„Verdacht des Betrugs“: Deutscher Autozulieferer insolvent, 552 Jobs in Gefahr – Investor versprach Millionen

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„Verdacht des Betrugs“: Deutscher Autozulieferer insolvent, 552 Jobs in Gefahr – Investor versprach Millionen

Stand: 16.09.2026, 13:59 Uhr

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Der deutsche Automobilzulieferer Paragon musste Insolvenz anmelden. Ausbleibende Zahlungen eines Investors reißen eine plötzliche Finanzierungslücke.

Delbrück – Zwölf Millionen Euro – schriftlich zugesagt, vertraglich fixiert, aber nie überwiesen. Für den Automobilzulieferer Paragon aus dem ostwestfälischen Delbrück hat das nun dramatische Konsequenzen. Am 7. September 2026 stellte die paragon GmbH & Co. KGaA beim Amtsgericht Paderborn Insolvenzanträge für sich selbst und zwei Töchter – die Paragon electronic GmbH und die Paragon movasys GmbH. Schwere Vorwürfe stehen im Raum.

Auf einem Rolls-Royce Phantom II aus dem Jahr 1931 ist die Kühlerfigur Emily zu sehen.

Die berühmte Rolls-Royce-Kühlerfigur „Emily“ wird ebenfalls vom Autozulieferer Paragon gefertigt. (Symbolbild) © Uli Deck/dpa

Auslöser der Insolvenz ist das Scheitern einer millionenschweren Investition. Seit Ende November 2025 hatte Paragon laut einer Pressemitteilung des Unternehmens mit dem indischen Investor Tejascore Techsystems Inc. verhandelt. Am 19. Juni 2026 unterschrieben demnach beide Seiten ein verbindliches Termsheet: Fünf Millionen Euro sollten bis Ende Juni fließen, weitere sieben Millionen bis Ende Juli. „Ferner sollte ein weiteres Darlehen über sechs Millionen Euro auf ersten Abruf bereitgestellt werden“, heißt es laut der Mitteilung weiter.

Deutscher Autozulieferer Paragon insolvent: Investor versprach Millionen – „Verdacht des Betrugs“

Besonders brisant: Nach Unternehmensangaben stellten sich die vom Tejascore-Geschäftsführer behaupteten Finanzmittel von über 100 Millionen US-Dollar als nicht existent heraus. Das Geld hätte offenbar erst über einen gescheiterten Börsengang in New York beschafft werden sollen. Die Anwälte des Autozulieferers gehen inzwischen von arglistiger Täuschung aus. „Es besteht der Verdacht des Betrugs“, schreibt das Unternehmen.

Paragon-Gründer und Geschäftsführer Klaus Dieter Frers zeigte sich erschüttert: „Ich bin extrem enttäuscht von dem potenziellen Partner, der am Ende nur leere Versprechungen gemacht hat.“ Durch die ausbleibenden Zahlungen konnte Paragon „Zusagen, die im Rahmen von Vereinbarungen mit den Lieferanten getroffen wurden, nicht einhalten und muss daher Insolvenz beantragen“, teilte das Unternehmen weiter mit. Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt wieder und erreicht den höchsten Wert seit 2013.

Autozulieferer Paragon insolvent: 552 Jobs in Gefahr – berühmte Kühlerfigur betroffen

Von der Paragon-Insolvenz betroffen sind insgesamt 552 Beschäftigte an sechs deutschen Standorten: Delbrück, Suhl, Landsberg am Lech, Limbach, Nürnberg und St. Georgen. Den größten Brocken trägt Suhl in Thüringen: Mehr als 250 Menschen arbeiten dort für den Zulieferer – ihre Zukunft ist ungewiss.

Am Standort Landsberg am Lech hängt zudem ein prominentes Schicksal an der Insolvenz: Dort fertigt Paragon movasys die „Spirit of Ecstasy“ – die legendäre „Emily“-Kühlerfigur, die auf jeder Rolls-Royce-Motorhaube thront und auf Knopfdruck im Kühlergrill verschwindet. Auch dieser Auftrag für die BMW-Luxustochter steht nun auf der Kippe.

Paradoxe Lage: Paragon steht operativ nicht schlecht da – fehlende Zahlung reißt Lücke

Das Paradoxe an der Lage: Paragon steht operativ nicht schlecht da. Das Unternehmen meldete für 2025 einen Umsatz von rund 110 Millionen Euro, ein positives Konzernergebnis und einen Rekord-Auftragseingang. Die Verschuldung wurde in den vergangenen Jahren laut eigenen Angaben um mehr als 64 Prozent gesenkt. Es fehlt schlicht das kurzfristige Geld für fällige Lieferantenrechnungen. Laut eigener Einschätzung wäre der Konzern ohne den Finanzierungsausfall bis Ende 2028 durchfinanziert gewesen.

Löhne und Gehälter sind vorerst über das Insolvenzgeld gesichert. Die ausländischen Töchter in Kroatien und China sind laut der Pressemitteilung nicht betroffen. Es ist nicht das erste Mal, dass Paragon in einer Krise steckt: Bereits 2009 meldete das Unternehmen laut MDR während der weltweiten Finanz- und Automobilkrise eine Planinsolvenz an – und überstand sie. (Quellen: Pressemitteilung Paragon, t-online, MDR) (ph)