„Jachenau ist wie ausgestorben“: Straßensperrung hat begonnen – Gemeinde setzt auf Shuttlebusse

Die Staatsstraße 2072 in der Jachenau ist seit Montag für drei Wochen voll gesperrt. Vier Neunsitzer-Busse ersetzen die ausgefallenen Verbindungen – gefahren von Freiwilligen aus dem Dorf.

  • 4 min read
„Jachenau ist wie ausgestorben“: Straßensperrung hat begonnen – Gemeinde setzt auf Shuttlebusse

Stand: 22.09.2026, 06:32 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Die Arbeiten an der Staatsstraße 2072 haben begonnen. In der Nähe des Ortsteils Bäcker wurden die ersten Bäume gerodet.

Die Arbeiten an der Staatsstraße 2072 haben begonnen. In der Nähe des Ortsteils Bäcker wurden die ersten Bäume gerodet. © Martin Fichtner

Die ersten Bäume sind gerodet, jetzt sollen Fräsarbeiten starten: In der Jachenau hat die dreiwöchige Sperrung der Staatsstraße 2072 begonnen. Mit Shuttlebussen will die Gemeinde die Auswirkungen lindern.

Jachenau – In der Jachenau ist es am Montag (21. September) ernst geworden: Die angekündigten Bauarbeiten haben begonnen. Die voraussichtlich dreiwöchige Sperrung der Staatsstraße 2072 ist in Kraft. Mit viel Einsatz bemühen sich die Jachenauer, die Einschränkungen so weit es geht auszugleichen. Es ist ihnen gelungen, eigenständig einen Shuttleservice auf die Beine zu stellen, der die ausgefallenen Busverbindungen ersetzt.

Straßensperrung in der Jachenau ist in Kraft

Die Arbeiten an der Staatsstraße 2072 haben begonnen. In der Nähe des Ortsteils Bäcker wurden an der Flanke des Brunnenbergs die ersten Bäume gerodet.

An einem Hang des Brunnenbergs wurde am Montag (21. September) bereits kräftig ausgerodet. © Jos Gudelius

Seit Montagmorgen war der Jachenauer Bürgermeister Sepp Danner unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Die Jachenau ist wie ausgestorben, man sieht keinen, der unterwegs ist“, schildert er im Gespräch mit unserer Zeitung. In Leger habe er schon in der Früh einen Lkw aufgehalten, der in Richtung Jachenau einfahren wollte.

Iska und Bauern nutzen Gelegenheit

Reges Treiben herrschte in den zwei Bereichen, in denen gearbeitet wird. „Am Sportplatz haben die Rodungen angefangen, 100 Meter sind schon geschafft“, sagte Danner am Mittag. Wie berichtet errichtet das Staatliche Bauamt nahe dem Ortsteil Bäcker auf einer Länge von etwa 800 Metern einen Steinschlagschutzzaun am Brunnenberg. Außerdem steht auf vier Kilometern zwischen Leger und Raut eine Fahrbahnerneuerung an. „Hier wird gerade alles hergerichtet, damit am Dienstag mit dem Abfräsen angefangen werden kann“, so Danner.

Die Gunst der Stunde nutzt überraschend auch das Tiefbauunternehmen Iska, um Leitungen für den Glasfaserausbau zu verlegen.

Die Gunst der Stunde nutzt überraschend auch das Tiefbauunternehmen Iska, um Leitungen für den Glasfaserausbau zu verlegen. © Sepp Danner

Dass die Staatsstraße von Leger bis zur Sportplatzeinfahrt in Wieden voll gesperrt ist, hat auch noch andere auf den Plan gerufen. Für die Gemeinde überraschend rückte am Montag das Tiefbauunternehmen Iska in Leger an, um Kabel für den Glasfaserausbau zu verlegen. Zudem nutzen laut Danner zwei Bauern die Gunst der Stunde, um bei Leger und Tannern Rodungen durchzuführen.

Gemeinde Jachenau setzt Shuttlebusse ein

Danner überzeugte sich auch, ob der von der Gemeinde organisierte Shuttleservice funktioniert. Dafür sind vier Neunsitzer-Busse im Einsatz. Einer davon gehört der Gemeinde, die anderen haben Andreas Danner, Jakob Kohlhauf und Anton Hartl zur Verfügung gestellt. Als Fahrer sind die ehemalige Schulbusfahrerin Anni Keller, deren Mann Sepp Keller, die Tochter und neue Schulbusfahrerin Regina Oswald sowie Dorfladen-Inhaber Peter Krauß im Einsatz. Rathaus-Geschäftsführer Felix Kellner und Bürgermeister Danner stehen als Ersatz parat.

Für einen Steinschlagschutzzaun werden an der Flanke des Brunnenbergs entlang der Staatsstraße Bäume gefällt.

Für einen Steinschlagschutzzaun werden an der Flanke des Brunnebergs entlang der Staatsstraße Bäume gefällt. © Sepp Danner

Der Tag beginnt mit einer Sonderfahrt um 7.15 Uhr für die von auswärts kommenden Lehrerinnen und das Kindergarten-Personal. Sie dürfen mit Erlaubnis von Langlaufhüttenbetreiber Balthasar Danner in Leger parken. Dort holt der Shuttlebus sie ab und bringt sie zu Schule und Kita nach Wieden – mittags werden sie wieder zurückgebracht. Außerdem ersetzt der Shuttlebus sämtliche wegfallenden Busverbindungen zwischen Lenggries und der Jachenau. Das sind täglich vier talauswärts und fünf taleinwärts. Die Shuttlebusse fahren laut Danner auf Privatwegen an der Baustelle vorbei. Für den restlichen Verkehr stehen diese Wege nicht zur Verfügung – außer in echten Notfällen.

Mit Gästekarte keine Maut am Walchensee

„Wenn wir hin- und herfahren, nehmen wir natürlich alle mit, die an Bushaltestellen oder auch mal zwischendrin zu Fuß unterwegs sind“, schreibt Danner in einer WhatsApp-Nachricht, die er über große Gruppen möglichst weit in der Gemeinde gestreut hat. „Wir bemühen uns, allen Kindern, Erwachsenen und Gästen mit unserem Shuttleservice in diesen drei Wochen der Sperrzeiten helfen zu können.“ Gleichzeitig wirbt der Bürgermeister um Verständnis für die Baumaßnahme. „Die Straße hat es mehr als nötig. Wir müssen auch froh sein, dass wir diese neue Straße bekommen.“

Besonders beschäftigt werden die Busfahrer sein, wenn um 13.15 Uhr der Schulbus aus Lenggries und um 14 Uhr der aus Bad Tölz ankommen. Dann gilt es laut Danner, bis zu 45 Kinder und Jugendliche Richtung Jachenau zu transportieren. Ein weiteres Angebot der Gemeinde: In der Bauzeit werden die zwölf Kindergartenkinder, die von Wieden aus talauswärts müssen, heimgefahren.

Frei befahrbar, aber lang ist die offizielle Umleitungsstrecke über das Walchensee-Südufer. Maut bezahlen müssen Jachenauer Bürger hier nicht – das gilt ohnehin das ganze Jahr über. In der Zeit der Straßensperrung ist die Benutzung außerdem für Urlaubsgäste mit Jachenauer Gästekarte frei. Den Jachenauern ist zudem ausnahmsweise die Benutzung der für den motorisierten Verkehr gesperrten Staatsstraße über Sachenbach und Urfeld erlaubt, wie Danner erklärt.