Hambacher Forst: Polizei sucht Sabotageverdächtigen anscheinend im Hambacher Forst
Der Mann, der sich zu Sabotageakten an lokalen Stromnetzwerken bekannt hat, ist weiter auf der Flucht. Die Polizei hat einen Einsatz am Hambacher Forst gestartet. Quelle: DI...
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Der Mann, der sich zu Sabotageakten an lokalen Stromnetzwerken bekannt hat, ist weiter auf der Flucht. Die Polizei hat einen Einsatz am Hambacher Forst gestartet.
Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP,
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Aktualisiert am 6. September 2026, 13:39 Uhr
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46 KommentareDie Polizei hat einen Großeinsatz am Hambacher Forst bei Kerpen westlich von Köln gestartet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa steht der Einsatz im Zusammenhang mit den versuchten Sabotageakten gegen das deutsche Stromnetz. Laut Beobachtungen eines dpa-Reporters waren bis zu 100 Fahrzeuge der Polizei vor Ort. »Die Fahndung läuft«, sagte ein Sprecher der zuständigen Kölner Polizei am Morgen. »Es sind Hinweise eingegangen, und denen gehen wir nach.«
Laut einem neuen Fahndungsaufruf könnte der Verdächtige zu Fuß oder mit einem Fahrrad auf der Flucht sein. Es werde nach einem Rad der Marke Trenoli mit einer Rahmenhöhe von 56 Zentimetern gesucht, teilte die Polizei Brandenburg mit und hängte ein Foto eines schwarzen Rades an ihre Mitteilung an. Es handele sich um das Modell Tazio Sportivo M. Am Samstag hatten die Ermittler bereits einen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des 48-jährigen Verdächtigen veröffentlicht.
Am Freitag hatten Beamte in der Gevelsberger Wohnung des Tatverdächtigen Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando in Niederzier am Tagebau Hambach einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden.
Bekennerschreiben mit Täterwissen
Der Mann aus dem nordrhein-westfälischen Gevelsberg geriet als Verfasser von zwei als authentisch eingeschätzten Bekennerschreiben samt Täterwissen ins Visier, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag sagten. In den beiden Schreiben begründete der Verdächtige die Anschläge nach Angaben der Minister mit Kritik an der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen.
Er gehe nach derzeitigem Stand von einem Fall von »Klimaextremismus« durch einen mutmaßlichen Einzeltäter aus, sagte Dobrindt. Er verwies zugleich auf die noch laufenden Ermittlungen, eine abschließende Beurteilung sei noch nicht möglich. Nicht alles, was sofort eindeutig erscheine, sei es am Ende auch, fügte er hinzu.
Die Sicherheitslage in Deutschland gilt derzeit als angespannt, die Sorge vor Sabotageakten und Anschlägen ist hoch. Hintergrund ist unter anderem die Bedrohung durch die sogenannte hybride Kriegsführung durch andere Staaten. Die Bundesregierung hatte erst kürzlich Russland für einen versuchten Sprengstoffanschlag mit einer Drohne auf dem Leipziger Flughafen verantwortlich gemacht. Dort befanden sich ukrainische Frachtmaschinen. Russland weist den Vorwurf zurück.
Vorfälle in NRW, Brandenburg und Sachsen
Die versuchten Sabotageakte konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen. In allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. Am Dienstag waren Anschläge auf Umspannwerke in der Nähe von großen Kohlekraftwerken im brandenburgischen Jänschwalde und bei Bergheim in Nordrhein-Westfalen verübt worden. Nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern wurde dabei mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse zu verursachen. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen gefunden.
Laut Reul wurden in den Schreiben des gesuchten Verdächtigen weitere potenzielle Sabotageziele genannt. An Umspannwerken in Dormagen und Weisweiler bei Aachen wurden daraufhin am Donnerstag und Freitag ebenfalls Abschussvorrichtungen entdeckt. An der Anlage in Dormagen fand ein Spaziergänger demnach zwei auf das Umspannwerk gerichtete Rohre mit Kabeln und Zeitschaltuhren, wie Reul weiter berichtete.
Die Anschläge in Bergheim und Jänschwalde führten zu Abschaltungen in Kraftwerksblöcken, die Stromversorgung war laut Sicherheitsbehörden und Betreiber aber nicht beeinträchtigt oder gefährdet. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Vorwurfs verfassungsfeindlicher Sabotage, in Brandenburg auch wegen Bildung einer Terrorvereinigung.