Hallo, was lesen Sie, Cengiz Günay?

Album-Kolumne Hallo, was lesen Sie, Cengiz Günay? Cengiz Günay ist Direktor des Österreichischen Instituts für internationale Politik Kolumne / Manfred Rebhandl ...

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Hallo, was lesen Sie, Cengiz Günay?

Album-Kolumne

Hallo, was lesen Sie, Cengiz Günay?

Cengiz Günay ist Direktor des Österreichischen Instituts für internationale Politik

Kolumne

/

Manfred Rebhandl

Warum er ein so hörbar fröhlicher und glücklicher Mensch ist? "Ich bin mir dessen gar nicht bewusst", sagt er mit freundlichem Lachen. "Aber wenn es andere sagen, denkt man schon mal darüber nach. Es ist wohl Disposition, ob der Mensch für Glück offen ist und positive Sachen sehen möchte. Manche Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie in einer Umgebung leben, in der sie objektiv glücklich sein könnten." Machen Bücher glücklich? "Nicht jedes Buch. Manche machen auch nachdenklich, manche sogar betrüblich."

Ein Mann mit Brille hält das Buch „Die Welt von Gestern“ von Stefan Zweig in die Kamera. Im Hintergrund ist ein Bücherregal zu sehen.
Cengiz Günay mit seinem Buchtipp, Stefan Zweigs "Die Welt von Gestern".

Er wuchs behütet mit vielen Kinderbüchern auf, war aber bis zum Beginn des Studiums selbst kein Leser, er nennt sich "Spätberufener". Die Großtante las ihm nordische Märchen vor, die Mutter griechische Mythologien. "Die haben mein Interesse für ein Geschichte-Studium geweckt." Ein Erasmus-Stipendium führte ihn Ende der 90er-Jahre nach Barcelona, wo er mit vielen italienischen Studienkollegen zu tun hatte, die alle äußerst bewandert waren in Literatur: "Jeder konnte Ovid zitieren!" Ihm gefielen dann beim Nachholen von Versäumtem die Amerikaner besser: "Hemingway finde ich großartig." Deutlich blumiger legt es Orhan Pamuk an, der ihm "manchmal zu viele Beschreibungen einbaut. Er liefert aber tolle Nuancen und Einblicke in die türkische Kultur und den Alltag, er hatte ein Auge für Details."

Zu seinem Lieblingsautor wurde Stefan Zweig. Die Welt von Gestern hat ihn am meisten geprägt und zum Nachdenken gebracht. "Das Buch bietet so viele kleine Dinge und Fakten, die man im Geschichte-Studium gar nicht mitbekommen hat. Auch sprachlich ist es großartig. Es gibt wenige Bücher, bei denen ich mich an so viele Details erinnere: Als 1934 der Bürgerkrieg in Österreich ausbricht und ein Zeitungsverkäufer ihm die Schlagzeile zeigt. Sofort läuft er zur Post und ruft seine Mutter an, die fragt: Was ist denn los? Wir sitzen hier ganz gemütlich. Oft denken wir, wenn wir Krisen von außen wahrnehmen, das Leben würde aufhören. Aber so ist es nicht, es geht weiter." Und manche Menschen sind vielleicht sogar fröhlich oder glücklich. (Manfred Rebhandl, 19.9.2026)

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