Berichte über Ausreisen: In Russland geht die Angst um

In Russland halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach es heuer eine Mobilmachung für den Angriffskrieg in der Ukraine geben könnte. Zugleich zeigen Umfragen eine angespannte Stimmung im Land. Welchen Anteil die Gerüchte daran haben, ist nicht zu beziffern. Jedenfalls tragen ukrainische Drohnenangriffe den Krieg in den russischen Alltag – am Montag wurde etwa die Schwarzmeer-Stadt Sotschi angegriffen. Parallel zu all diesen Entwicklungen gibt es Hinweise darauf, dass Russen das Land verlassen bzw.

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Berichte über Ausreisen: In Russland geht die Angst um

Berichte über Ausreisen

In Russland halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach es heuer eine Mobilmachung für den Angriffskrieg in der Ukraine geben könnte. Zugleich zeigen Umfragen eine angespannte Stimmung im Land. Welchen Anteil die Gerüchte daran haben, ist nicht zu beziffern. Jedenfalls tragen ukrainische Drohnenangriffe den Krieg in den russischen Alltag – am Montag wurde etwa die Schwarzmeer-Stadt Sotschi angegriffen. Parallel zu all diesen Entwicklungen gibt es Hinweise darauf, dass Russen das Land verlassen bzw. eine Ausreise erwägen.

Online seit heute, 6.12 Uhr

Laut wöchentlichen Erhebungen des staatlichen russischen Meinungsforschungsinstituts FOM bezeichneten seit Ende April in fast jeder Befragungswoche mehr als die Hälfte der Befragten die Stimmung in ihrem persönlichen Umfeld als „ängstlich“. Der entsprechende FOM-Indikator erreichte damit das höchste anhaltende Niveau seit der russischen Teilmobilmachung im Jahr 2022.

Mehr als viereinhalb Jahre nach Beginn der vollumfänglichen Invasion in der Ukraine sind demnach viele Menschen in Russland besorgt, wenngleich aber die Umfrage der staatlichen FOM freilich nicht ausweist, in welchem Ausmaß die von den Befragten wahrgenommene Angst mit der Sorge vor einer möglichen Teilmobilmachung der russischen Armee zusammenhängt.

„Völliger Unsinn“

Die Spekulationen blieben jedenfalls auch dem Kreml nicht verborgen, zumal er zuletzt darauf reagierte. Es gebe „derzeit kein Szenario, das eine Mobilmachung erforderlich machen würde“, da Russland „keinerlei Probleme bei der Verfügbarkeit von Militärpersonal“ habe, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin Anfang des Monats. Bereits davor hatte er entsprechende Spekulationen als „völligen Unsinn“ bezeichnet.

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Fachleute schließen aber nicht aus, dass Putin angesichts anhaltend hoher russischer Verluste nach der Parlamentswahl, die von 18. bis 20. September läuft, eine Mobilmachung anordnen könnte. Putin sei „zutiefst überzeugt, die Ukraine im Winter endgültig in die Knie zu zwingen“, sagte Bundesheer-Oberst Markus Reisner der APA – und auch er sieht eine russische Mobilmachung als nicht ausgeschlossen.

Berichte über viele Übertritte nach Georgien

Zuletzt sorgten Berichte über einen ungewöhnlich hohen Grenzverkehr am russisch-georgischen Grenzübergang Werchni Lars für Aufsehen – diesen zufolge sollen im August binnen einer Woche mehr als 113.000 Menschen und rund 33.000 Fahrzeuge den Grenzübergang passiert haben. Mehrere Medien werteten die Zahlen als Hinweis auf eine erneute Ausreisewelle aus Russland nach Georgien.

Wie viele Menschen dabei tatsächlich Russland bis auf Weiteres oder endgültig verlassen wollten, blieb angesichts der kolportierten Übertrittszahl allerdings unklar. Neben Georgien sind Armenien, Kasachstan, Serbien und die Türkei visafreie Zielländer für russische Staatsangehörige. In diesen Ländern ist das Wissen bereits groß, weil 2022 viele Menschen dorthin ausreisten.

Anders als im ersten Kriegsjahr, als sich also Wehrpflichtige in Scharen vor der Teilmobilisierung ins Ausland absetzten, gibt es derzeit keine Berichte über Warteschlangen an Grenzübergängen oder einen Mangel an Flugtickets. Ein in Moskau ansässiger Diplomat sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AP anonym aber von „einem spürbaren Anstieg der öffentlichen Besorgnis in diesem Sommer“.

„Wir sehen, dass sich Menschen vorbereiten“

Aktuell sehe man, „dass sich Menschen auf die Auswanderung vorbereiten und sich über ihre Möglichkeiten informieren“, sagte Anastasia Burakowa, Gründerin der internationalen Hilfsorganisation Kowtscheg (russisch für „Arche“), die russische Auswanderinnen und Auswanderer unterstützt und laut eigenen Angaben Büros in Tiflis, Eriwan, Istanbul und Warschau unterhält.

Das bedeute nicht, „dass sich derzeit sehr viele Menschen an den Grenzen aufhalten“, wurde Burakowa von der Nachrichtenagentur AP zitiert. Die Auswanderungswelle sei mit jener von 2022, als sich im ersten Jahr der großangelegten Invasion Hunderttausende absetzten, nicht zu vergleichen – dennoch habe Kowtscheg laut Burakowa im August fast achtmal so viele Anfragen erhalten wie im Mai.

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Widrige Umstände

Die Motive sind vielfältig – neben der Angst vor einer Mobilmachung spielt auch die Gefahr durch ukrainischen Drohnenbeschuss eine Rolle. Doch auch die Wirtschaft ist getroffen, Angriffe auf Energieanlagen lösten eine Kraftstoffkrise aus. Zudem wurde dem boomenden russischen E-Commerce-Sektor im Zuge des Beschusses von Unternehmen wie Wildberries und Ozon ein schwerer Schlag zugefügt.

Was eine mögliche Mobilmachung betrifft, scheint Russland besser vorbereitet zu sein als 2022. Das elektronische Register der Militärdienstpflichtigen wurde 2025 weiter ausgebaut und soll die Erfassung und Einberufung von Männern im wehrpflichtigen Alter erleichtern. Laut Berichten stehen den Behörden damit umfassendere digitale Daten über infrage kommende Personen zur Verfügung.