HDR10+ Advanced: Helleres HDR, aber nicht im Filmmaker-Modus
Wer einen Samsung-Fernseher aus dem aktuellen Portfolio sein Eigen nennt und bei Prime Video abonniert ist, bekommt den neuen Standard ohne Aufpreis. Samsung hat HDR10+ Advanced bereits im November 2025 vorgest...
- 4 min read
Wer einen Samsung-Fernseher aus dem aktuellen Portfolio sein Eigen nennt und bei Prime Video abonniert ist, bekommt den neuen Standard ohne Aufpreis. Samsung hat HDR10+ Advanced bereits im November 2025 vorgestellt und zur CES 2026 auf den eigenen Geräten demonstriert, ein Abspielweg für Endkunden fehlte bislang.
Quelle: Samsung
HDR10+ Advanced bringt mehr Metadaten auf aktuelle Samsung-TVs des Jahrgangs 2026.
Den Konkurrenzstandard Dolby Vision 2 hatten die Dolby Laboratories bereits im Rahmen der IFA 2025 in Berlin angekündigt – wir berichteten. Der Befund der Meldung vorweg: An den technischen Spezifikationen ändert sich gegenüber HDR10+ nichts, neu ist hierbei allein die Auflösung der Metadaten.
HDR10+ Advanced: mehr Metadaten, gleiche Helligkeitsgrenze
HDR10+ Advanced erfasst die Helligkeit eines Bildes vom 1. bis zum 99,98. Perzentil und beschreibt diese damit in erheblich mehr Stufen als HDR10+. Der Fernseher erhält dadurch eine feinere Vorgabe für sein Tone Mapping. Hinzu kommt ein lokales Tone Mapping für bis zu drei Bereiche pro Bild, welche sich als Rechteck oder Ellipse definieren lassen, wobei jede Ellipse eine Übergangszone erhalten kann.
Die Farbmetadaten teilt der Standard in zwölf Spektralsegmente auf und überträgt für jedes den maximalen Chroma-Wert. Ein zusätzliches Feld beschreibt das Genre, die Sportarten, Kameraführung oder Aufnahmemedium, damit der Bildprozessor den Inhaltstyp nicht mehr erraten muss.
Im Wohnzimmer sichtbar wird davon am ehesten die Bewegtbildglättung; Perzentilstatistik und Farbsegmente bleiben in erster Linie Messtechnik. Nur die wenigsten Zuschauer werden davon überhaupt etwas mitbekommen.
Lizenzgebühren erhebt HDR10+ Technologies weiterhin nicht, und Geräte mit HDR10 oder HDR10+ geben die neuen Inhalte nach wie vor wieder, nur eben ohne die Zusatzfunktionen. Auf dem Schreibtisch ist die Basistechnik ohnehin längst angekommen, etwa in Samsungs neuen Odyssey-Bildschirmen.
Sechs Stufen gegen den Judder
Intelligent Motion Smoothing überträgt sechs diskrete Stufen von 0 für aus bis 5 für maximal, welche sich von Szene zu Szene ändern dürfen. Bislang kannten Fernseher an dieser Stelle nur an und aus, weshalb die Zwischenbildberechnung Kinofilmen den bekannten Seifenoper-Look verpasste. Künftig legt die Produktionsseite den Wert fest:
Ein Sportsender wählt die volle Stufe 5, ein Filmstudio für eine romantische Komödie eher Stufe 1. Der Hintergrund ist physikalischer Natur. Kinofilme werden für 48 Nits im abgedunkelten Saal abgemischt, moderne Fernseher überschreiten 4.000 Nits, und mit der Helligkeit fällt das Ruckeln von 24 Bildern pro Sekunde stärker auf.
Die Helligkeitsgrenze bleibt bei 10.000 Nits
Die maximal unterstützte Spitzenhelligkeit von HDR10+ Advanced liegt bei 10.000 Nits und damit exakt auf dem Wert, den bereits HDR10 im Jahr 2015 mitbrachte. Auch die Quantisierung verharrt bei 10 bis 16 Bit. Beides geht aus der Vergleichstabelle im Whitepaper hervor, welche die drei Generationen nebeneinanderstellt.
Heller wird das Bild also nicht, weil der Standard mehr Nits erlaubt, sondern weil das Tone Mapping die vorhandene Panel-Helligkeit besser ausreizt. Samsung nennt das Dynamic Range Expansion ("DRE"): Material, das dunkler abgemischt wurde, als es das Panel darstellen könnte, hebt der Fernseher gezielt an.
Fußnote mit Folgen: HDR10+ Advanced nicht im Filmmaker-Modus
Samsung schließt den neuen Standard bei aktiviertem Filmmaker-Modus aus, und zwar in einer Fußnote der eigenen Ankündigung. Bemerkenswert ist das, weil beide Seiten dasselbe Ziel beanspruchen:
Der Modus schaltet Nachbearbeitung ab, um die Absicht der Urheber zu wahren, und genau damit wirbt Samsung auch für HDR10+ Advanced. Eine technische Begründung liefert der Hersteller nicht. Naheliegend ist die Zwischenbildberechnung, welche der Modus grundsätzlich abschaltet. Der ältere Ableger HDR10+ Adaptive war damit hingegen verträglich. Der neue HDR-Modus bleibt im Filmmaker-Modus aus.
Der Konkurrent kommt später - und ohne deutschen Partner
Dolby Vision 2 erreicht den Handel voraussichtlich erst zum Jahresende. Hisense, TCL und TP Vision reichen die Unterstützung per Software-Update nach, LG verzichtet in diesem Jahr darauf, und Samsung führt Dolby Vision ohnehin in keinem einzigen Gerät. Ältere Fernseher bleiben außen vor, weil das Format an neue Chipsätze gebunden ist. Dazu kommen Lizenzkosten, die bei HDR10+ entfallen.
Deutschland-Bezug: Prime Video statt Peacock
Peacock, der erste zugesagte Streaming-Partner für das Dolby-Format, ist in Deutschland nicht verfügbar. Die Lizenzvereinbarung mit Sky lief Ende 2022 aus, seither fehlt der Dienst hierzulande; auch Canal+ als zweiter Partner spielt im deutschen Markt keine Rolle.
Prime Video zählt indes zu den reichweitenstärksten Streamingdiensten des Landes. Samsungs Fernseher des Jahrgangs 2026 stehen seit April im deutschen Handel, die UVPs beginnen bei 549 Euro für das kleinste LCD-Modell mit 43 Zoll.
Was PC-Spieler davon haben
Windows 11 gibt nativ HDR10 aus und unterstützt Dolby Vision nur auf zertifizierten Geräten, HDR10+ taucht in Microsofts eigener Dokumentation nicht auf. An einem Gaming-PC bleibt der neue Standard damit vorerst folgenlos, obwohl er ausdrücklich für Cloud-Gaming ausgelegt ist:
Kompatible Bildschirme sollen automatisch in den Modus HDR10+ Gaming wechseln, das Tone Mapping quellseitig übernehmen und die Umgebungshelligkeit einrechnen. Nutzbar ist das bislang nur dort, wo die App auf dem Fernseher läuft.
Mitmachen und kommentieren
Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich schon über Ihre Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie hingegen noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 YouTube oder 💬 WhatsApp und erhalten Sie Neuigkeiten zu CPUs, Grafikkarten und Gaming direkt in Ihrem Feed.
Quelle: Samsung