Iran ist überall: So spüren Clariant, Bucher und Holcim den Krieg – oder entkommen ihm

Iran ist überall: So spüren Clariant, Bucher und Holcim den Krieg – oder entkommen ihmChemie, Erntemaschinen, Zement: Die Ölkrise trifft viele Branchen auf ihre eigene Art. Drei Schweizer Unternehmen zeigen, wa...

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Iran ist überall: So spüren Clariant, Bucher und Holcim den Krieg – oder entkommen ihm

Iran ist überall: So spüren Clariant, Bucher und Holcim den Krieg – oder entkommen ihm

Chemie, Erntemaschinen, Zement: Die Ölkrise trifft viele Branchen auf ihre eigene Art. Drei Schweizer Unternehmen zeigen, was passieren kann.

01.08.2026, 06.17 Uhr

4 Leseminuten


Buchers Ernte schrumpft: Wegen hoher Treibstoffkosten kaufen Bauern weniger Fahrzeuge des Landmaschinenherstellers.

Buchers Ernte schrumpft: Wegen hoher Treibstoffkosten kaufen Bauern weniger Fahrzeuge des Landmaschinenherstellers.

PD

Seit fünf Monaten verhindert der Iran-Konflikt einen Grossteil der Exporte von Erdöl und Erdgas aus der Golfregion. Doch während die Welt auf den Preis für Rohöl fixiert ist, geht es um viel mehr – denn niemand schüttet reines Rohöl in seinen Tank. Aus dem Nahen Osten stammen viele verschiedene Produkte auf Basis von Öl und Gas.

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Anhaltende Knappheit und hohe Preise können sich ganz unterschiedlich auswirken. Es gibt viele mögliche Probleme, aber auch Lösungen. Das zeigen die Beispiele von drei Schweizer Unternehmen.

1. Clariant: Lahmgelegte Kunden kaufen nichts

Clariant mit Sitz in Muttenz ist einer der weltweit wichtigsten Anbieter von Spezialchemikalien. Der Konzern stellt unter anderem Katalysatoren her. Das sind Stoffe, die eine chemische Reaktion beschleunigen oder ermöglichen. Diese Mittel werden in Industrieanlagen eingesetzt, um zum Beispiel Kunststoffe zu produzieren – und dieses Plastik basiert auf Erdöl und anderen Vorprodukten, die aus Öl hergestellt werden.

Nicht nur etwa ein Fünftel des weltweiten Rohöls wurde vor dem Krieg durch die Strasse von Hormuz exportiert, sondern auch ein ähnlicher Anteil petrochemischer Produkte. Nach der Sperrung der Meerenge erhielten viele von Clariants Kunden nicht genug Rohstoffe und mussten die Produktion drosseln. Damit waren auch Katalysatoren weniger gefragt: Clariants Verkäufe brachen im zweiten Quartal um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein, wie der Konzern am Freitag mitteilte.

Damit nicht genug: Clariant unterhält Werke unter anderem in Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Sie mussten ihre Arbeit wegen der Kampfhandlungen zeitweise einstellen. Immerhin wurden sie nicht beschädigt; alle 150 Mitarbeiter sind wohlauf. Mittlerweile ist die Fertigung wieder angelaufen. Aber auch die Kunden in der Golfregion müssen erst wieder loslegen.

Der Clariant-CEO Conrad Keijzer erwartet, dass die Nachfrage nach Katalysatoren im zweiten Halbjahr wieder wächst. In manchen Regionen, etwa China, Indien und Südkorea, hat die Erholung bereits eingesetzt. Den Einbruch konnte Clariant bisher mit Zuwächsen in anderen Geschäftsbereichen kompensieren: Der Gesamtumsatz schrumpfte im zweiten Quartal nur leicht auf 941 Millionen Franken, der Betriebsgewinn (Ebitda) stieg sogar auf 142 Millionen Franken.

Doch die Iran-Krise ist nicht ausgestanden: Clariant will vorsorglich zusätzliche 20 Millionen Franken einsparen, um mögliche künftige Einbussen abzufedern. Denn der kurzfristige Einbruch der Nachfrage nach Katalysatoren ist nur eine Sache, wie der Firmenchef Keijzer gegenüber Journalisten erläuterte.

Das länger anhaltende Problem dürften stark gestiegene Preise für Ölprodukte sein, denn die Raffineriekapazitäten blieben beschränkt, sagte der CEO. Auch Clariant kauft solche petrochemischen Vorprodukte ein und will die höheren Kosten weiterhin durch Preiserhöhungen weitergeben. Laut Keijzer sind die Kunden bisher bereit gewesen, das zu bezahlen.

