Jeder sechste Zug verspätet: Deutschland hat bei der Bahn den Anschluss verpasst
Wenn im Saarland inzwischen fast jeder sechste Nahverkehrszug verspätet ist, bestätigt die Statistik nur den Alltag vieler Fahrgäste. Verlässlichkeit ist bei der Bahn längst zum Prinzip Hoffnung geworden.
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Jeder sechste Zug verspätet Deutschland hat bei der Bahn den Anschluss verpasst
Meinung | Saarbrücken · Wenn im Saarland inzwischen fast jeder sechste Nahverkehrszug verspätet ist, bestätigt die Statistik nur den Alltag vieler Fahrgäste. Verlässlichkeit ist bei der Bahn längst zum Prinzip Hoffnung geworden.
07.09.2026 , 08:00 Uhr
Im Saarland ist jeder sechste Zug verspätet - im Rest der Republik sieht es kaum besser aus.
Foto: dpa/Christophe Gateau
Es gibt Statistiken, die beweisen eigentlich nur, was jeder schon wusste. Die jüngste zur von Jahr zu Jahr schlechter werdenden Pünktlichkeit der Züge hierzulande ist so eine. Wohl kaum jemand dürfte davon überrascht sein. Es ist schlicht der zahlgewordene Beleg: Deutschland hat bei der Bahn den Anschluss verpasst.
Verspätung ist zum Normalzustand geworden
Denn Verspätungen sind mehr als ein nerviges Übel. Es geht nie nur darum, dass ein Zug Verspätung hat. Sondern an diesem einen Zug hängen andere Züge, die es zu erwischen gilt, ganze Reiserouten. Verspätung ist in diesem Land zum Normalzustand geworden. Manch einer nimmt’s mit Ironie, manch einer mit Fatalismus, und die meisten sind einfach nur genervt. Was bleibt auch anderes übrig angesichts der aktuellen Verspätungsquoten im Saarland, wenn jeder sechste Zug zu spät kommt?
Würden ein Bekannter oder ein Geschäftspartner jedes sechste Mal zu spät kommen, man würde ihnen vermutlich Freundschaft oder Geschäftsbeziehung kündigen. Doch für diejenigen, die Bahn fahren müssen oder wollen, ist diese Beziehung nicht so einfach aufzukündigen. Dafür ist der Markt schlicht zu klein, Konkurrenz gibt es kaum.
Immerhin, es tut sich was. Die gute Nachricht: Das längst sprichwörtlich marode Schienennetz wird saniert. Die schlechte Nachricht: Die Infrastruktur ist wegen des falschen Geizes der Vergangenheit so verkommen, dass es Jahre und Jahrzehnte dauern wird, sie zu sanieren. Angesichts der Großbaustellen, die in den kommenden Jahren noch dazukommen sollen, ist die kurzfristige Perspektive in Sachen Pünktlichkeit mehr als düster. Und so bleibt vorerst das Prinzip Hoffnung, dass es irgendwann wieder besser wird. Und sind wir ehrlich: Für ein Land wie Deutschland ist das Prinzip Hoffnung bei einem der wichtigsten Verkehrsmittel, das auch noch Alternative zum Auto sein soll, ganz einfach peinlich.