Hilfe bei sexualisierter Gewalt: Mehr als 25 Künstler feiern 25 Jahre Lichtweg.de

Was als „Rettungsinsel“ im Internet begann, hilft heute Hunderten Betroffenen sexualisierter Gewalt. Beim Benefizkonzert zum Jubiläum von Lichtweg.de wurde auch die Geschichte der Gründerin erzählt. Die griff am Ende selbst zum Mikrofon.

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Hilfe bei sexualisierter Gewalt Mehr als 25 Künstler feiern 25 Jahre Lichtweg.de

Sulzbach · Was als „Rettungsinsel“ im Internet begann, hilft heute Hunderten Betroffenen sexualisierter Gewalt. Beim Benefizkonzert zum Jubiläum von Lichtweg.de wurde auch die Geschichte der Gründerin erzählt. Die griff am Ende selbst zum Mikrofon.

07.09.2026 , 08:00 Uhr

Mehr als 25 Künstler gestalteten das Benefizkonzert für „Lichtweg.de“ in der Aula in Sulzbach.

Foto: Petra Pabst

Das Benefizkonzert zum 25-jährigen Bestehen der Hilfsorganisation „Lichtweg.de“ in der rappelvollen Aula in Sulzbach bot am Donnerstag einen Abend voller Emotionen, tiefer Dankbarkeit und musikalischem Mitgefühl. Seit 25 Jahren begleitet Lichtweg.de Menschen, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erfahren haben. Heute ist Lichtweg.de eine gemeinnützige Organisation mit verschiedenen kostenlosen Hilfs- und Beratungsangeboten, gegründet von der Sulzbacherin Pia Sandra Kehl.

Die emotionale Tragweite des Abends wurde bereits mit dem ersten Grußwort spürbar. Monika Schmieden, eine langjährige Weggefährtin der Gründerin, eröffnete den Abend mit einer Rede, die dem Publikum unter die Haut ging. Sie erinnerte an die Entstehung von Lichtweg.de und würdigte „25 Jahre unermüdlichen Mut, gelebten Schutz und das Durchbrechen des Schweigens“. Mit zitternder, aber gefasster Stimme enthüllte sie die Geschichte hinter der Organisation: Es war ihre eigene, verstorbene Mutter, die Kehl in deren dunkelster Stunde Halt gab. Aus diesem Befreiungsschlag erwuchs eine Vision und später zunächst eine „Rettungsinsel“ im Internet. Nun bietet „Lichtweg.de“ seit einem Vierteljahrhundert Hunderten Betroffenen sexualisierter Gewalt Hilfe, Halt und Hoffnung. Pia Sandra Kehl bestätigte sichtbar gerührt: „Deine Mutter hat mich wirklich in den dunkelsten Stunden an die Hand genommen und für mich gesprochen, weil ich einfach gar keine Worte hatte.“

Heute ist Lichtweg längst über die anfängliche Onlineplattform hinausgewachsen. Im Gespräch mit Moderator Elmar Federkeil erläuterte Kehl das gewachsene Netzwerk, das Betroffenen heute kostenlose Hilfe bietet – von anonymem Austausch über Musik-, Kunst- und Pferdetherapie bis hin zu geschützten Selbsthilfegruppen. Neben Schirmherr Peter Zeh (Globus-Geschäftsführer als Sponsor) und der Stadt Sulzbach gebührte besonderer Dank der Botschafterin und Mitorganisatorin Maria Mastrantonio. Ein starkes Zeichen: Sämtliche Mitwirkende, die Band, die Techniker sowie Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes wirkten an diesem Abend ausnahmslos unentgeltlich mit. Sogar PUR-Sänger Hartmut Engler meldete sich per Videobotschaft, um der Organisation seinen Respekt zu zollen.

Es folgte ein hochkarätiges Musikfeuerwerk der Emotionen, dargeboten von über 25 Künstlerinnen und Künstlern aus der Region. „Ich kann nur staunen, wie viele fantastische Talente wir hier im Saarland haben“, fasste es eine Besucherin treffend zusammen. Das musikalische Fundament lieferte die herausragende Band X-Pression, die alle Sängerinnen und Sänger begleitete. Der Opener setzte direkt ein Ausrufezeichen: Bei dem aufrüttelnden Titel „Kinder sind tabu“, angeführt von Timo Jenewein und unterstützt von allen Mitwirkenden im Chor, war die Betroffenheit im Saal greifbar.

Eine abwechslungsreiche Reise durch zahlreiche Pop-, Rock- und Soulklassiker schloss sich an und brachte im Laufe des Abends den voll besetzten Saal immer wieder zum Kochen. Corinna Portz brachte mit Lizzo-Groove („About Damn Time“) Schwung in die Aula, gefolgt von Barbara Burnett, die mit Rihannas „We Found Love“ Hoffnungssignale aussandte. Maria Mastrantonio begeisterte mit Christopher Cross’ Klassiker „Ride Like The Wind“, ehe Corry Awear und Jens Ruttar mit dem Duett „Shallow“ für Gänsehautmomente sorgten. Ob Inna Herrmann mit Adeles „Rolling in the Deep“, Kevin Jenewein mit dem mitreißenden „Uptown Funk“ oder Selin Lang mit Amy Winehouses „Valerie“ – jeder Solist verlieh den Songs eine ganz persönliche Note. Sue Lehmann verzauberte mit dem gefühlvollen „Get Here“, während Luigi Vendra und Adriana Vita mit Eros Ramazzottis „Cose della vita“ italienisches Temperament entfachten. Jessica Oldenburger-Weis riss das Publikum mit „Freed from Desire“ mit, ehe es in die wohlverdiente Pause ging, in der fleißig Spenden gesammelt wurden.

Die zweite Hälfte stand dem in nichts nach: Daniel Bauer eröffnete schweißtreibend mit „Let Me Entertain You“, Sibylle Anna rockte Whitesnakes „Here I Go Again“, und Angelo Giangreco glänzte bei „Un‘altra te“. Die grandiosen Stimmen von Majka Kiefer („A Natural Woman“), Martin Herrmann („Laura non c‘è“) und Timo Jenewein („Beautiful Things“) hielten die Spannung hoch. Jeneweins Ankündigung seiner Teilnahme am TV-Casting-Format „The Voice of Germany“ löste ebenfalls Begeisterungsstürme aus. Sabrina Roth mit Bon Jovis „It’s My Life“, Katja Rammo mit „What’s Up“, Svenja Meyer mit dem dramatischen Heart-Klassiker „Alone“, Andreas Nagel mit der NDW-Hymne „1000 und 1 Nacht“ sowie Sandra Seiler mit „Baby Love“ trieben die Stimmung schließlich zum Höhepunkt. Zum großen Finale forderten alle Künstler gemeinsam mit der Hymne „We Are Family“ das Publikum auf, zusammenzustehen.

In den Zugaben wurde es noch einmal emotional. Gründerin Pia Sandra Kehl trat selbst ans Mikrofon und berührte die Herzen mit Bob Dylans „Make You Feel My Love“, bevor das gesamte Ensemble mit Ben E. Kings „Stand by Me“ den Saal in ein Meer aus wiegenden Armen verwandelte. Ein Jubiläum, das noch lange nachklingen wird. (nid, nlk)