Kabarett, Comedy und Kleinkunst: Sechs Tipps für die Kulturagenda
Die Hochzeitsgesellschaft gespalten, der Champagner warm – und kurz vor der Trauung bleibt auch noch das Hochzeitsschiff mitten auf dem Bodensee stecken. Was also tun? Tätschmeister Dominik Muheim versucht die Situation zu retten und setzt zu einer Rede an, die nicht nur die Gäste, sondern die gesamte Menschheit versöhnen soll. Wird er es schaffen? Eine Show über die Widersprüche unserer Zeit, serviert mit Muheimschen Augenzwinkern – satirisch, berauschend, berührend. In der Sendung hör
- 4 min read
Kabarett, Comedy & Kleinkunst Neue Theatersaison beginnt – sechs Tipps für die Kulturagenda
19.09.2026, 08:00
Teilen
Die SRF-Satireredaktion mit sechs persönlichen Empfehlungen zum Start der Theatersaison.
Zu den Zeiten von Modern Talking war zumindest klar, wer die Hitparade anführt. Philippe Kuhn und Patti Basler trauern in «Postmodern Talking» um das kollektive Kulturgedächtnis.
Ellen Mathys
1. Nachdenkliche Töne: Patti Basler & Philippe Kuhn
Die als schärfste Zunge der Schweiz und «Dargebotene Faust» bekannte Kabarettistin Patti Basler meldet sich mit einem neuen Programm zurück. An ihrer Seite, der kongeniale Musiker Philippe Kuhn. Die beiden überblicken diesmal die ganze Menschheitsgeschichte und orten den bisher kulturellen Höhepunkt bei Modern Talking. Der sprachliche Bogen reicht jedoch von Rilke und Johanna Spyri bis zu neuzeitlichen Incel-Shitstorms männlicher Hater. Dabei schlägt Patti Basler neuerdings auch nachdenkliche Töne an.
Hinweis
Box aufklappen Box zuklappen
Patti Basler & Philippe Kuhn: «Postmodern Talking», Premiere am 25. September 2026 im Kurtheater Baden
Charmant schräg: Pascal Lüthi, Simon Althaus und Helenka auf der Suche nach dem kunstvollen Scheitern.
Attila Janes
2. Die Poesie des Scheiterns: Helenka
Niemand erzählt auf der Bühne liebevoller von Misserfolgen und künstlerischem Scheitern als Helenka. Die Sängerin und Schauspielerin mit anarchistisch-clowneskem Understatement steht mit den Musikern Simon Althaus und Pascal Lüthi auf der Bühne. Mit ihnen erzählt sie von Künstlerinnen, die vergeblich auf den Durchbruch warten. Was wird aus der Kunst, wenn sie keine Kunst ist? Freiheit natürlich. Die Möglichkeit eines Lieds, einer Figur, eines magischen Bühnenmoments voller unfreiwilliger Komik und stiller Poesie.
Hinweis
Box aufklappen Box zuklappen
Helenka: «Kei Kunst», Premiere am 16. Oktober 2026 im Kleintheater Luzern
Sie ist Expertin im Vermissen: Zarina Tadjibaeva erforscht in «Bei uns ist alles in Ordnung!» Beziehungen auf Distanz, wie jene zu ihrer Familie in Tadschikistan.
Chrysa Chouliara
3. Verbundenheit trotz(t) Distanz: Zarina Tadjibaeva
«Bei uns ist alles in Ordnung!», so heisst das neue Bühnenstück der Sängerin und Schauspielerin Zarina Tadjiibaeva. Dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch den Briefwechsel mit ihrer Familie in Tadschikistan – obwohl das weder auf das Leben im Bürgerkrieg noch auf jenes in der Diaspora zutraf. Private Geschichten von Verbundenheit trotz Distanz verwebt Zarina Tadjibaeva mit der heutigen Realität von Krieg und Globalisierung. Dazu mischt sie eine kräftige Portion Humor, die alles Schwere leichter verdauen lässt.
Hinweis
Box aufklappen Box zuklappen
Zarina Tadjibaeva: «Bei uns ist alles in Ordnung!», Premiere am 21. November 2026 im sogar Theater Zürich
Bin ich ein Mann und wenn ja, wieviele? Valerio Moser knöpft sich in «Mannomann» die K(r)ämpfe seines Geschlecht vor.
Steve Zeidler
4. Verspielt-beklemmende Abrechnung mit der Männlichkeit: Valerio Moser
Meta-Chef Mark Zuckerber wünscht sich «mehr Männlichkeit in der Geschäftswelt» und ein Junge wird wegen seines pinken Shirts gehänselt: Diese Erfahrungen waren für Valerio Moser entscheidend für sein neues Bühnensolo «Mannomann». Der preisgekrönte Slampoet führt darin lustvoll und verspielt männliche Stereotypen ad absurdum. Er schafft aber auch beklemmende Momente, in denen ihm und dem Publikum der Atem stockt. Ein Abend, der unterhält und Mut macht, genau hinzuschauen und öfter zu weinen.
Hinweis
Box aufklappen Box zuklappen
Valerio Moser: «Mannomann», Premiere 23. Oktober 2026 im Kleintheater Luzern
Tiefgang, Flachwitze und Schlagfertigkeit: Julia Steiner ist eine Alleskönnerin.
Sebastian Hamburger
5. Schonungslos ehrliche Comedy: Julia Steiner
Seit die damals 23-Jährige vor drei Jahren mit ihrem ersten Solo begeisterte, wird sie als eines der grössten Talente der hiesigen Comedy-Szene gehandelt. Und dies, obwohl sie in ihrem Debüt auch traurige Themen behandelte: den frühen Tod ihres Vaters oder ihre Angststörung. Julia Steiner verbindet virtuos Slam-Texte, theatrale Momente und Stand-Up-Comedy. Zusammen mit ihren Qualitäten als charmante Entertainerin ergibt das eine einzigartige Mischung, der sie auch in ihrem zweiten Solo treu bleiben will.
Hinweis
Box aufklappen Box zuklappen
Julia Steiner: «Schuldig», Premiere am 2. April 2027 im Casinotheater Winterthur
Das Private ist auch Poetisch: Dominik Muheim bringt sein Publikum mit Alltagsbeobachtungen zum Lachen und Staunen.
Dominik Asche
6. Geschichten mit Tiefgang und Haltung: Dominik Muheim
Ob als Slammer, Autor oder Kabarettist: Dominik Muheim macht Alltagsbeobachtungen aus philosophische Geschichten. Im letzten Jahr ist er Vater geworden, das habe ein ganz neues Level an Emotionen freigeschaltet. Und obwohl er nie ein «Hilfe, ich werde Papi!»-Programm machen wollte, fliesst diese Erfahrung nun in sein neues Programm ein. Er schildert darin die Fahrt ins Spital, zur Geburt seines Sohnes. Ein kurzer, privater Moment, den Dominik Muheim zu einem abendfüllenden Programm über den Zustand der Welt werden lässt.
Hinweis
Box aufklappen Box zuklappen
Dominik Muheim: «Taxi», Premiere am 5. Mai 2027 im Casinotheater Winterthur
Radio SRF 1, Spasspartout, 16.09.2026, 20:00 Uhr; schl