Initiative verliert Räume und fürchtet um die Zukunft der Kasseler Gestapo-Zentrale

StartseiteKasselStand: 25.09.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenLaden zur letzten Ausstellung: Anne Sperl (links) und Conny Weckmann vom Vorstand des Vereins Gedenkort Königstor. © Mareike HeihoffDie...

  • 3 min read
Initiative verliert Räume und fürchtet um die Zukunft der Kasseler Gestapo-Zentrale

Stand: 25.09.2026, 08:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Müssen das Orbit verlassen: Anne Sperl und Conny Weckmann vom Vorstand des Vereins Gedenkort Königstor.

Laden zur letzten Ausstellung: Anne Sperl (links) und Conny Weckmann vom Vorstand des Vereins Gedenkort Königstor. © Mareike Heihoff

Die „Initiative Gedenkort Polizeipräsidium Königstor“ muss ihren Standort bis Ende November räumen. Sie fürchtet, dass das historische Gebäude nebenan verkauft wird.

Kassel – Für die „Initiative Gedenkort Polizeipräsidium Königstor“ ist es die letzte Ausstellung, die sie in ihren Räumlichkeiten im Orbit eröffnet. Denn das Gelände der Tankstelle, die nach Einschätzung der Initiative aus den 1950er-Jahren stammt, soll bebaut werden. Für die Initiative, die sich um einen Gedenkort für das ehemalige Polizeipräsidium bemüht, bedeutet das, dass sie diesen Ort im Königstor 33 bis Ende November geräumt haben muss. Zudem befürchtet sie, dass ihre Führungen im Polizeipräsidium nicht mehr stattfinden können. „Da ist eine große Unsicherheit bei uns“, sagt Anne Sperl vom Vorstand.

Hintergrund sei, dass sich die Zuständigkeit des Gebäudes ändert: Statt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft soll es vom Hessischen Innenministerium verwaltet werden. Dann kehre das Gebäude aus den Baujahren 1904 bis 1907, das von 1933 bis 1938 als zentraler Sitz der Gestapo genutzt wurde, an den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zurück. Das bestätigen LBIH und Hessen Kassel Heritage (HKH). LBIH werde die weitere Verwendung prüfen, „über die Nachnutzung der unter Denkmalschutz stehenden Liegenschaft ist noch nicht entschieden“, heißt es auf Anfrage.

Nachnutzung des ehemaligen Polizeipräsidiums noch unklar

„Wir fürchten, dass es veräußert wird“, sagt Architektin Conny Weckmann, ebenso im Vorstand der Initiative, „am schönsten wäre, wenn es öffentlich bliebe oder zumindest die Ermöglichung von dauerhafter politischer Bildung mit weiterer vertraglicher Nutzung für eine Gedenkstätte gewährleistet wird.“ Während der nächsten documenta sieht die Initiative es als Chance, Teile des Gebäudes für ein internationales Publikum zu öffnen. Konkrete Pläne gibt es bisher nicht.

Für den Verein ist das Präsidium ein „unglaublicher Schatz“. Bis heute sind die Gewahrsamszellen, die teilweise noch bis 1999 von der Polizei genutzt wurden, und die damalige Wohnung des Polizeipräsidenten erhalten. Während des Nationalsozialismus wurden Juden und politische Gefangene in den Zellen inhaftiert. Die Initiative ist besorgt, dass das Gebäude nicht mehr für politische Bildung zur deutschen NS-Vergangenheit genutzt werden könne, und historische Zeugnisse verloren gehen könnten: „Es muss in den Zellen noch verdeckte Inschriften geben, die restauratorisch freigelegt werden könnten“, sagt Weckmann. Doch das koste Geld, ebenso wie die Instandhaltung des alten Gebäudes.

Studentisches Wohnen in altem Polizeipräsidium zu teuer

Daher scheiterte Anfang des Jahres die Idee des Studierendenwerks, hier studentisches Wohnen anzusiedeln, das sei nicht wirtschaftlich. Seitdem die Polizei das Gebäude 1999 verlassen hat, wird es nur noch interimsweise genutzt. Das Staatstheater hatte hier Büro- und Werkstattflächen. Derzeit nutzt die HKH die Immobilie als Depot für Ausstellungsstücke, die künftig im Tapetenmuseum gezeigt werden sollen. Dieses soll nach einer Verzögerung im Herbst 2027 eröffnen.

Für die „Initiative Gedenkort Polizeipräsidium Königstor“ ist die Zukunft ungewiss, einen Alternativort gibt es bisher nicht. Die Tankstelle selbst muss sie verlassen, diese steht – im Gegensatz zum Polizeipräsidium – nicht unter Denkmalschutz. Für das Gelände hat der Eigentümer nun Pläne. Die Stadt Kassel hat für die Errichtung eines Wohn- und Geschäftsgebäudes mit 13 Wohneinheiten grünes Licht gegeben. Es heißt: „Die Schließung der Baulücke ist städtebaulich gewünscht und entspricht dem historischen Zustand des Grundstückes.“ Da es hier keinen Bebauungsplan gebe, sei der Eigentümer nicht verpflichtet, Sozialwohnungen zu bauen. Auf eine Kontaktanfrage hat dieser nicht geantwortet.