"Sunshine Girl" im Tiefsand: Warum Jeanette in einer Männerwelt ihren eigenen Weg fährt

Auf ihrer Motocross-Maschine steht in großen Buchstaben "Sunshine Girl“. Ein Name, der nach Sommer klingt – nicht nach aufgewühltem Sand, röhrenden Motoren und meterhohen Sprüngen. Sekunden später verschwindet ...

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"Sunshine Girl" im Tiefsand: Warum Jeanette in einer Männerwelt ihren eigenen Weg fährt

Auf ihrer Motocross-Maschine steht in großen Buchstaben "Sunshine Girl“. Ein Name, der nach Sommer klingt – nicht nach aufgewühltem Sand, röhrenden Motoren und meterhohen Sprüngen. Sekunden später verschwindet Jeanette Hauswirth in einer Staubwolke. Vor ihr liegt die Tiefsandstrecke des MSC Grevenbroich - eine der anspruchsvollsten Strecken in Deutschland.

Eine Frau zwischen Testosteron und Tiefsand

Die gefährlichste Strecke ist oft die im eigenen Kopf

Motocross ist ein Sport der Reflexe. "Man hat nur eine Millisekunde Zeit, um zu reagieren", sagt Jeanette. Vor jedem Sprung richtet sie sich auf den Fußrasten auf, presst das Motorrad zwischen die Knie. Arme, Rücken, Bauch – der ganze Körper arbeitet. Oben in der Luft gibt sie sogar noch einmal Gas, damit die Maschine sauber landet. Ein kleiner Fehler reicht für einen Sturz.

"Kinder denken darüber oft gar nicht nach", sagt sie. Erwachsene schon. "Mit 30 fährt der Kopf immer noch mit." Vielleicht kostet genau das manchmal Überwindung. Vielleicht macht genau das ihren Mut aus.

Hier lernen Kinder zuerst das Bremsen

Dass Mut und Leichtsinn zwei verschiedene Dinge sind, zeigt sich wenige Meter weiter. Der sechsjährige Paul zieht mit seinem Vater Dirk Dreesen Helm, Brustpanzer, Stiefel und Nackenschutz an. Erst dann darf der Motor gestartet werden. "Kinder unterschätzen Geschwindigkeit", sagt der Vater. Deshalb wird Sicherheit hier fast so ernst genommen wie das Fahren selbst. Auch bei Jeanette gehört vor jeder Runde der Blick auf Reifen, Bremsen und Fahrwerk dazu. Motocross lebt auch vom Risiko – aber nur, wenn man lernt, es zu beherrschen.

Hinter dem Lärm steckt eine erstaunlich leise Geschichte

Nach zwanzig Minuten steigt Jeanette vom Motorrad. Die Unterarme brennen. Der Helm ist voller Sand, das Gesicht verschwitzt. Sie schüttelt die Hände aus und lächelt. Gewonnen hat sie nichts. Und doch wirkt sie zufrieden. Vielleicht weil sie heute einen Sprung sauberer geschafft hat als letzte Woche. Vielleicht weil sie ihrem eigenen Kopf wieder ein Stück voraus war. Viele Besucher kommen nur zum Zuschauen ins Grevenbroicher "Loch". Andere buchen einen Schnupperkurs beim MSC Grevenbroich. Die meisten gehen mit dem Eindruck nach Hause, Motocross sei eine Welt voller Draufgänger. Wer Jeanette getroffen hat, nimmt etwas anderes mit: Manchmal ist der größte Mut nicht, besonders weit zu springen. Sondern überhaupt loszufahren.

Unsere Quelle:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, "Sunshine Girl" im Tiefsand, 04.08.2026, 18:31 Uhr