Hallstatt: Forscher stoßen auf eisenzeitliche Abbaukammern voller Exkremente und Speisereste
Funde im Salzberg Hallstatt: Forscher stoßen auf eisenzeitliche Abbaukammern voller Exkremente und Speisereste Mehrere parallel verlaufende Kammern im prähistorischen Bergwerk sind bis zu neun Meter ho...
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Funde im Salzberg
Hallstatt: Forscher stoßen auf eisenzeitliche Abbaukammern voller Exkremente und Speisereste
Mehrere parallel verlaufende Kammern im prähistorischen Bergwerk sind bis zu neun Meter hoch zugemüllt – mit hervorragend konservierten, 2500 Jahre alten Abfällen
Jene Bauern, die sich vor rund 7300 Jahren im Hochtal über Hallstatt niedergelassen haben, könnten die ersten sesshaften Menschen überhaupt im Alpenraum gewesen sein. Die Gemeinschaft hinterließ spektakuläre Steinzeitfunde, die im Sommer 2025 der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Die im Inneren des Berges gefundenen Werkzeuge aus der Jungsteinzeit wie Hirschgeweihhauen und Steingeräte belegen, dass der heute weltberühmte Ort in Oberösterreich wesentlich früher besiedelt war als gedacht.
Ab 1200 vor Christus nahm der Bergbau nahezu industrielle Ausmaße an, mit Tagesproduktionen von etwa 1,5 Tonnen Salz. Mehrere Abbauphasen in dem prähistorischen Salzbergwerk wurden jeweils durch gewaltige Hangrutschungen beendet, bei denen die Hohlräume mit Material von der Oberfläche verfüllt wurden. Auf der Suche nach Überresten des prähistorischen Salzabbaus in Hallstatt haben Archäologen des Naturhistorischen Museums (NHM) bei Sondierungsbohrungen einen riesigen Komplex von Abbaukammern aus der Eisenzeit entdeckt. Es handelt sich um mehrere parallel verlaufende Kammern, die sich über 300 Meter erstrecken.
Wie die Menschen in Hallstatt lebten, wie das begehrte Salz über Jahrtausende gewonnen wurde und aus dem hochalpinen Bergwerk in weite Teile Europas gelangte, beschäftigt die Forschung bis heute. Über die neuesten archäologischen Erkenntnisse informieren die Forscherinnen und Forscher an diesem Wochenende bei der Veranstaltung Archäologie am Berg am Hallstätter Salzberg.
Robuste Gemeinschaft
Trotz zahlreicher katastrophaler Ereignisse ging der Bergbau immer weiter, unterstreicht Daniel Brandner, Leiter der Ausgrabungen unter Tag von der Prähistorischen Abteilung des NHM. "Das war eine sehr resiliente Gemeinschaft, die in wenigen Jahren nach diesen Hangrutschungen schon wieder Salz lieferte."
So wusste man auch vom eisenzeitlichen Salzabbau ab dem 6. Jahrhundert vor Christus. Aus dieser Phase stammte auch der berühmte "Mann im Salz": 1734 wurde die bestens erhaltene Leiche eines Bergmanns gefunden, der bei einer mächtigen Hangrutschung ums Leben gekommen sein dürfte. Damals erkannte man sein prähistorisches Alter nicht und der Körper wurde am Ortsfriedhof beigesetzt. Eine moderne wissenschaftliche Untersuchung der Fundstelle wies nach, dass der Mann einer Katastrophe zum Opfer fiel, die um 350 v. Chr. das gesamte Salzbergtal verwüstete und den Bergbau an dieser Stelle zum Erliegen brachte.
Bisher unberührte Bereiche
Der Bergbau der Urgeschichte ist allerdings nur dort bekannt, wo sich der historische Salzabbau zufällig mit diesem verschnitten hat. 2022 starteten Erkundungsbohrungen mit einem Kernbohrgerät der Salinen Austria AG, das üblicherweise für geologische Sondierungen verwendet wird und Hunderte Meter in den Berg vordringen kann, um bisher unberührte Bereiche des Salzbergwerkes zu erforschen.
