Jüdische Kantorin von Gottesdienst in der Gedächtniskirche ausgeladen: Jahrelanger Streit in der jüdischen Gemeinde flammt wieder auf
In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin soll es einen Gedenkgottesdienst für die Opfer des 7. Oktober geben. Überschattet wird er von der Ausladung von Avitall Gerstetter, die bei der Veranstaltung singen wollte.
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Inmitten der Berliner Antisemitismusdebatte soll es ein starkes Signal werden: Mit einem Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wollen der evangelische Landesbischof Christian Stäblein, der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, der jüdische Rabbiner Andreas Nachama und der im „House of One“ mitwirkende Imam Kadir Sanci an die Opfer des Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober erinnern.
Im Gottesdienst soll ein gemeinsamer Friedensappell stattfinden, teilte die multireligiöse Stiftung „House of One“ am Montag mit. „Gemeinsam wollen wir ein Zeichen des friedlichen Miteinanders senden“, erklärte der jüdische Rabbiner Andreas Nachama. „Solange im Heiligen Land unserer drei Religionen, solange in der gesamten Region, von Libanon bis Gaza, von Teheran bis Tel Aviv bis Teheran, nicht Frieden herrscht, wird auch in anderen Teilen der Welt weiter Hass auf die Straßen getragen werden, auch bei uns Deutschland, auch hier in Berlin.“
Auch politische Prominenz wird deswegen zum Gedenkgottesdienst erwartet: Die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld (CDU), und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) haben ihre Teilnahme bereits angekündigt.
Eine allerdings wird am Mittwoch nicht in der Gedächtniskirche dabei sein. Die jüdische Kantorin Avitall Gerstetter, die im Zusammenhang mit dem 7. Oktober selbst einen Cousin verloren hatte, sollte ursprünglich auf besondere Einladung von Bischof Christian Stäblein im Gottesdienst singen. Doch dann wurde sie von Stäblein wieder ausgeladen. Dies geschah, so Gerstetter, „nachdem Rabbiner Andreas Nachama interveniert hatte.“

© Thilo Rückeis TSP
Zwischen der Kantorin und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gab es vor einigen Jahren einen Rechtsstreit, den Gerstetter gewann. Anlass waren Äußerungen der Kantorin zum wachsenden Einfluss von Konvertiten in den jüdischen Gemeinden. Unter der Oberfläche schwelt der Streit aber bis heute fort. „Das Bischofsbüro hatte ohne Rücksprache mit mir eine jüdische Liturgin eingeladen“, sagte Rabbiner Andreas Nachama am Montag auf Anfrage. „Ich behalte mir vor, in Gottesdiensten, an denen ich beteiligt bin, selbst die jüdischen Liturgen zu bestimmen.“
Sprecher des katholischen Erzbistums Berlin und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) wollten den Vorgang auf Anfrage nicht weiter kommentieren. „Wir bedauern die Art und Weise der Absage, wollen uns aber nicht weiter äußern“, sagte eine Sprecherin der EKBO. Ein „Zeichen des Friedens“ jedenfalls scheint der Umgang der Beteiligten untereinander eher nicht zu sein.