Mit Deckeln und Korken gegen K.o.-Tropfen: "Hingucker:innen" machen Haaner Kirmes sicherer

Wenn es auf der Kirmes ab Freitag voll wird, sind auch die "Hingucker:innen"-Teams unterwegs. Immer zu zweit, mit leuchtenden Warnwesten. Sie werden Jugendliche ansprechen und wollen vor allem eines: aufmerksam...

  • 4 min read
Mit Deckeln und Korken gegen K.o.-Tropfen: "Hingucker:innen" machen Haaner Kirmes sicherer

Wenn es auf der Kirmes ab Freitag voll wird, sind auch die "Hingucker:innen"-Teams unterwegs. Immer zu zweit, mit leuchtenden Warnwesten. Sie werden Jugendliche ansprechen und wollen vor allem eines: aufmerksam machen auf die Gefahr durch K.o.-Tropfen. Und wie man sich davor schützen kann.

Denn im schlimmsten Fall endet eine fröhliche Feier als Albtraum. Wenn Täter K.o.-Tropfen einsetzen, um ihre Opfer zu betäuben und anschließend auszurauben oder zu vergewaltigen.

Mit Warnwesten und kleinen Helfern unterwegs

Eine Frau mit langen blonden Haaren, bekleidet mit einer neongrünen Warnweste, im Hintergrund stehen Kirmesbuden.
„Wir haben in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, das jedes Mal bei unserem Projekt, junge Menschen erzählen, dass sie selbst oder ihre Freunde Opfer von K.o.-Tropfen geworden sind.“ "Hinguckerin" Simona Berkholz

"Kondom“ fürs Glas

Mit dabei haben die Teams verschiedene kleine Hilfsmittel. Dazu gehören beispielsweise Abdeckungen für Trinkgläser, passende Strohhalme, die durch diese Abdeckung gesteckt werden, Silikonkorken für Flaschen, und: einen Flaschenöffner.

Prävention gehört zur Kirmes dazu

Die Aktion gibt es in Haan bereits seit einigen Jahren. Sie ist Teil der städtischen Arbeit zum Schutz vor sexualisierter Gewalt und richtet sich besonders an Jugendliche. Die Idee dahinter: nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist, sondern möglichst vorher informieren. Die Mitarbeiter sollen deshalb nicht nur Material verteilen, sondern mit Jugendlichen ins Gespräch kommen.

Und wenn nicht gerade Kirmes ist, dann gehen sie mit ihrem Präventions-Projekt auch an die Haaner Schulen.

Härtere Strafen für die Täter

Während auf der Kirmes die Prävention im Mittelpunkt steht, geht es im Bundestag um die andere Seite des Problems: die möglichen Konsequenzen für Täter. Das Parlament beschäftigt sich mit einem Gesetzentwurf der Bundesregierung, der den Einsatz von K.o.-Tropfen bei schweren Straftaten strafrechtlich schärfer erfassen soll.

Es geht um Fälle, in denen solche Substanzen eingesetzt werden, um dann eine Vergewaltigung oder einen Raub zu ermöglichen. In besonders schweren Fällen soll eine Mindeststrafe von fünf Jahren gelten. K.o.-Tropfen sollen dafür rechtlich einem gefährlichen Werkzeug beziehungsweise einer Waffe gleichgestellt werden.

Strafe allein soll das Problem nicht lösen

Ähnlich also, wie es etwa bei Straftaten wie Raub bereits der Fall ist: Ein bewaffneter Raub wird härter bestraft, als ein Raub ohne Waffe. Eine Initiative, die auch "Hinguckerin" Simona Berkholz für unbedingt nötig hält.

Eine Frau mit langen blonden Haaren, bekleidet mit einer neongrünen Warnweste, im Hintergrund stehen Kirmesbuden.
„Ich denke K.o.-Tropfen sollten wie eine Waffe gesehen werden. Sie schalten den Menschen aus und er hat keinen freien Willen mehr. Das sollte auf jeden Fall härter bestraft werden.“ "Hinguckerin" Simona Berkholz

Gleichzeitig macht Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) deutlich, dass eine Verschärfung des Strafrechts aus ihrer Sicht nur ein Teil der Lösung ist. Ebenso wichtig seien Aufklärung und Prävention.

Ohne die "Hingucker" geht es nicht

Und damit treffen sich die beiden Ansätze aus Haan und Berlin: Während der Bundestag über härtere strafrechtliche Konsequenzen diskutiert, versuchen die "Hingucker:innen“ direkt vor Ort, Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren.

Wenn am Freitag die Haaner Kirmes beginnt, gehören die Präventionsteams deshalb wieder zum Bild auf dem Festplatz – mit Warnwesten, Informationen und ganz praktischen Tipps zum Schutz vor K.o.-Tropfen.

So schützt ihr euch vor K.o.-Tropfen

  • Seid nicht alleine unterwegs. Verabredet euch in einer Gruppe und zieht gemeinsam los.
  • Passt auf euer Getränk auf. Lasst euer Glas nicht aus den Augen und verschließt eure Flaschen, wenn möglich.
  • Lasst euch Getränkeflaschen nur geschlossen von der Theke mitbringen und nehmt einen Flaschenöffner mit.
  • Achtet aufeinander. Fragt eure Freunde, wie es ihnen geht. Kommt euch etwas komisch vor? Sprecht es aktiv an.
  • Glaubt ihr, etwas ist bei euch oder Freunden im Getränk gelandet? Dann ruft gegebenenfalls sofort den Notruf, geht in die Notaufnahme oder zu einem Arzt. Und lasst auch einen Urintest machen, denn K.o.-Tropfen sind nur wenige Stunden lang nachzuweisen.
  • Habt ihr den Verdacht, es könnte etwas Schlimmes mit euch passiert sein? Geht zur Polizei und erstattet Anzeige.
  • Die Anonyme Spurensicherung ist für alle, die sich nicht trauen oder den Fall aus anderen Gründen nicht melden wollen. Die wird unter anderem im St. Josefs Krankenhaus in Hilden, im Mettmanner EVK oder im Velberter Helios Klinikum angeboten. Spuren des Verbrechens werden anonym erfasst und aufbewahrt. Opfer können sich so auch später noch dazu entscheiden, die Täter anzuzeigen.