Indoor-Soccerhalle in Langen abgerissen – Rechenzentrum kommt
Die Stadtwerke Langen haben die Indoor-Soccerhalle mit vier Kunstrasenfeldern abreißen lassen. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal soll ein Rechenzentrum entstehen, dessen Abwärme mehrere Wohnquartiere versorgen wird.
- 3 min read
Stand: 03.08.2026, 06:21 Uhr
Kommentare

Die Stadtwerke Langen haben die Indoor-Soccerhalle mit vier Kunstrasenfeldern abreißen lassen. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal soll ein Rechenzentrum entstehen, dessen Abwärme mehrere Wohnquartiere versorgen wird.
Langen – Es tut sich was im Wirtschaftszentrum Neurott. Der Abrissbagger hat ganze Arbeit geleistet und die Indoor-Soccerhalle, die gut 20 Jahre lang in der Robert-Bosch-Straße stand, dem Erdboden gleichgemacht. Geschlossen war die durchaus beliebte Freizeiteinrichtung mit vier Kunstrasen-Kleinfeldern und angeschlossener Sportsbar schon seit Ende März. Denn König Fußball muss Platz machen für ein zukunftsweisendes Bauvorhaben: Auf dem Grundstück soll ein innovatives Rechenzentrum entstehen.
Was macht ein Rechenzentrum?
Ein Rechenzentrum ist ein Gebäude, in dem viele Server untergebracht sind. Es stellt Rechenkapazitäten zur Verfügung, damit digitale Dienste rund um die Uhr funktionieren – sei es das Ansehen eines YouTube-Videos, das Verschicken einer WhatsApp-Nachricht oder das Speichern eines Fotos in der Cloud. Dort werden auch Daten gesichert, Anwendungen wie Webseiten, Apps oder Software ausgeführt sowie Daten verarbeitet, etwa beim Beantworten von Anfragen an KI-Modelle. Damit garantiert ist, dass alles zuverlässig funktioniert, verfügen Rechenzentren in der Regel über leistungsstarke Kühlanlagen, sodass die Server nicht überhitzen, eine Notstromversorgung und hohe Sicherheitsvorkehrungen gegen Kriminalität.
Wegfall trifft Fußballer hart
Die Stadtwerke Langen haben das rund 10.000 Quadratmeter große Areal vor drei Jahren erworben und das Projekt damals groß angekündigt. Seitdem ist es ein wenig still geworden um das Datencenter. Mehrere wichtige Fragen sind – zumindest offiziell – noch nicht final geklärt: Wann erfolgt der Baubeginn, der ursprünglich einmal für 2025 vorgesehen war? Wer errichtet und betreibt das Gebäude? Und verkaufen die Stadtwerke das Grundstück an den künftigen Betreiber oder verpachten sie es? Das Langener Versorgungsunternehmen blockt auf Anfrage bei dem Thema ab, verweist lediglich auf die noch laufenden, komplexen Verhandlungen.
Damals, 2023, ließen die Stadtwerke verlauten, dass die Mainova WebHouse GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Mainova AG, auf dem Gelände direkt an der B 486 ein rund 6.800 Quadratmeter großes, komplett mit Ökostrom laufendes Rechenzentrum bauen und betreiben werde. Doch Nägel mit Köpfen wurden offenbar noch nicht gemacht, es soll auch weitere Interessenten geben. Der Abriss der Soccerhalle und die Vorbereitung des Grundstücks lassen aber zumindest erahnen, dass demnächst Vollzug gemeldet werden könnte.
Die Vorkehrungen für den Datencenter-Bau sind derweil schon im gesamten Stadtgebiet sichtbar. Denn die Abwärme, die bei der Kühlung der Server entsteht, soll vollständig ins örtliche Fernwärmenetz eingespeist werden und mehrere Wohnquartiere in Langen mit Energie für Heizung und Warmwasser versorgen. Die Stadtwerke bauen daher seit dem vergangenen Sommer ihr Leitungsgeflecht massiv aus und errichten abschnittweise eine neue 3,5 Kilometer lange Nord-Süd-Fernwärmetrasse. Die Arbeiten liegen laut Stadt voll im Zeitplan, werden aber mindestens noch bis 2028 andauern. Zurzeit wird in der Elisabethenstraße gebaggert, nächstes Jahr ist die Zimmerstraße an der Reihe. Die heiße Luft aus der Robert-Bosch-Straße soll genügen, um alle bestehenden Fernwärmenetze in Langen plus die Erweiterungen zu 100 Prozent zu nähren.
Der Abriss der Indoor-Soccer-Halle hat derweil auch Auswirkungen auf die Sportvereine. In der aktuellen Ausgabe der Mitgliederzeitschrift der SSG Langen schreibt Vorsitzender Oliver Loch: „Der Wegfall der Soccerhalle mit vier Kleinfußballspielfeldern trifft die SSG-Fußballer hart. Einige Jugendmannschaften trainierten dort im Winter auf eigene Kosten, da es nicht genug Hallenzeiten gibt. Die ganzen Betriebssportmannschaften haben ebenfalls keine Spielmöglichkeiten mehr und fragen unsere Plätze an.“ Zur Weiterentwicklung ihres Freizeitcenters an der Rechten Wiese hat die Sport- und Sänger-Gemeinschaft nun eine Kommission mit dem Namen „SSG 2030“ gebildet. Sie soll unter anderem die Frage klären, ob auf der Anlage vielleicht auch neue Soccer-Spielfelder entstehen könnten. Ob das Rechenzentrum bis 2030 fertig wird, steht noch in den Sternen.