Hässliches Hemd trickst KI-Überwachungskameras aus

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Hässliches Hemd trickst KI-Überwachungskameras aus

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Hässliches Hemd trickst KI-Überwachungskameras aus

Das vom Künstler Simon Weckert erschaffene Textil wurde auch mithilfe von KI designt

Georg Pichler

Datenschützer und Bürgerrechtler sind keine Freunde von Überwachungskameras im öffentlichen Raum. Nicht nur aus Prinzip, sondern weil diese auch per Gesichtserkennung und Datenbankabgleich einen Eingriff in die Privatsphäre vornehmen. Und diese Erkennung erfolgt längst nicht mehr nur über einfache Algorithmen, sondern immer häufiger auch gestützt durch Künstliche Intelligenz (KI).

Ein Dorn im Auge ist das auch dem deutschen Künstler und Aktivisten Simon Weckert. Er hat daher nach einer einfachen Möglichkeit für "digitale Camouflage" gesucht und auch gefunden. Sie besteht aus einem Shirt. Einem hässlichen Shirt.

Camouflage mit Haken

Fairerweise muss man sagen, dass das bereits einen großen Fortschritt darstellt. Denn die unheilige Vermählung aus Hawaiihemd und KI-Fiebertraum sieht dabei immer noch schöner und praktikabler aus als vergangene Anläufe für derlei "Stealth Wear". Das "abstrakte, fast hypnotische" Muster hilft zwar nicht unbedingt, die eigene Würde zu erhalten. Laut Tests von Weckert eignet es sich aber sehr wohl, um von Kameras nicht als Person erfasst zu werden.

Es gibt allerdings einen Haken mit einer Botschaft. Erprobt wurde diese Funktion nur mit einem quelloffenen Bildanalysesystem namens Yolo Vision. "Die Arbeit stellt keine Behauptungen über bestimmte, von Regierungen genutzte Systeme auf", so die Beschreibung weiter. "Das ist genau der Punkt: Niemand von außen kann diese überprüfen."

Ein Mann steht vor einem Eingang zur U-Bahn-Station
Über den Modefaktor kann diskutiert werden, aber zumindest ein Bilderkennungssystem kann Weckerts "digitale Camouflage" austricksen.

Die statistische Anfälligkeit

Die Muster für die Varianten der Shirts wurden auch unter Einsatz von KI entwickelt. Dabei sind es laut Weckert weder die Farben noch die Formen alleine, die die Erkennung aushebeln - sondern die Kombination aus beiden. Das Projekt diente auch als Protest gegen die diesen Monat in Betrieb gegangene KI-Videoüberwachung an der Berliner U-Bahn-Station Kottbusser Tor.

"KI-Systeme bestehen aus mehreren Ebenen und haben nie gelernt, was ein Mensch ist", beschreibt der Künstler seine Herangehensweise auf seiner Website. "Sie haben durch Millionen an Trainingsbildern gelernt, wie ein Mensch statistisch aussieht." Diese Erkennung greift auf verschiedene Werte zurück: Kontraste, Texturgradienten, Schulter- und Kopf-Silhouette, das Größenverhältnis von Gliedmaßen oder den generellen Körperumriss. "Eine 'Person' ist für die Maschinen ein Bündel visueller Statistiken – und genau das ist ihre Schwäche." Die Hemdmotive arbeiten gezielt gegen diese Wahrscheinlichkeitsrechnungen.

Ob auch "offizielle" Überwachungssysteme sich vom modisch zweifelhaften Textil verwirren lassen, wird vielleicht die Zukunft zeigen. Weckert bietet die Kleidungsstücke jedenfalls online zum Kauf an. Je nach Ausführung kostet ein Hemd entweder knapp 78 oder rund 104 Euro.

Bekannt für "virtuellen Stau"

Der Aktivist ist übrigens kein Unbekannter, wenn es darum geht, digitalen Systemen ihre Grenzen aufzuzeigen. Vor sechs Jahren erlangte er größere Bekanntheit, als er einen virtuellen Stau auf der Berliner Schillingbrücke auslöste. Dabei ging es darum, aufzuzeigen, wie anfällig solche Kartensysteme und die darauf aufbauende Navigation für Manipulationen sind. Sein Mittel zum Zweck: 99 mit dem Internet verbundene Second-Hand-Smartphones, die er auf einer Handkarre gemütlich die Straße entlangzog. (gpi, 30.08.2026)

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