Irres Spiel um Platz 3: England bezwingt Frankreich und holt sich WM-Bronze

In einem historischen kleinen Finale hat Thomas Tuchel seine Kritiker mit dem besten englischen WM-Ergebnis seit dem Triumph 1966 zumindest teilweise gekontert und Frankreichs Didier Deschamps einen siegreichen...

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Irres Spiel um Platz 3: England bezwingt Frankreich und holt sich WM-Bronze

In einem historischen kleinen Finale hat Thomas Tuchel seine Kritiker mit dem besten englischen WM-Ergebnis seit dem Triumph 1966 zumindest teilweise gekontert und Frankreichs Didier Deschamps einen siegreichen Abschied verwehrt. Die Three Lions gewannen das Spiel um Platz drei in Miami gegen Kylian Mbappé und Co. mit 6:4 (4:0) und sorgten für einen spektakulären vorletzten WM-Abend.

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England's forward #09 Harry Kane celebrates with his medal after winning the 2026 World Cup football tournament third-place match between France and England at the Miami Stadium in Miami on July 18, 2026.  (Photo by ROBERTO SCHMIDT / AFP)

Vor 64.478 Fans im Stadion von Miami legten Declan Rice (3. Minute), Ezri Konsa (18.) und Bukayo Saka (37./45.+1) schon vor der Halbzeit so vor, dass das Spiel eigentlich bereits entschieden war.

Doch so einfach gab sich Frankreich nicht geschlagen. Mbappé (48./66.) mit einem Doppelpack und Bradley Barcola (54.) brachten Frankreich bis auf ein Tor heran. Saka (87.) traf per Foulelfmeter zum 5:3, der Treffer von Ousmane Dembélé (90.+6) sorgte noch einmal für Spannung, ehe Jude Bellingham mit dem zehnten Tor der Partie alle Zweifel beseitigte (90.+8). Der bronzene Abschluss dieser wilden WM-Reise hatte Thomas Tuchel nochmal alles abverlangt. „Es ist schwierig, das reicht für vier Spiele“, sagte Englands Nationaltrainer nach dem wilden Spiel. „Massives Kompliment für die Mentalität“, sagte Tuchel: „Das war absolut brillant.“

Die Eröffnung zum Torspektakel: Declan Rice trifft zum 1:0 für England.

Die Eröffnung zum Torspektakel: Declan Rice trifft zum 1:0 für England. © AFP | Schmidt

Durch seine beiden Tore kommt Mbappé nun auf 22 WM-Tore und überholte damit Lionel Messi in der ewigen Bestenliste. Mit den Treffern neun und zehn liegt er auch in der Torjägerliste dieser WM vorne. Der Argentinier kann im Finale gegen Spanien am heutigen Sonntag (21 Uhr deutscher Zeit/ZDF und Magenta TV) aber noch nachlegen, er steht bei acht Turnier-Toren und 21 WM-Treffern in seiner Karriere.

Buhrufe gegen England-Coach Tuchel

Vor dem Anpfiff bekam Tuchel einen Einblick, wie die Stimmung aktuell in England ist. Als am Ende der Verlesung der Mannschaftsaufstellung der Schwabe auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, waren zahlreiche Buhrufe deutlich vernehmbar. Die Zahl der englischen Fans war im Vergleich zu den vorangegangenen Spielen deutlich geringer. Das 1:2 nach langer Führung im Halbfinale gegen Argentinien ist noch lange nicht verdaut.

WM 2026 - Frankreich - England

In Hälfte zwei drehte Frankreich auf – allen voran Doppeltorschütze Kylian Mbappé.© dpa | Blackwell

Doch schon nach drei Minuten wurde die Stimmung besser. Rice eroberte den Ball an der Mittellinie, dribbelte ungehindert in die Nähe des Strafraums und schlenzte den Ball aus gut 20 Metern flach in die lange Ecke. Das Spiel hatte trotz der schwülen Hitze von Miami Tempo und zahlreiche Torszenen. Die sieben Wechsel im Vergleich zum Halbfinale auf beiden Seiten hinderten den Spielfluss nicht.

Rayan Cherki (11.) prüfte Englands Torhüter Dean Henderson und hatte eine der wenigen klaren Möglichkeiten in der demütigenden ersten Halbzeit für Frankreich. Mbappé (22.), der vor dem Spiel noch einen emotionalen Brief an Deschamps veröffentlicht hatte, versuchte es mit einem Schlenzer aus über 20 Metern – erfolglos.

England gelingt in Hälfte eins alles

Ganz anders die Three Lions, die Frankreichs hoch stehende Abwehr gnadenlos über die Außen auseinandernahmen. Das 2:0 von Saka (11.) wurde noch wegen Abseits aberkannt. Doch sieben Minuten später ließ Adrien Rabiot Konsa nach einer Ecke von Rice viel zu viel Platz, Kopfball, 2:0.

