„Ist das, was Dschihadisten tun“ - Riesige Aufregung um Hinrichtung-Livestream in den USA

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„Ist das, was Dschihadisten tun“ - Riesige Aufregung um Hinrichtung-Livestream in den USA

Hinrichtung im Livestream: Wirbel um US-Pläne – Trump stellt Übertragung infrage, Minister sieht kein Risiko

Stand: 13.10.2026, 07:13 Uhr

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Im August 2013 wurde der ehemalige US-Major Nidal Hasan schuldig gesprochen, jetzt ordnet Donald Trump seine Hinrichtung an.

Im August 2013 wurde der ehemalige US-Major Nidal Hasan schuldig gesprochen, jetzt ordnet Donald Trump seine Hinrichtung an. © Brigitte Woosley/picture alliance/dpa

Das Pentagon plant die erste öffentliche Hinrichtung der USA seit 90 Jahren – und Experten warnen, das könnte Terroristen in die Hände spielen.

Washington, D.C. – Es war 1936, als in der Kleinstadt Owensboro im US-Bundesstaat Kentucky rund 20.000 Menschen zusammenkamen, um einem Mann beim Sterben zuzusehen. Sie tranken Limonade, aßen Sandwiches – fast wie bei einem Volksfest, erinnern sich Zeitzeugen laut NPR. Die öffentliche Empörung danach war so groß, dass Kentucky öffentliche Hinrichtungen zwei Jahre später ganz abschaffte. Neunzig Jahre ist das her. Nun will das Pentagon dieses Kapitel wieder aufschlagen – und diesmal soll die ganze Welt per Livestream zuschauen können.

Am Mittwoch soll auf dem Militärstützpunkt Fort Hood im texanischen Killeen der 56-jährige Nidal Hasan durch ein Erschießungskommando hingerichtet werden – genau dort, wo er im November 2009 als Militärpsychiater das Feuer eröffnet und 13 Menschen getötet sowie 32 weitere verletzt hatte. Präsident Donald Trump hat die Hinrichtung genehmigt, Verteidigungsminister Pete Hegseth die Methode empfohlen: Soldaten mit Gewehren, zur selben Uhrzeit wie das Massaker damals. In einem Interview auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln begründete Hegseth die geplante Übertragung gegenüber dem Sender Real America‘s Voice: „Die Menschen müssen verstehen, dass es schwerwiegende Konsequenzen für solche Taten gibt.“

Trump selbst rückte beim Thema Livestream auf Distanz. Bei einem Wahlkampfauftritt in Syracuse im Bundesstaat New York sagte er laut einem vom Weißen Haus verbreiteten Video: „Ich war nicht involviert in die Entscheidung, aber ich verstehe die Entscheidung.“ Auch Vizepräsident JD Vance zweifelte öffentlich daran, ob die Übertragung wirklich kommt – und stellte klar: „Wenn es per Livestream übertragen wird, werde ich es mir nicht ansehen.“ FCC-Chef Brendan Carr erklärte gegenüber CNBC, die Hinrichtung werde jedenfalls nicht im regulären Fernsehen gezeigt.

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Die Ankündigung löste parteiübergreifende Kritik aus. Der republikanische Senator Thom Tillis aus North Carolina, der das Todesurteil gegen Hasan grundsätzlich befürwortet, nannte den Livestream-Plan trotzdem inakzeptabel: „Öffentliche Hinrichtungen sind das, was repressive Diktaturen wie der Iran und Afghanistan tun. Das sollte in Amerika nicht passieren.“ Sein republikanischer Kollege, der Abgeordnete Austin Scott aus Georgia, legte nach: „Live-Streaming von Hinrichtungen ist das, was Dschihadisten tun. Amerika ist besser als das.“ Der demokratische Senator Chris Murphy bezeichnete den Plan in einem CNN-Interview als „widerlich“ und „mittelalterlich“. Erzbischof Paul Coakley, Präsident der US-Bischofskonferenz, sprach Vatican News zufolge von einer „barbarischen Förderung einer Kultur des Todes“.

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Neben moralischen Einwänden warnen Fachleute auch vor handfesten Sicherheitsrisiken. CNN-Sicherheitsanalyst Peter Bergen, der Hasans Fall seit Jahren verfolgt, erklärte: „Wenn ein Video existiert, werden Gruppen versuchen, es als Propaganda zu nutzen.“ Bergen betonte, Hasan betrachte sich selbst als religiösen Krieger – ein öffentliches Hinrichtungsvideo würde genau dieses Selbstbild bedienen. Ähnlich argumentierte Joe Kent, ein ehemaliger hochrangiger US-Geheimdienstler: Die Übertragung liefere Terroristen kostenloses Propagandamaterial zur Radikalisierung.

Juristische Expertin Sheri Lynn Johnson von der Cornell Law School warnte gegenüber CNN, eine öffentliche Hinrichtung feiere „den Tod auf eine sehr gewaltsame Weise“ und stumpfe die Gesellschaft gegenüber Gewalt ab. Robin Maher vom Death Penalty Information Center verwies im Gespräch mit NPR darauf, dass es keinerlei Regelung oder historischen Präzedenzfall für eine per Livestream übertragene Militärhinrichtung in den USA gebe. Der Kriminologieprofessor Michael Radelet von der University of Colorado Boulder gab zudem zu bedenken, dass Hasan das Verfahren durch eine Klage vor einem zivilen Bundesgericht noch auf unbestimmte Zeit aufhalten könnte.

Sollte die Exekution wie geplant stattfinden, wäre es laut Death Penalty Information Center die erste Militärhinrichtung in den USA seit 1961 – und die erste Erschießung durch ein US-Militärkommando seit dem Zweiten Weltkrieg. Hasan wurde 2013 wegen 13-fachen Mordes und 32-fachen versuchten Mordes verurteilt. Er hatte nach eigenen Angaben im Namen des Dschihad gehandelt und keine Reue gezeigt. (Quellen: dpa, NPR, CNN) (cgsc)