Joav Segalovitz, der "Schabbes-Jude", der nicht nach der Religion fragt

Kopf des Tages Joav Segalovitz, der "Schabbes-Jude", der nicht nach der Religion fragt Ein jüdischer Israeli lässt sich für eine Partei der arabischen Minderheit aufstellen. Seine Kandidatur könnte die...

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Joav Segalovitz, der "Schabbes-Jude", der nicht nach der Religion fragt

Kopf des Tages

Joav Segalovitz, der "Schabbes-Jude", der nicht nach der Religion fragt

Ein jüdischer Israeli lässt sich für eine Partei der arabischen Minderheit aufstellen. Seine Kandidatur könnte die Parlamentswahl im Herbst spannend machen

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Maria Sterkl

Zwei Männer stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera, während einer die Hand hebt. Im Hintergrund ist eine Wand mit arabischen und hebräischen Schriftzeichen zu sehen. Mehrere Mikrofone und Personen befinden sich im Vordergrund.
Der Vorsitzende der arabisch-israelischen Partei Ra'am (Vereinigte Arabische Liste), Mansour Abbas (rechts), und der israelische Politiker und ehemalige Vize-Polizeiminister joav Segalovitz (links) bei der Bekanntgabe. Die beiden wollen beweisen, dass eine jüdisch-arabische Partnerschaft keine Illusion ist.

Parteiwechsel sind in der israelischen Politik ganz alltäglich. Dennoch sorgte dieser Absprung bei der Mitte-Partei Jesh Atid auch in Israel für große Augen: Joav Segalowitz, ein Polizeioffizier und erfahrener Politiker, wechselt zur islamisch geprägten Partei Raam. Er ist der erste und einzige Jude bei der arabischen Liste – und er landet auf dem zweiten Listenplatz, gleich hinter Parteichef Mansour Abbas.

Segalowitz findet sich nun in einer konservativen Partei mit islamischen Wurzeln wieder. Warum er das tut? Er wolle "eine echte politische Brücke bauen", sagt der 65-Jährige Vater drei erwachsener Kinder, der in Tel Aviv lebt. "Gerade jetzt, wo es eine so starke soziale Polarisierung zwischen Juden und Arabern gibt", brauche es eine solche Allianz.

Das klingt programmatisch, ist aber auch pragmatisch. In der neuen Partei hat Segalowitz, was ihm in seiner alten Heimat Jesh Atid verwehrt blieb: gute Aussichten auf ein Ministeramt.

Erfolgreicher Polizeiminister

Erfahrungen konnte Segalowitz bereits vor vier Jahren als stellvertretender Polizeiminister sammeln, und er leistete Beachtliches: In nur 18 Monaten gelang es ihm, die Mafia-Kriminalität im arabischen Sektor zu lindern.

"Er ist ein Polizist, der sein ganzes Leben lang Kriminellen die Stirn geboten hat, ohne nach ihrer Religion zu fragen", lobt Mansour Abbas seinen Neuzugang, von dem aber auch Segalowitz' frühere Partei profitiert: Jesh Atid steckt nun in einem Wahlbündnis, das nur mit zionistischen Parteien koalieren will. Eine Koalition mit Raam wäre also ausgeschlossen. Nun hat Raam mit Segalowitz aber einen deklarierten Zionisten als Nummer zwei, eine Kooperation wäre quasi koscher.

Nicht umsonst wird Segalowitz in der israelischen Polit-Szene bereits scherzhaft "Schabbes-Jude" genannt – in Anlehnung an den Schabbes-Goi, jenen Nicht-Juden, der im frommen jüdischen Haushalt alle Arbeiten erledigt, die den Juden am Ruhetag Schabbat untersagt sind.

Segalowitz ist ein Sitz im Parlament so gut wie sicher. Er hat sich ausverhandelt, dass er sich nicht an die Parteilinie halten muss, wenn es etwa um Verteidigungsfragen geht. Als Sicherheitsminister würde er auf den Rechtsextremen Itamar Ben Gvir folgen, der in einigen Ländern auf der Sanktionsliste steht. In Europa würde der Brückenbauer Segalowitz wohl mit offenen Armen empfangen werden. (Maria Sterkl, 1.9.2026)

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