Hitze im Gesicht, Staub in der Lunge? Der beste Schutz wächst an der Straße

KI-Stimme. InfoLiebe Leserin, lieber Leser, wenn ich in diesen Hitzetagen mit dem Fahrrad in unsere Wohnstraße einbiege, atme ich erst mal tief durch. Links und rechts stehen Kastanien und Linden, sie werfen Sc...

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Hitze im Gesicht, Staub in der Lunge? Der beste Schutz wächst an der Straße

KI-Stimme. Info

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich in diesen Hitzetagen mit dem Fahrrad in unsere Wohnstraße einbiege, atme ich erst mal tief durch. Links und rechts stehen Kastanien und Linden, sie werfen Schatten bis in den vierten Stock der Mehrfamilienhäuser. Gerade noch blies mir der heiße Fahrtwind wie ein Föhn ins Gesicht, noch kratzt Straßenstaub in der Lunge. Doch nun empfängt mich ein kühler und würziger Duft, fast ein wenig wie im Wald. Ich liebe diese Bäume, auch wenn deren Blüten auf Autoscheiben kleben und ich im nassen Herbst auf dem Laub ausrutsche.

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Noch besser ist es, wenn Häuser künftig so gebaut werden, dass sie mit geschickten Verschattungen und Fassadenbegrünungen die Hitze abhalten. Klimaanlagen sind dann viel seltener oder sogar gar nicht nötig. Doch noch immer entstehen gesichtslose Wohnparks, die der Hitze ausgeliefert sind. Ich denke da nur an eine neue und teure Wohnanlage für Senioren im Ruhrgebiet, wo die Sonne in einen Teil der Appartements von früh bis spät reinknallt.

Grün am Haus, Bäume in der Straße: So geht Hitzeschutz

Ob Sie in Berlin leben oder als Tourist die Hauptstadt besucht haben: Sicher kennen Sie den Gendarmenmarkt. Den großen Platz hat die Stadt zwei Jahre lang umgestaltet – mit Elektrik und intelligenten Wasserspeichern im Untergrund. Das ist sicher in die Zukunft gedacht. Allerdings knallt die Sonne zwischen Konzerthaus, dem Deutschen und dem Französischen Dom auf die Natursteine. Die nehmen ungehindert die Hitze auf und geben sie auch noch am späten Abend ab. Die Folge: Vor allem in der Mittagszeit bewegen sich Touristen wie Büromenschen in Zeitlupe. Die Berliner Schnauze fand dafür den schönen Namen „Stadtglatze“.

Birgitta Stauber-Klein Newsletter Bild

Birgitta Stauber, Textchefin der Zentralredaktion© Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Doch es geht auch anders: Einer der bekanntesten Architekten in Deutschland, Christoph Ingenhoven, hat in Stuttgart einen Gebäudekomplex gebaut, dessen Fassadenbegrünung die ganze Umgebung kühlt. Im Gespräch mit meiner Kollegin Nina Noire Kugler erklärt er, welche Rolle Verschattung, Tageslicht oder natürliche Lüftung bei den künftigen Entwürfen spielen sollten, noch bevor es um den Einsatz von Technik, etwa Klimaanlagen, geht. Auch andere Architekten setzen längst auf Hitzeschutz. Lesen Sie hier, was alles möglich ist. Hinter dem Link steckt nicht nur der Text, sondern auch eine Fotostrecke mit ungewöhnlichen, aber kühlen Gebäuden.

„Viele reden über Hitze, als ginge es um eine lästige Sommerlaune“

Zurück zur Seniorenanlage: Dass alte Menschen besonders unter der Hitze leiden, dürfte niemanden überraschen. Trotzdem sind Heime und auch Krankenhäuser kaum darauf eingestellt. Und so sind während der letzten drei Hitzeperioden in nur wenigen Wochen 10.000 Menschen gestorben, weil ihr Körper die hohen Temperaturen nicht verkraftet hat, so die Meldung des Robert Koch-Instituts. Ältere und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren besonders betroffen. „Trotzdem reden viele über Hitze, als ginge es um eine lästige Sommerlaune“, regt sich meine Kollegin Anne-Kathrin Neuberg-Vural in ihrem Kommentar auf. Deutschland sei „viel zu schlecht“ auf die Hitze vorbereitet.

Hauptsache satt: Das reicht nicht, wenn es um gesunde Ernährung für Senioren geht

Es ist tatsächlich so, als würden wir die Toten in Kauf nehmen. Ein anderes Beispiel für die Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen von alten und kranken Menschen ist die schlechte Ernährung in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Da wird technisch alles getan, um Menschen etwa nach einem Schlaganfall wieder fit zu machen. Doch dann in der Reha oder im Heim werden ihnen Mahlzeiten serviert, die zu fett sind, zu salzig und zu süß, fand mein Kollege Dominik Bath heraus. Sind obendrein die Nudeln zu einer undefinierbaren Masse verkocht und wird der Kartoffelbrei aus Instantpulver verrührt wie Zement, dann sinkt die Lebensqualität. Die Caterer reden sich raus mit der geringen Pauschale, die sie pro Tag pro Menü bekommen.

