Jesberger findet nach langer Suche einen Nachfolger für seine Hausarztpraxis
StartseiteLokalesFritzlar-HombergJesbergStand: 23.09.2026, 14:24 UhrKommentareUns auf Google folgenEin neues starkes Team: Dr. Philipp Boide (rechts) übernimmt zum 1. Oktober die Praxis von Dr. Christian Schmid...
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Stand: 23.09.2026, 14:24 Uhr
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Dr. Philipp Boide übernimmt die Praxis von Dr. Christian Schmidt-Weigand. Schon eine zweite junge Ärztin hat zugesagt – sie startet im November.
Jesberg – Falls Dr. Christian Schmidt-Weigand bislang nicht an Wunder geglaubt haben sollte: Er erlebt in diesen Monaten eines nach dem anderen. Der 63‑jährige Allgemeinmediziner aus Jesberg hatte bereits lange nach einem Nachfolger für seine Hausarztpraxis gesucht und auch schon fast die Hoffnung aufgegeben, als das erste Wunder geschah: Dr. Philipp Boide kam im Zuge einer Weiterbildung erst auf Zeit – und bleibt nun auf Dauer. Der 44-Jährige aus Bischhausen übernimmt am 1. Oktober die Praxis, Schmidt-Weigand bleibt als angestellter Arzt weiter tätig.
Dabei führte Philipp Boides Weg keineswegs direkt von Bischhausen ins nahe gelegene Jesberg, sondern über Stationen wie Leipzig, Marburg, Gießen und St. Gallen in der Schweiz. Dort stand Boide vor einer wegweisenden Wahl: Er hätte in der Schweiz bleiben oder in Deutschland die Facharztausbildung komplementieren können. Er entschied sich für Letzteres – und fand so den beruflichen Weg in die Jesberger Praxis.
Das zweite Wunder geschah: „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, sagt Schmidt-Weigand. Philipp Boide bestätigt das, nennt aber noch einen weiteren Aspekt: „Ich bin extrem dankbar, in Christian Schmidt-Weigand nicht nur einen guten Kollegen, sondern auch einen Mentor mit so viel Wissen und Erfahrung gefunden zu haben.“ Aus der Weiterbildung auf Zeit entstand eine Verbundenheit ohne Verfallsdatum.
Im vorigen September bestand Boide die Facharztprüfung, danach schufen die beiden Mediziner Fakten und brachten das bürokratische Verfahren für die Übergabe auf den Weg. Denn die ist für beide ein logischer Schritt: Der 63-jährige bisherige Inhaber übergibt seine Praxis an den jüngeren Kollegen, wechselt damit die Rolle und wird vom Chef zum Angestellten. Christian Schmidt-Weigand hat kein Problem damit: „Wir haben ein gutes, verjüngtes Team, der Betrieb geht weiter – das ist eine tolle Sache.“
Der alte Chef tritt ein Stück zurück, der neue lernt nun nach langer Krankenhauskarriere in der Hausarztpraxis eine komplett andere Patientenwelt kennen: „Hier geht es längst nicht nur um Krankheiten, sondern um den Menschen mit seiner ganzen Persönlichkeit“, sagt Boide. „Man lernt sich auf einer ganz anderen Ebene kennen, hat enge und beständige Kontakte.“ Und, was ihn berührt: „Man erhält in diesem Beruf so viel Wertschätzung.“ Die erfährt er, im Austausch mit den Patienten in der Praxis, aber auch bei Hausbesuchen im DRK-Seniorenzentrum Jesberg und auf dem Hofgut Richerode.
Das dritte Wunder heißt Katharina Steinbrecher. Die 33-jährige Ärztin war bislang in der Bad Zwestener Hardtwaldklinik tätig und arbeitet nun für die kommenden drei Jahre ebenfalls im Rahmen der Weiterbildung in der Jesberger Praxis mit. „Die Allgemeinmedizin war immer mein Ziel“, sagt Steinbrecher, die aus Gilserberg stammt und jetzt mit ihrer Familie in Bad Zwesten lebt. Die Entscheidung, die Praxiszeit ab November in Jesberg zu absolvieren, sei eine einfache gewesen: „Die Atmosphäre ist herzlich – ich werde hier mit offenen Armen empfangen“, sagt sie.
Vor vier Jahren hatte Christian Schmidt-Weigand noch keinerlei Idee, wie es mit seiner Hausarztpraxis weitergehen sollte, wenn er einmal ins Rentenalter kommen würde, sagt er. In diesen vier Jahren haben sich drei Wunder ereignet, er hat zwei junge Kollegen, eine deutliche Entlastung im Alltag und eine rundum gute Perspektive.
Philipp Boide ist nun mit seiner Frau, die er in der Schweiz kennengelernt hatte, und dem vierjährigen Sohn von St. Gallen nach Bischhausen gezogen. Eine große Umstellung für alle. „Meine Frau hat mir blind vertraut bei diesem Wechsel, sie ist einfach mit mir gegangen“, sagt Boide und lacht. Manchmal braucht es Wunder – und manches Mal einfach viel Vertrauen, damit die Dinge gut werden können.