Tödlichster Sommer seit Jahrzehnten: RKI zählt fast 10.000 Hitzetote – warum das Herz besonders leidet
StartseiteDeutschlandHitzetod in Deutschland: RKI schätzt bereits 10.000 Tote – was das Herz zerstörtStand: 31.07.2026, 18:56 UhrKommentareUns auf Google folgenFast 10.000 Hitzetote in diesem Sommer – mehr als ...
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Hitzetod in Deutschland: RKI schätzt bereits 10.000 Tote – was das Herz zerstört
Stand: 31.07.2026, 18:56 Uhr
Fast 10.000 Hitzetote in diesem Sommer – mehr als in jedem Jahr seit 2016. Was die RKI-Zahlen zeigen und warum Hitze besonders dem Herzen gefährlich wird.
Frankfurt – Der Sommer 2026 ist noch nicht vorbei, doch die Bilanz ist bereits jetzt die schwerste seit Beginn der Erhebungen: Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland bis zum 19. Juli rund 9.800 Menschen an den Folgen hoher Temperaturen gestorben, wie die tagesschau unter Berufung auf den aktuellen RKI-Wochenbericht berichtet. Damit übertrifft der bisherige Zwischenstand bereits jeden kompletten Jahreswert der letzten zehn Jahre – einschließlich des bisherigen Rekordjahres 2018, als das RKI für den gesamten Jahresverlauf rund 8.900 bis 9.000 Hitzetote ermittelte.

Laut dem RKI-Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität summierten sich die Sterbefälle 2026 wie folgt:
- Anfang April bis 12. Juli: rund 7.900 hitzebedingte Sterbefälle
- 13. bis 19. Juli (eine einzelne Woche): weitere rund 1.900 Sterbefälle
- Insgesamt bis zum 19. Juli: rund 9.800 Sterbefälle (Unsicherheitsbereich laut RKI: 8.700 bis 10.900)
Ältere Menschen sind besonders gefährdet, infolge der Hitze zu sterben
Den mit Abstand größten Anteil an diesen Zahlen hat, so das RKI, die extreme Hitzewelle in der zweiten Junihälfte 2026, als in weiten Teilen Deutschlands Temperaturen um 40 Grad erreicht wurden. Auf diesen Zeitraum entfallen dem Institut zufolge mehr als 5.000 der Todesfälle.
Besonders betroffen sind ältere Menschen: 7.880 der Todesfälle entfielen laut RKI auf die Altersgruppe ab 75 Jahren. Zudem sterben insgesamt mehr Frauen als Männer an den Folgen extremer Hitze – ein Effekt, den das RKI vor allem auf den höheren Frauenanteil in den älteren Altersgruppen zurückführt.
Hitze taucht in der Regel nicht als Todesursache in der Sterbeurkunde auf
Hitze taucht auf Sterbeurkunden kaum als Todesursache auf – entsprechend lässt sie sich nicht einfach aus der amtlichen Todesursachenstatistik ablesen. Das RKI ermittelt die Zahl der Hitzetoten stattdessen über ein statistisches Modell: Grundlage sind die tatsächlichen Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamts, verglichen mit dem Mittelwert vergangener Jahre, sowie die Wochenmitteltemperaturen des Deutschen Wetterdienstes, ausgewertet an 52 Wetterstationen. Liegt die Wochenmitteltemperatur über 20 Grad und übersteigt die Zahl der tatsächlichen Todesfälle den Erwartungswert, gelten die zusätzlichen Todesfälle als hitzebedingt.
Wie der Deutschlandfunk berichtet, bezeichnet das RKI seine eigene Methode als eher konservative Schätzung – eine Analyse der Meteorologin und Statistikerin Erich Schneider komme für die Hitzewelle im Juni 2026 sogar auf 50 bis 100 Prozent mehr Hitzetote als vom RKI gemeldet, da Tagesspitzen dabei stärker berücksichtigt würden als beim RKI-Wochenmittel.
Regionale Verteilung: Rheinland-Pfalz und Saarland an der Spitze, Hessen im oberen Mittelfeld
Dass diese statistische Methode wissenschaftlich belastbar ist, bestätigt auch eine Untersuchung von Forschenden des RKI, des Umweltbundesamtes und des Deutschen Wetterdienstes, die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde: Für den Zeitraum 1992 bis 2021 zeigte sich demnach ein klarer, langjähriger Zusammenhang zwischen hohen Wochenmitteltemperaturen und einer messbaren Übersterblichkeit in Deutschland – zuletzt sei diese Übersterblichkeit erstmals seit Beginn der Erhebung in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgetreten. Die Studienautorinnen und -autoren mahnten laut Deutschem Ärzteblatt, der Umgang mit Hitzeperioden in Deutschland müsse deutlich verbessert und vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen besser geschützt werden.
