„Historische Tiefstände“ in Realschule

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„Historische Tiefstände“ in Realschule

Stand: 12.10.2026, 07:00 Uhr

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Tendenz noch steigend: Die Gesamtzahl der Realschüler und Gymnasiasten liegt bei 6488 – rund 600 weniger als im Rekordjahr 2010/11.

Tendenz noch steigend: Die Gesamtzahl der Realschüler und Gymnasiasten liegt bei 6488 – rund 600 weniger als im Rekordjahr 2010/11. © LRA

Die Schülerzahlen an den Realschulen im Landkreis Erding sind so niedrig wie seit Jahren nicht. Insgesamt aber gibt es einen Anstieg – noch. Denn die Geburtenzahl sinkt.

Landkreis – Gymnasium, Realschule, FOS/BOS, Fachakademie: Der Landkreis sieht sich bei der Ausstattung seiner Schulen bestens aufgestellt. „Klug und vorausschauend gehandelt“, bilanzierte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) im Kreisausschuss für Bildung und Kultur. Auf dem Tisch lag das Gutachten zur Schulentwicklung. Insgesamt sind die Schülerzahlen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Kritische Worte fand der Landrat aber mit Blick auf die vier Realschulen.

Katrin Neueder vom Fachbereich Kreisentwicklung hatte noch von einer „erfreulichen Tendenz“ dort gesprochen. „Es sind wieder deutlich mehr Übertritte geworden.“ Zum neuen Jahr waren es insgesamt 473 Neue in Taufkirchen, Oberding und in den beiden Erdinger Realschulen. Das sind 23 mehr als im Vorjahr und 60 mehr als vor zwei Jahren. Vom generellen Rekordjahr 2010/2011 (557) ist man ein Stück entfernt.

Platz in der HTRS: FOS mietet sich ein

Bayerstorfer blickte aber auf die Gesamtzahlen. Habe man vor 16 Jahren noch 3256 Realschüler gezählt, seien es jetzt 2858 (+ 37 zum Vorjahr). Also 400 weniger als damals, noch ohne den Standort Oberding. Der Landrat sprach mit Blick auf die jüngere Vergangenheit von „historischen Tiefständen“ in Taufkirchen und in der Herzog-Tassilo-Realschule. „Deswegen hat die FOS dort auch Räume angemietet“, sagte Bayerstorfer. Sonst könne man den Steuerzahlern nicht erklären, dass der Landkreis am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) in eine Erweiterung investiere, während es andernorts Leerstände gebe.

1398 Übertritte waren es heuer auf die weiterführenden Schulen (nur Kinder aus dem Kreis Erding eingerechnet) – 37 weniger als im Jahr davor. Das Schulgutachten vom Institut SAGS weist eine beträchtliche Schülermehrung von elf Prozent in den Gymnasien auf. Das liege an der Umstellung von G8 auf G9. Heuer sind es 3630 Gymnasiasten (Anne Frank 1169, Korbinian Aigner 1331, Dorfen 1130), deutlich mehr als in den Jahren davor. Der Peak lag hier, ebenfalls 2010/11, bei 3833. Laut Prognose dürfte aber 2030 mit 3887 Gymnasiasten ein neuer Rekord erreicht werden.

Neueder verwies deshalb auf die laufende Erweiterung des AFG in drei Bauabschnitten. Aktuell läuft der zweite Abschnitt für unter anderem zehn neue Klassenräume, eine Mensa mit 200 Sitzplätzen und eine unterirdische Indoor-Laufbahn. Die moderne Dreifachturnhalle ist bereits fertig. Am Ende soll das AFG bis zu 1300 Schüler beherbergen. So trage man dem zunehmenden Bevölkerungswachstum im Landkreis Erding Rechnung.

Am Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) mussten heuer zwölf angehende Fünftklässler abgelehnt und ans AFG überwiesen werden, berichtete Neueder. Dieses Vorgehen sei zulässig, da die Schulprofile sehr ähnlich seien. Der Sachaufwandsträger, also der Landkreis, sei hier nicht verpflichtet, jedem Wunsch nachzukommen, wenn man insgesamt genug Kapazitäten habe, erklärte auch Bayerstorfer. Üblich sei ein solches Vorgehen auch in der Landeshauptstadt München oder in den Landkreisen Rosenheim und Dachau. Die Entfernung der beiden Erdinger Gymnasien betrage unter einem Kilometer. „Eventuell sagen manche Eltern: ‚Das AFG befindet sich gerade im Umbau‘“, vermutete der Landrat zum offenbar größeren Interesse am KAG.

Neueder verwies auch auf zurückgehende Geburtenzahlen: „Wir werden stark sinkende Schülerzahlen sehen.“ In den vergangenen zwei Jahrzehnten lag der Höchststand 2017 bei 1407 Geburten, 2024 waren es 1272 und 2025 sogar nur noch 1141.

Gut besucht werde die FOS/BOS. Hier lag man zum vergangenen Schuljahr bei 682 Schülern, die Prognose für 2033 liegt bereits bei 999. Der bisherige Höchstwert lag 2016/17 bei 997. Auch die neueren Angebote „werden sehr gut angenommen“, sagte Neueder über Berufsfachschule für Kinderpflege (zum neuen Jahr 34 Schüler) und Fachakademie für Sozialpädagogik (51). Diese sei „eine Errungenschaft“, lobte Gertrud Eichinger (SPD, Finsing).

Klimawandel im Investitionsfokus

„Hervorragende Prognose, gut geplant, alles richtig gemacht“, bilanzierte Bayerstorfer. Bei irgendwann sinkenden Zahlen könnte man dann ja verstärkt in den Bestand statt in neue Räumlichkeiten investieren, so der Gedanke von Michael Oberhofer (CSU, Dorfen). Vor dem Hintergrund des Klimawandels etwa in Baumpflanzungen oder Klimatisierung, meinte Christoph Puschmann (CSU, Taufkirchen).

Oberhofer, der die Grund- und Mittelschule Isen leitet, verwies noch darauf, dass über 30 Prozent der Viertklässler auf die Mittelschule übertreten würden. Es sei richtig gewesen, auch hier mit Investitionen „wuchtig in die Zukunft“ zu gehen. „Es ist kein Wettkampf der Schularten, sondern ein Miteinander.“