Essen im Seniorenheim

Weichgekocht und angerührt: Gesund ist das Essen in Seniorenheimen längst nicht immer. © picture alliance / Fotostand | Gelhot

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob mehr Geld auch die Qualität verbessert. Kartoffelbrei etwa wäre aus echten Kartoffeln billiger als das Instant-Produkt. Ich befürchte, das hängt mit unserer Esskultur zusammen. Es geht um Schnelligkeit, um Effizienz, und so schlucken wir viel zu oft runter, was uns Großküchen für Schulen, Betriebe, Krankenhäuser und Heime vor die Nase setzen.

Sie modelt und promoviert: Interview mit Söders Tochter Gloria-Sophie Burkandt

Gloria-Sophie Burkandt wollte das nicht, Essen einfach runterschlucken, obwohl es ihr nicht schmeckt. Sie ist die Tochter von Markus Söder, dem bayerischen Ministerpräsidenten und Kopf der CSU. Es sei um Brokkoli gegangen, ein Gemüse, das gerne Kinder vertreibt, vor allem, wenn es braungekocht und labbrig auf dem Teller liegt. Doch die Nonnen ihrer Schule sperrten sie ein, bis sie aufgegessen hatte – was ich mir gar nicht vorstellen kann, denn auch ich ging auf eine katholische Nonnenschule. An derartige Strenge kann ich mich nicht erinnern. Aber ich bin ja auch nicht im erzkatholischen Bayern aufgewachsen, sondern im Ruhrgebiet.

Gloria-Sophie Burkandt und Markus Söder

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, und seine Tochter Gloria-Sophie Burkandt bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. © Daniel Karmann/dpa | Daniel Karmann

Burkandt ist heute eine große, schöne Frau, die modelt und als Influencerin eine gute Reichweite hat. Außerdem promoviert sie und schreibt ein Buch. Klingt alles super, doch in ihrer Kindheit sind ziemlich viele Brüche, erzählt sie im Interview, das Petra Koruhn mit ihr führte. So ertrug sie mit Schienbeinschonern die Prügel ihrer Klassenkameraden. Später kam noch eine Magersucht dazu. Es sind spannende Einblicke in das Leben eines Kindes, das mit einem berühmten Vater aufwächst.

Abdul Ballouts Weg in die Radikalität

Und nun zum Thema der Woche, dem Terror auf dem CSD in Berlin mit einer Toten und vielen Verletzten. Es hat uns Tag und Nacht in Atem gehalten, trotzdem habe ich mich bewusst entschieden, das Attentat nicht zum zentralen Thema dieses Newsletters zu machen. Vielleicht auch, um selbst ein wenig Abstand zu gewinnen. Vielleicht haben Sie schon gelesen, was meine Kollegen über die Hintergründe und Ursachen recherchiert haben.

Nach dem Angriff auf CSD in Berlin

Blumen, Kerzen und die Botschaft „Wir gedenken aller Opfer und Überlebenden“ sind am Morgen an einem Baum mit beschädigter Rinde zu sehen, wo ein Fahrzeug am Rande des Christopher Street Day in eine Menschenmenge gefahren war. © Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

Leider ist es im Fall Abdul Ballout nicht so einfach: Der junge Mann, der mit einem gemieteten Kastenwagen aus der fröhlichen Party eine Katastrophe machte, ist kein Flüchtling. Er ist auch nicht durchs Raster der Behörden gefallen. Abdul Ballout ist Deutscher, hat deutsche Schulen besucht und Förderung bekommen. Wie er sich radikalisiert hat, woher sein Hass auf Homosexuelle kommt, wird noch aufzuklären sein. Klar ist schon jetzt: Abdul Ballout fiel bereits in der Grundschule durch Gewaltbereitschaft auf, war schließlich ein Schulversager ohne Abschluss. Seinen Weg in die Radikalität und seine familiären Hintergründe, in denen auch Homosexualität eine Rolle spielt, haben Nicole Dolif, Christian Unger und Julian Würzer aufgezeichnet.  

Kämpfer der Terrormiliz IS fahren mit Waffen in einer Autoparade

Syrien 2017: In dieser Zeit kontrolliert die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) noch Gebiete in Syrien und im Irak mit Gewalt, Tötungen und Folter. Heute ist das „Kalifat“ zerschlagen, aber der IS regiert weiter global. © picture alliance/dpa | Uncredited

Ob Hamas-Kämpfer oder IS-Dschihadisten: Islamisten sind brandgefährlich. Sie töten und greifen die freie, diverse Gesellschaft an, in der wir leben. Anhänger des IS sind nach wie vor aktiv, ob in Deutschland, in Syrien, im Irak oder in Afrika. Christian Unger hat recherchiert, wie sich die Szene verändert hat, warum sie kein Kalifat mehr braucht, wie inzwischen die sozialen Medien die Radikalisierung vorantreiben und wie unsere Sicherheitsbehörden damit umgehen.

Ich hoffe, dass an diesem Wochenende, wenn weitere CSD-Veranstaltungen in Deutschland stattfinden, die Menschen sich nicht abschrecken lassen. Dass sie feiern und demonstrieren für ihre Rechte, für eine freie queere Community.

Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag,

Ihre Birgitta Stauber