Gaming am TV: Linux 7.4 beendet die HDMI-2.1-Blockade bei Radeon

HDMI 2.1 und quelloffene Grafiktreiber schlossen sich unter Linux jahrelang aus, weil das HDMI-Forum jede quelloffene Umsetzung untersagt hat. Betroffen waren so bislang sämtliche Radeon-Grafikkarten ab der RX-...

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Gaming am TV: Linux 7.4 beendet die HDMI-2.1-Blockade bei Radeon

HDMI 2.1 und quelloffene Grafiktreiber schlossen sich unter Linux jahrelang aus, weil das HDMI-Forum jede quelloffene Umsetzung untersagt hat. Betroffen waren so bislang sämtliche Radeon-Grafikkarten ab der RX-6000-Serie, deren HDMI-Anschlüsse die nötige Bandbreite längst mitbringen. Mit Linux 7.4 fällt diese Einschränkung. Noch offen bleibt allerdings der genaue Starttermin.

Linux 7.4 aktiviert HDMI 2.1 für AMD Radeon standardmäßig

AMD hat am 10. September 2026 den jüngsten Pull Request für den AMDGPU-Treiber an DRM-Next geschickt und darin drei Patch-Serien untergebracht: HDMI 2.1 FreeSync, HDMI 2.1 VRR und HDMI 2.1 ALLM. Angesprochen sind Spieler, die eine Radeon-Grafikkarte oder eine Steam Machine an einem Fernseher betreiben.

HDMI 2.1 mit VRR
Bildquelle: Kernel.org via Phoronix

Für diese Gruppe wiegt die vierte Änderung dabei am schwersten: FRL, die sogenannte "Fixed Rate Link", die Übertragungstechnik hinter den hohen Datenraten von HDMI 2.1, ist künftig standardmäßig aktiviert.

Damit ist der Großteil der Arbeiten abgeschlossen, welche AMD seit Mai in den Systemkernel einbringt. Der Pull Request bringt daneben Unterstützung für die kommenden Grafikeinheiten GFX12.x, die Display-Engine DCN 6 sowien den Leistungsmanager SMU 15 und eine Reihe von Fehlerkorrekturen.

Für Anwender mit vorhandener Hardware zählt vor allem der HDMI-Teil, der Rest zielt auf unveröffentlichte Produkte.

Das HDMI-Forum blockierte die offene Umsetzung seit 2021

AMD hatte bereits 2021 eine quelloffene Umsetzung von HDMI 2.1 fertig, durfte diese allerdings nicht veröffentlichen. Das HDMI-Forum, welches die Spezifikationen verwaltet, argumentierte, bereits die Offenlegung des Codes verletze die Lizenzbedingungen, selbst wenn darin keine Bestandteile des Forums steckten.

Im Februar 2024 scheiterte der Antrag endgültig; Linux-Anwendern blieb nur der Rat, den DisplayPort zu verwenden.

Während Nvidias Geforce-GPUs eine vollständige Unterstützung für HDMI 2.1 über ihren proprietären Grafiktreiber bieten und Intel bei seinen Arc-GPUs auf einen Brückenchip zurückgreift, ist ein vollumfänglicher Support für AMDs Radeon-GPUs mit dem quelloffenen Grafiktreiber ein weitere Schritt nach vorn unter Linux.

Bewegung kam erst, als Valve in die Gespräche einstieg, weil die Steam Machine einen HDMI-Ausgang brauchte, der am Fernseher VRR beherrscht. Im Mai 2026 erschienen die ersten offiziellen FRL-Patches, im Juni erklärte Valve das Problem für gelöst und bestätigte HDMI 2.1 VRR für seine Hardware.

Eine vollständige Implementierung wird endgültig bereitgestellt, sobald die Patches fertiggestellt sind und die Konformitätstests erfolgreich durchlaufen haben. — AMD via Phoronix-Forum

Der Code landete daraufhin mit Linux 7.2 im Mainline-Kernel, blieb dort aber abgeschaltet, weil die VRR-Unterstützung fehlte und AMD Regressionen bei Anwendern vermeiden wollte. Genau diese Lücke schließt der aktuelle Pull Request.