Die ursprüngliche Vermutung eines riesigen einzelnen Hohlraums bestätigte sich nicht. "Es handelt sich um mehrere parallel verlaufende, über- und untereinander liegende Kammern", schildert Brandner. "So haben wir das überhaupt noch nicht gesehen in Hallstatt", betonte der Archäologe. Diese Abbauform belege eine klare Anpassung der prähistorischen Bergleute an die Geologie, die so den Kernsalzzügen im Berg folgten.
Meterhohe Abfallschicht
Die Forscherinnen und Forscher konnten diesen Abbau bisher auf einer Länge von 300 Metern verfolgen, wobei die Kammern eine Breite von 25 Metern und eine Höhe von rund 20 Metern aufweisen. Der Boden ist mit einer bis zu neun Meter mächtigen Schicht mit Betriebsabfällen der prähistorischen Bergleute bedeckt, also etwa abgebrannte Kienspäne, kaputtes Werkzeug, Gewandteile und menschliche Exkremente. Im ehemals freien Hohlraum darüber sind die Kammern mit Material von der Oberfläche verfüllt, das von einer Hangrutschung stammen dürfte.
Erste Ausgrabungen in diesen Kammern lassen die Archäologen "bis aufs kleinste Detail in die bisher noch nicht wirklich untersuchte Phase des eisenzeitlichen Salzabbaus und die damalige Abbautechnik hineinblicken". Gegenüber den früheren Abbauphasen würden sich sehr viele Änderungen im Fundmaterial zeigen, und die Funde decken sich "auffallend und überraschend" mit jenen vom Dürrnberg bei Hallein (Salzburg), wo der Salzabbau ebenfalls im 6. Jahrhundert v. Chr. beginnt.
So zeigen etwa die Funde von Werkzeugen andere Typen von Schäftungen der Abbauwerkzeuge. Üblicherweise seien diese Werkzeuge stark standardisiert und speziell an die Anforderungen der Abbautechnik angepasst. Im Laufe der Eisenzeit ändere sich das aber eindeutig, so der Archäologe. Gefunden wurden auch vom Salz hervorragend konservierte Textilien und Gewandreste sowie Holzschüsseln mit Speiseresten und Exkremente der Bergleute. Dabei sei nicht nur die Erbsubstanz der dahinterstehenden Personen gut erhalten, sondern auch DNA von den verzehrten Speisen, die im Sediment nachweisbar ist.
Freilichtlabor am Salzberg
Abgesehen von den Arbeiten in den eisenzeitlichen Abbaukammern versuchen die Archäologinnen und Archäologen in Kooperation mit den Salinen und den Salzwelten in einem großen, vom Bund und Land Oberösterreich finanzierten Sanierungsprojekt, frühere Fundstellen wieder für die Forschung zugänglich zu machen. "Das ermöglicht uns, Fundorte, wo wir seit Jahrzehnten keine Daten erheben konnten, mit neuen Analysemethoden und neuen Fragestellungen zu untersuchen", betont Brandner. Dazu werden die teilweise 200 bis 300 Jahre alten Stollen, die zu diesen Fundstellen führen, saniert, abgesichert und mit der nötigen Infrastruktur versehen, um für die nächsten Generationen den Zugang und die Forschung zu ermöglichen.
Bei der Veranstaltung Archäologie am Berg am 12. und 13. September verwandelt sich das Hallstätter Hochtal wieder in ein Freilichtlabor der Archäologie. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht heuer – passend zur neuen Standseilbahn auf den Salzberg, die Ende August ihren Betrieb aufnahm – die Entwicklung des Salztransports von der Urgeschichte bis in die Gegenwart.
Historische Vorführungen, Mitmachstationen und wissenschaftliche Präsentationen machen die Entwicklung des Salztransports erlebbar. Besucherinnen und Besucher können prähistorische Werkzeuge ausprobieren, Sole sieden, beim Bohren hölzerner Soleleitungen zusehen oder selbst in die Kleidung der Hallstätter Bergleute schlüpfen. Zahlreiche Expertinnen und Experten aus Archäologie, Montangeschichte, Forstwirtschaft und Denkmalpflege stehen für Gespräche zur Verfügung und geben Einblicke in ihre aktuelle Forschungsarbeit. (red, APA, 11.9.2026)
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