France v England: Bronze Final - FIFA World Cup 2026

Winkt den Fans mit Bronze-Medaille: Jude Bellingham, dem der Treffer zum Endstand gelang. © AFP | Mendes

Nach einem Konter im Zusammenspiel mit Marcus Rashford erhöhte Saka mit dem dritten Tor, obwohl das Duo mehrere Anläufe brauchte, um den Ball im Netz unterzubringen. In der Nachspielzeit bediente Eberechi Eze seinen Arsenal-Teamkollegen Saka traumhaft vertikal durch das Zentrum und das Halbzeit-Debakel war perfekt.

Deschamps versank mit rotem Kopf in seinem Stuhl, schickte mehrere Stars zum Aufwärmen. Ein 0:4 zur Halbzeit? Das hatte es für eine französische Nationalmannschaft zuletzt im April 1968 gegeben – in der EM-Qualifikation gegen Jugoslawien. „Sie sollten sich schämen. Ich habe Frankreich noch nie so schlecht spielen sehen“, sagte Dänemarks Torwart-Ikone Peter Schmeichel bei Fox.

Deschamps und die vier Wechsel

Deschamps wechselte gleich viermal in der Halbzeit. Die Stammspieler Ousmane Dembélé und Bradley Barcola kamen für die Offensive, Bayern-Star Dayot Upamecano und Lucas Digne sollte die Abwehr stabilisieren. Gefordert war aber vor allem die Offensive – und die legte direkt los.

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Mbappé übernahm mit seinem neunten Tor dieser WM die Führung in der Torjägerliste. Nur sechs Minuten später legte Barcola nach – und England wackelte gewaltig. Offensiv wurde das Tuchel-Team zunächst nur durch Standards auffällig. Torwart Mike Maignan (59.) rettete nach einer Rice-Ecke. Sechs Minuten später scheiterte Dembélé mit einem zu unplatzierten Abschluss, doch wenig später war Mbappé erneut zur Stelle und schob sich an Messi vorbei.

Umarmung zum Abschied: Der scheidende Nationaltrainer Didier Deschamps mit seinem Kapitän Mbappé.

Umarmung zum Abschied: Der scheidende Nationaltrainer Didier Deschamps mit seinem Kapitän Mbappé. © AFP | ROBERTO SCHMIDT

Frankreich drückte nun auf den Ausgleich. Michael Olise (75.) verfehlte diesen nur um Zentimeter. Englands Abwehr ließ sich nun immer wieder über die Außen ausspielen. Mbappé forderte nach 76 Minuten einen Elfmeter, der Schiedsrichter ließ aber weiterspielen. Strafstoß gab es dann auf der anderen Seite. Malo Gusto traf Djed Spence klar, Sako bekam vom eingewechselten Jude Bellingham den Ball übergeben und traf zum 5:3. Der erneute Anschlusstreffer von Dembélé sorgte nicht mehr für die Wende, stattdessen setzte Bellingham den Schlusspunkt.

Am Ende überwog auch bei Tuchel der Stolz über ein insgesamt erfolgreiches Turnier. „Wenn du siehst, wie diese Mannschaft kämpft, gibt das Energie“, sagte der 52-Jährige: „Wir sind so müde nach diesen letzten Wochen. Frankreich hatte einen Tag mehr Ruhe, musste weniger reisen. Ich habe mir Sorgen wegen der Körperlichkeit gemacht, aber ich hatte niemals Zweifel bezüglich der Mentalität.“

England mit Abschluss versöhnt

Matchwinner Bukayo Saka sprach von einem „verrückten Spiel“, das er mit drei Toren maßgeblich geprägt hatte. „Wir sind weiterhin enttäuscht, nicht im Finale zu sein. Aber wir haben einen guten Abschluss geholt“, sagte der Offensivspieler des FC Arsenal.

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Deschamps verabschiedete sich trotz der Niederlage in seinem letzten Spiel am Ende als gefühlter Sieger. „Es war ein wunderschönes Erlebnis, ein Abenteuer mit dieser Mannschaft, mit der wir acht Wochen zusammen verbracht haben“, sagte er nach dem Spiel: „Das ist die WM. Es ist wunderschön, es gibt nichts Schöneres.“

WM 2026 - Frankreich - England

England-Coach Thomas Tuchel konnte am Ende doch noch lachen: bei der Zeremonie zur Siegerehrung. © dpa | Rickett

Dass es im letzten Spiel nach 14 Jahren unter seiner Leitung nicht zu einem Sieg und WM-Bronze reichte, nahm der 57-Jährige sogar auf seine Kappe: „Dass wir es nicht geschafft haben, ist natürlich meine Schuld, wir hätten in der ersten Halbzeit mehr tun müssen.“ Die Enttäuschung, das Endspiel verpasst zu haben, sei natürlich da, aber: „Wir haben den Franzosen positive Emotionen bereitet.“

Sein Kapitän Mbappé fand die Niederlage „für den Trainer sehr schade“. Denn: „Wir wollten für ihn das Spiel gewinnen, ihm ein Geschenk machen“, sagte der 27-Jährige: „Aber leider hatte man in der ersten Halbzeit das Gefühl, dass wir ihn enttäuscht haben. Wir wollten ihm danke sagen, für alles, was er gemacht hat, aber dieses Spiel wird die Legende von Didier Deschamps nicht beschädigen.“ dpa