist er mit einer Gruppe von jungen Menschen zu sehen. Er verteilt Mülltüten und fragt, wie viel Geld für einen vollen Müllsack angebracht seien. „Fünf Euro?“, lautet sein Vorschlag. Die Kinder widersprechen, sie wollen lieber Hähnchen. Ob und wie viel Müll tatsächlich eingesammelt wurde, ist im Video nicht zu sehen.
Kommunale Verpackungssteuer kommt erst mal nicht
Verpackungsmüll ist aber nicht erst seit der Eröffnung der City-Chicken-Filiale ein Problem in Köln. Zwischen dem 26. August und dem 14. September konnten Bürgerinnen und Bürger Müll beim Verpackungsmüll-Melder der Deutschen Umwelthilfe (DUH) melden. Dabei wurden laut DUH mehr als 1200 Einweg-Verpackungen erfasst. Über die Hälfte der Verpackungen habe lose auf der Straße oder auf Grünflächen gelegen. Ein Großteil des Mülls könne über kommunale Verpackungssteuer reduziert werden – ein entsprechendes Konzept wurde bereits im Februar vergangenen Jahres vom Kölner Stadtrat beschlossen. „Wir fordern Oberbürgermeister Burmester auf, den Ratsbeschluss umzusetzen und die Verpackungssteuer wieder in die laufenden Haushaltsverhandlungen aufzunehmen“, fordert nun Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH.
Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) setzt aktuell noch auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Gastronomiebetriebe, auf Einwegverpackungen zu verzichten. Er argumentiert mit einem zu hohen Verwaltungsaufwand und zu großen Kosten einer entsprechenden Steuer.
Auch wenn sich eine Woche nach der Eröffnung der Müll in Grenzen hält – die Schlange gibt es noch immer. Eine junge Frau fragt im Vorbeigehen, ob die Menschen zu der Schülerdemo gegen den Wehrdienst gehörten, die heute unter anderem auch in Köln stattfand. Nein, es gehe hier um Hähnchen. "Oh, das war jetzt eine Realitätsklatsche", sagt sie und schaut sich etwas ratlos die jungen Männer an, die anstehen. Es ist kurz nach halb eins, der Laden ist seit einer guten halben Stunde geöffnet.
„Wir stehen hier seit zehn Uhr an“, sagt Nafeh. Er und seine Freunde konnten sich einen Platz im ersten Abschnitt der Schlange sichern. Nur noch ein roter Gurt und ein breiter Security-Mitarbeiter im hellgrauen Pullover trennen sie vom halben Hähnchen Spezial, eines der beliebtesten Gerichte auf der Speisekarte. Dass es einen Hype um das Geschäft gibt, hat der 20-Jährige auf TikTok erfahren. Nafeh war bereits in der Berliner Filiale, seine Freunde sind zum ersten Mal da. „Es lohnt sich“, versichert er. Kurz darauf wird das rote Absperrband kurz geöffnet, einige der Wartenden dürfen endlich rein. Dann schließt der Mitarbeiter der Sicherheitsfirma den vordersten Abschnitt der Schlange wieder. Nafeh und seine Freundesgruppe warten noch immer.
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