Frankreich (Côte d’Azur): Hitze zwingt Bewohner zu radikalem Schritt
KI-Stimme. InfoDie Côte d’Azur galt lange als Inbegriff des mediterranen Lebens: Sonne, Meer, milde Winter. Generationen von Urlaubern und Zugezogenen zog es deshalb in den Süden Frankreichs. Doch ausgerechnet ...
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KI-Stimme. Info
Die Côte d’Azur galt lange als Inbegriff des mediterranen Lebens: Sonne, Meer, milde Winter. Generationen von Urlaubern und Zugezogenen zog es deshalb in den Süden Frankreichs. Doch ausgerechnet die Sonne, lange eines der stärksten Argumente für ein Leben am Mittelmeer, wird für manche Bewohner zunehmend zur Belastung – und sogar zum Anlass, die Region zu verlassen.

Eine aktuelle Untersuchung der Immobilienplattform Leboncoin zeigt, dass die Hitze inzwischen auch die Wahl des Wohnorts beeinflusst. Demnach erwägen 18 Prozent der Bewohner der besonders warmen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, kurz PACA, ernsthaft einen Umzug. In der deutlich kühleren Bretagne sind es dagegen nur 1,3 Prozent.
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Côte d’Azur: 37 Grad in der Wohnung treiben Bewohner zum Umzug
Was die Zahlen der Leboncoin-Studie zunächst abstrakt beschreiben, ist für Jennifer längst Realität. Die 44-Jährige war vor fünf Jahren mit ihrem Mann aus Bourgogne-Franche-Comté an die Côte d’Azur gezogen. Schon die Suche nach einer Wohnung sei schwierig gewesen, berichtete sie der Regionalzeitung „Nice-Matin“. Schließlich habe das Paar eine 40 Quadratmeter große Wohnung für 750 Euro im Monat gefunden.
Eine Klimaanlage hatte die Wohnung nicht. In den ersten Jahren sei das noch auszuhalten gewesen. Doch im Sommer 2026 kippte die Situation. Als die Temperatur in der Wohnung auf 37 Grad stieg, war für das Paar eine Grenze erreicht. „Jetzt reicht’s“, erinnert sich Jennifer an den Moment, in dem die Entscheidung fiel. Inzwischen haben sie und ihr Mann die Côte d’Azur verlassen.
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Hitze in Nizza: Schlaflose Nächte und ein eingeschränkter Alltag
Karine denkt noch über einen Umzug nach. Die 54-Jährige lebt in Nizza und spürt die Hitze vor allem nachts. Abends schiebe sie das Zubettgehen hinaus, weil sie bereits wisse, wie schwer ihr das Einschlafen fallen werde, berichtet sie „Nice-Matin“. Morgens wache sie müde auf. Das wirke sich auf ihre Stimmung, ihren Antrieb und zunehmend auch auf ihren Blick in die Zukunft aus.
Wie sehr sie die Entwicklung beunruhigt, macht Karine mit einem Satz deutlich: „Wir steuern nicht auf eine Wand zu, sondern auf einen Ofen.“ Auch ihr Alltag habe sich im Sommer grundlegend verändert. Spaziergänge, Wanderungen und Sport im Freien seien bei hohen Temperaturen kaum noch möglich. Selbst auf Strandbesuche verzichte sie zunehmend. Natürlich wisse sie, dass Hitze zum Leben am Mittelmeer gehöre. Doch inzwischen gehe es für sie längst nicht mehr um einen gewöhnlich heißen Sommer.
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Umzug wegen Hitzewellen: Für viele Franzosen wird das Klima zum Wohnfaktor
Die beiden Fälle stehen für eine Entwicklung, die weit über die Côte d’Azur hinausreicht. Für die Leboncoin-Studie „Canicule & Immobilier 2026“ wurden im Juni 1.752 Menschen in Frankreich befragt. 81 Prozent von ihnen gaben an, sich bei großer Hitze zumindest zeitweise in ihrer Wohnung unwohl zu fühlen.
Für einen Teil der Befragten geht es bereits um mehr als mangelnden Komfort. Sieben Prozent denken ernsthaft über einen Umzug wegen der Hitzewellen nach. Weitere 27 Prozent könnten einen Wohnortwechsel erwägen, sollten die Hitzeperioden häufiger oder intensiver werden. Damit kommt ein Umzug für insgesamt 34 Prozent grundsätzlich infrage.
Von einem massenhaften „Klima-Exodus“ will Nicolás García Benítez, Immobilienchef bei Leboncoin, dennoch nicht sprechen. Vielmehr entwickle sich das Klima allmählich zu einem Kriterium bei der Wahl des Wohnorts – neben klassischen Faktoren wie dem verfügbaren Budget oder der Nähe zum Arbeitsplatz. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei jungen Erwachsenen. Zwölf Prozent der 18- bis 24-Jährigen erwägen laut der Studie bereits ernsthaft, wegen der Hitze umzuziehen. Bei den über 65-Jährigen liegt der Anteil dagegen bei lediglich einem Prozent.
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Wohnorte in Frankreich: Kühlere Regionen werden durch Hitzewellen attraktiver
Gefragt nach einem angenehmeren Wohnort bei hohen Temperaturen, bevorzugen 42 Prozent der Befragten eine gemäßigte Küstenregion. 27 Prozent würden die Berge wählen, 18 Prozent den Norden Frankreichs. Damit rücken Gegenden stärker in den Fokus, deren kühleres Klima lange nicht unbedingt als besonderer Standortvorteil galt. Leboncoin nennt vor allem die Bretagne, die Normandie und die französische Atlantikküste. Auch die Alpen, die Pyrenäen und das Zentralmassiv könnten für Menschen interessanter werden, die der sommerlichen Hitze ausweichen wollen.
Der Wunsch nach Abkühlung verändert offenbar sogar den Blick auf Zweitwohnungen. Rund ein Viertel der Franzosen könnte sich laut der Untersuchung bei häufigeren Hitzewellen einen zweiten Wohnsitz in einer kühleren Region vorstellen.
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Doch der Wunsch nach einem kühleren Wohnort stößt schnell an praktische Grenzen. Laut Leboncoin nennen 51 Prozent der Befragten die Nähe zu Familie und Freunden als Grund, nicht umzuziehen. Für 45 Prozent spielt der Arbeitsplatz eine entscheidende Rolle, 43 Prozent fühlen sich ihrer Region eng verbunden. 39 Prozent nennen finanzielle Gründe.
Gerade dieser letzte Wert fällt auf: Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil laut Leboncoin um sieben Prozentpunkte gestiegen. Nicolás García Benítez sieht darin ein wachsendes Problem. Es gehe weniger um eine plötzliche Abwanderung aus heißen Regionen als um die Frage, wer überhaupt die Möglichkeit hat, seinen Wohnort an steigende Temperaturen anzupassen.