Was FreeSync, VRR und ALLM am Fernseher ändern

ALLM ("Auto Low Latency Mode") schaltet einen Fernseher in den Spielemodus, sobald das Signal es anfordert, und erspart damit die manuelle Umstellung per Fernbedienung. VRR und FreeSync koppeln die Bildwiederholrate des Fernsehers an die Bildrate des Spiels, statt Frames zu doppeln oder zu verwerfen. Beide Funktionen liefen unter Linux bislang nur über DisplayPort und damit an Fernsehern gar nicht.

FRL bündelt vier Leitungen mit jeweils bis zu 12 Gbit/s und erreicht so 48 Gbit/s, genug für 4K mit 120 Hz ohne Farbunterabtastung. Mit DSC ("Display Stream Compression") sind höhere Kombinationen möglich; Valve stellt für die Steam Machine 4K mit 240 Hz in Aussicht.

Wer weiter zum Adapter greifen muss

Geforce-Grafikkarten sind von der Änderung nicht betroffen, weil Nvidias proprietärer Linux-Treiber HDMI 2.1 ohnehin unterstützt; für den freien Nouveau-Treiber existieren eigene FRL-Patches. Intel löst das Problem auf Platinenebene: Viele Arc-Grafikkarten führen ihren HDMI-Ausgang über einen Protokollwandler wie den Realtek RTD2173, der DisplayPort in HDMI 2.1 übersetzt und damit die Lizenzfrage umgeht.

Bei Radeon-Grafikkarten bis zur RX-5000-Serie bleibt alles beim Alten: Ihre Anschlüsse beherrschen nur HDMI 2.0. Wer die neuen Funktionen nutzen will, braucht zudem ein Kabel der Klasse "Ultra High Speed"; ältere Exemplare der Klasse "High Speed" erreichen die nötige Datenrate nicht.

Linux 7.4 erscheint frühestens zum Jahresende

Das Merge Window für Linux 7.4 öffnet in der zweiten Oktoberhälfte 2026, sobald Linux 7.3 als stabile Version vorliegt. Ein Release zum Jahreswechsel ist realistisch, kann sich je nach Verlauf beider Zyklen aber bis in den Januar 2027 verschieben. Spürbar wird die Änderung zuerst auf Distributionen mit aktuellen Kerneln wie Arch Linux, CachyOS oder Fedora.

SteamOS hinkt traditionell hinterher: Die Vorschau 3.9.0 steht bei Linux 7.2, der stabile Kanal noch bei 6.16. Valves eigene Hardware muss damit am längsten warten. Im PCGH-Test vom Juni 2026 führte der Hersteller den Videoausgang der Steam Machine als HDMI 2.0 und DisplayPort 1.4, obwohl die verbaute RDNA-3-Grafikeinheit mehr könnte.

  • Radeon-Nutzer ab der RX-6000-Serie können mit Linux 7.4 die volle HDMI-2.1-Bandbreite nutzen, sofern Display und Kabel die nötigen Standards unterstützen.
  • Für Spieler am Fernseher werden damit 4K mit 120 Hz ohne Farbunterabtastung sowie VRR, FreeSync und der automatische Spielemodus ALLM über HDMI möglich.
  • Besitzer älterer Radeon-Karten bis zur RX-5000-Serie profitieren nicht, da deren HDMI-Anschlüsse technisch auf HDMI 2.0 begrenzt sind.
  • Nutzer aktueller Linux-Distributionen dürften die Neuerungen zuerst erhalten, während SteamOS wegen seines älteren Kernel-Stands voraussichtlich später nachzieht.
  • Der genaue Veröffentlichungstermin von Linux 7.4 steht noch nicht fest; realistisch ist ein Release zwischen Ende 2026 und Januar 2027.

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Quelle: Kernel.org via Phoronix