2. Bucher: Diesel und Dünger belasten Bauern

Grosszügige Kunden hat nicht jeder. Das weiss der Industriekonzern Bucher aus Niederweningen. Die grösste Sparte von Bucher ist Kuhn, ein Hersteller von Landmaschinen. Doch die Bauern waren im ersten Halbjahr nicht in der Stimmung, neue Pflüge oder Erntemaschinen zu bestellen. Sie haben viele Probleme: Die Preise für viele landwirtschaftliche Produkte sind tief, das Wetter schmälert die Ernteaussichten – und auch Bauern spüren den Iran-Krieg.

Durch den Konflikt haben sich Diesel und synthetische Düngemittel, die mit Erdgas hergestellt werden, stark verteuert. Aus der Golfregion kam zuvor ein wichtiger Teil des weltweiten Angebots. Diesel ist der wichtigste Treibstoff für Landmaschinen, und ohne Dünger funktioniert kein moderner Ackerbau. Die Folge: Landwirte müssen mehr für die Erzeugung ihrer Produkte ausgeben, ihr Einkommen schwindet und damit ihr für Investitionen verfügbares Geld.

Bei Kuhn gingen im ersten Halbjahr rund ein Fünftel weniger Aufträge ein als im Vorjahreszeitraum. In Buchers übrigen Sparten nahmen die Bestellungen zwar zu, wie die Firma bereits am Donnerstag vermeldete. Doch Kuhn trug rund 40 Prozent zum Halbjahresumsatz von insgesamt 1,5 Milliarden Franken bei. Eigentlich hatte der Firmenchef Matthias Kümmerle für 2026 eine Erholung der Nachfrage eingeplant – jetzt geht er wegen «zunehmender politischer Unsicherheiten» von einem leicht tieferen Umsatz aus.

3. Holcim: Raus mit dem Öl aus der Produktion

Holcim sollte es einfacher haben als Bucher und Clariant. Die Produkte des grossen Herstellers von Zement und anderen Baustoffen haben wenig mit Öl und Ölprodukten zu tun – und die Bauherren auch nicht, sofern sie keine Raffinerie errichten möchten.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Um Zement herzustellen, sind sehr hohe Temperaturen erforderlich. In grossen Öfen werden Ton, Mergel und Kalkstein bei mehr als 1400 Grad zersetzt. So entstehen Zementklinker, die zu Zement gemahlen werden.

Das Problem: Diese hohen Temperaturen werden traditionell durch das Verbrennen von Schweröl und anderen fossilen Stoffen erreicht. Das macht Energie zu einem potenziell gefährlichen Kostenblock (und Zement zu einem Klimakiller). Doch bei Holcim sollen fossile Brennstoffe aus der Produktion verschwinden. Stattdessen setzt der Zementriese in immer mehr Werken auf die Verbrennung von Abfällen, zum Beispiel Resten von Industriekunststoffen, Altreifen oder Klärschlamm.

Mittlerweile werden 70 Prozent des Energiebedarfs in Holcims Zementwerken in Europa aus solchen alternativen Quellen gedeckt. Vor fünf Jahren waren es weniger als 50 Prozent, bis 2030 sollen es 90 Prozent sein.

Auch im Rest der Welt soll der Anteil steigen, denn die Kosten sinken mit alternativen Brennstoffen erheblich, wie der CEO Miljan Gutovic am Freitag gegenüber Journalisten erklärte. Oft werde Holcim sogar dafür bezahlt, den Müll entgegenzunehmen. Die Kreislaufwirtschaft steigere die Gewinnmargen, deshalb hat sie laut Gutovic Priorität.

Leider fahren Holcims Lastwagen nicht mit Abfall. Für den Konzern mit Sitz in Zug sind weltweit täglich rund 60 000 Trucks unterwegs. Die gestiegenen Dieselpreise gibt das Unternehmen an die Kunden weiter, aber die grundsätzlich hohen Kosten für die Logistik der schweren Baustoffe stören den Firmenchef. Gutovic hofft, die Abläufe nicht zuletzt mit KI zu optimieren.

Eine Fixierung auf Kosten kann sich auszahlen: Holcims Umsatz kletterte im ersten Halbjahr auf 7,9 Milliarden Franken, aber der wiederkehrende Betriebsgewinn (Ebit) erreichte überraschend hohe 1,4 Milliarden Franken. Der Nahe Osten trägt weniger als 2 Prozent zum Umsatz bei. Holcim hob die Geschäftsziele für das Gesamtjahr an.

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