Händler warnen: 80 Prozent der Heizöl-Kunden haben zu wenig im Tank – Lieferengpässe vorhersahbar
Weil die Heizölpreise hoch sind, warten die meisten Hausbesitzer im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit dem Nachfüllen. Lokale Händler befürchten, dass das Zögern zu Lieferzeiten von bis zu drei Monaten führen könnte.
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Stand: 19.09.2026, 08:00 Uhr
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Weil die Heizölpreise hoch sind, warten die meisten Hausbesitzer mit dem Nachfüllen. Lokale Händler befürchten, dass das Zögern zu Lieferzeiten von bis zu drei Monaten führen könnte.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die anhaltend hohen Heizölpreise sorgen im Landkreis für ein historisch zögerliches Kaufverhalten bei den Verbrauchern. Angesichts der durch die weltpolitische Lage getriebenen Kosten schieben viele Hausbesitzer den Tankkauf so weit wie möglich auf. Lokale Brennstoffhändler schlagen nun jedoch Alarm. Mit dem nahenden Herbst droht durch das kollektive Abwarten eine massive Auftragswelle, die zu empfindlichen Engpässen und monatelangen Lieferzeiten führen könnte.
Preis schon das gesamte Jahr hoch
„Der Preis ist schlecht und das schon das gesamte Jahr“, fasst Ludwig Triebenbacher die Situation nüchtern zusammen. Er stammt aus Benediktbeuern und führt die Triebenbacher Energie GmbH mit Sitz im oberbayerischen Antdorf. Dem Branchenexperten fällt in seinem täglichen Geschäft ein deutliches Muster auf: „Alle, die noch nicht tanken mussten, warten ab oder tanken nur in kleinsten Mengen.“ Das Problem dabei sei die mathematische Gewissheit des Winters. Nach Triebenbachers Schätzungen haben aktuell nur etwa 20 Prozent seiner Kunden so viel Öl im Tank, dass sie damit sicher durch die kalte Jahreszeit kommen.
Sollten die restlichen 80 Prozent der Haushalte weiter abwarten und erst dann bestellen, wenn der eigene Tank komplett leer ist, droht dem Markt eine logistische Überlastung. Zwar beläuft sich die Wartezeit auf eine Lieferung im Landkreis derzeit noch auf moderate 10 bis 14 Tage, doch das dürfte sich bald ändern. Triebenbacher erinnert in diesem Zusammenhang an die Coronapandemie, als viele ausländische Lkw-Fahrer in ihre Heimatländer zurückkehrten und Kunden plötzlich bis zu drei Monate auf ihr Heizöl warten mussten. „Ich befürchte, dass es heuer so weit kommen könnte, wenn alle Endverbraucher weiterhin aufgrund des Preises zögern“, warnt der Antdorfer Händler eindringlich.
Unberechenbarer Markt belastet die Lieferanten
Ein identisches Bild zeigt sich im Tölzer Farchet. „Die Leute warten alle ab, das Kaufverhalten ist nur noch vom Preis gesteuert“, bestätigt Elfriede März, Inhaberin des E. März Mineralölhandels. Für ihr Unternehmen bedeutet diese extreme Zurückhaltung eine massive Belastungsprobe: Entweder haben ihre Mitarbeiter mangels preisbedingter Aufträge kaum etwas zu tun, oder es bricht schlagartig eine regelrechte Bestellflut über den Betrieb herein. „Aber wir können das spontan nicht so schnell auffangen. Wir müssen mit den Mitarbeitern arbeiten, die wir haben“, erklärt März das Dilemma. Verschärft wird die Situation durch den akuten Fachkräftemangel: „Lkw-Fahrer sind ohnehin rar gesät – erst recht jene, die die notwendige Zusatzqualifikation für den Transport von Gefahrgut besitzen“, erklärt sie.
Markt reagiert sensibel auf Weltpolitik
Wie sensibel der Markt auf die Weltpolitik reagiert, erlebte März erst vor zwei Wochen: „Als Donald Trump Einigungsgespräche angekündigt hat, gab es ganz kurz eine Flut an Bestellungen, und jetzt wieder keine mehr.“ Eine ähnlich extreme Volatilität habe sie zuletzt zu Beginn des Ukraine-Krieges erlebt. Bezogen auf die Planbarkeit sei die Lage in diesem Jahr jedoch seit dem Irakkrieg schlicht „katastrophal“. Als Lieferant könne man sich auf nichts mehr einstellen, was die personelle Disposition massiv erschwere.
Dass die Preise so hoch sind, bedauert die Tölzer Händlerin selbst zutiefst. „Man darf nicht vergessen, dass wir nicht mehr verdienen, wenn der Preis so hoch ist. Mir wäre es auch viel lieber, wenn es günstiger wäre, die Menschen zufrieden wären und wir mit einem normalen Bestellverhalten arbeiten könnten.“
Um dem drohenden Lieferchaos im Spätherbst zu entgehen, empfehlen beide Fachleute ein rechtzeitiges Handeln statt des riskanten Pokerspiels. Jeder, dessen aktuelle Tankfüllung nicht sicher bis zum Frühjahr reicht, sollte zeitnah den Händler kontaktieren und zumindest eine Teilmenge ordern. Triebenbacher rät zu einem pragmatischen Mittelweg, um den eigenen Geldbeutel im Moment zu schonen und trotzdem nicht im Kalten zu sitzen: „Bei den aktuellen Preisen kann man ja auch nur so viel tanken, dass es bis April reicht.“
Achtung bei Internet-Bestellungen
Bei der Bestellung über das Internet warnt Triebenbacher eindringlich, sehr aufmerksam zu sein. „Wir haben mitbekommen, dass es immer mehr betrügerische Seiten gibt, die zum Verwechseln ähnlich aufgebaut sind und mit sehr niedrigen Preisen locken.“ Seiner Erfahrung nach sollen die Kunden dort dann eine hohe Anzahlung leisten. „Das würde ich auf keinen Fall bei einer Online-Bestellung machen, die Masche ist dann folgendermaßen: Nach dieser Teilanzahlung kommt keine Lieferung mehr.“