Das RKI veröffentlicht seine Schätzungen auf Ebene der Bundesländer – eine gesonderte Auswertung für einzelne Städte wie Frankfurt liegt nicht vor. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind laut einer Auswertung von ZDFheute jedoch beträchtlich, weil sie direkt mit der Zahl der Tage mit hohen Wochenmitteltemperaturen zusammenhängen:
| Bundesland | Hitzebedingte Sterbefälle je 100.000 Einwohner (2026, bis 19. Juli) |
|---|---|
| Saarland | rund 33 |
| Rheinland-Pfalz | 29,8 |
| Hessen | 21,5 |
| Baden-Württemberg | 16,6 |
| Bayern | 7,9 |
| Schleswig-Holstein | 2,4 |
Über 1.000 Menschen sind in Hessen bereits infolge der Hitze gestorben
Nach RKI-Schätzungen, über die unter anderem die hessenschau berichtet, sind in Hessen bislang schätzungsweise mehr als 1.350 Menschen infolge der Hitze gestorben. Damit liegt der bisherige Jahreszwischenstand für Hessen schon über dem gesamten Rekordjahr 2018 (rund 1.070 Fälle beziehungsweise 17,2 je 100.000 Einwohner); aktuell steht Hessen bei 21,5 Fällen je 100.000 Einwohner, im Vorjahr waren es 5,6.
Auch in absoluten Zahlen zeigt sich, wie stark bevölkerungsreiche Bundesländer betroffen sind: In Nordrhein-Westfalen schätzt das RKI rund 2.270 hitzebedingte Sterbefälle, in Baden-Württemberg sind es trotz geringerer Einwohnerzahl rund 1.870 Fälle.
Was Hitze im Körper anrichtet – und warum das Herz das schwächste Glied ist
Der Tod tritt dabei so gut wie nie direkt durch die Hitze selbst ein – etwa durch einen Hitzschlag. Entscheidend ist laut RKI fast immer das Zusammenspiel von hohen Temperaturen mit bereits vorhandenen Vorerkrankungen, allen voran Herz-Kreislauf-Leiden, aber auch Erkrankungen der Lunge oder der Nieren. Auch die Studie im Deutschen Ärzteblatt bestätigt: Direkte hitzebedingte Diagnosen wie Hitzschlag machen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Mortalität aus, das vollständige Bild ergebe sich erst durch die Einbeziehung indirekter Sterbefälle, die von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen bis hin zu Verkehrsunfällen und psychischen Erkrankungen reichten.
Der Grund für die besondere Gefährdung des Herzens liegt in der Art, wie der Körper auf Hitze reagiert:
- Gefäßerweiterung und Kreislaufumstellung: Bei hohen Temperaturen weiten sich die Blutgefäße, um Wärme über die Haut abzugeben. Das Herz muss dadurch mehr arbeiten, der Puls steigt, während gleichzeitig der Blutdruck sinken kann – eine Belastung, die für ein vorgeschädigtes Herz laut der Deutschen Herzstiftung schnell zu viel werden kann.
- Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen: Wie die Deutsche Herzstiftung erläutert, verliert der Körper Wasser und Elektrolyte. Das Blut wird dadurch dickflüssiger, die Gerinnungsneigung steigt – ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Erhöhtes Herzinfarktrisiko: Laut der Kardiologie-Plattform cardiopraxis.de zeigte eine Analyse von rund 27.000 Herzinfarkten in Augsburg, dass an Tagen über 30 Grad bis zu 15 Prozent mehr Herzinfarkte auftraten als an kühleren Tagen. Bei Menschen, die bereits Betablocker oder Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen – also Herzpatientinnen und -patienten –, kann das Herzinfarktrisiko bei Hitze demnach sogar um bis zu 75 Prozent steigen.
- Herzrhythmusstörungen: Hitzestress begünstigt insbesondere Vorhofflimmern. Steigt die Temperatur innerhalb kurzer Zeit stark an, muss sich der Kreislauf abrupt umstellen – das belastet, so die Deutsche Herzstiftung, Gefäßregulation, Flüssigkeitshaushalt und vegetatives Nervensystem gleichzeitig und kann zusätzlich Entzündungsprozesse fördern.
- Besonders gefährdete Gruppen: Ältere Menschen, Menschen mit Übergewicht – wegen stärkerer thermischer Isolation und mehr entzündungsfördernden Prozessen im Fettgewebe – sowie Personen mit Diabetes oder bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen tragen laut cardiopraxis.de das höchste Risiko.
(Quellen: tagesschau.de; Robert Koch-Institut (RKI), ZDFheute, Deutschlandfunk, Deutsche Herzstiftung, cardiopraxis.de) (tt)