„Nei“ zu Brüssel: Island hat abgestimmt – und das Ergebnis zeigt, dass Brüssel an Charme einbüßt

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„Nei“ zu Brüssel: Island hat abgestimmt – und das Ergebnis zeigt, dass Brüssel an Charme einbüßt

Kabeljau contra Brüssel-Klischees: Islands Nein zur EU

Stand: 31.08.2026, 20:18 Uhr

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Islands Nein zur EU zeigt: Brüssel hat ein Imageproblem – und Pro-Europäer finden keine Antwort auf Fischquoten und Frust. Ein Kommentar von Klaus Rimpel.

Reykjavík – Island hat rund 400.000 Einwohner, von denen etwas mehr als die Hälfte nun gegen Beitrittsverhandlungen gestimmt haben: Angesichts der ausschlaggebenden 12.000 Stimmen sollte man das Nein der Isländer zur Europäischen Union also nicht überbewerten. Zumal die Nein-Fraktion sehr konkrete Gründe hatte: Die Fischerei ist neben Tourismus und der Alu-Industrie der wichtigste Wirtschaftszweig Islands – und die nicht unberechtigte Sorge, dass die EU-Fangquoten das Geschäft erschweren würden, war ein Hauptthema der erfolgreichen Nein-Kampagne.

Das isländische Nein zur Europäischen Union sollte man nicht überbewerten, kommentiert Klaus Rimpel.

Das isländische Nein zur Europäischen Union sollte man nicht überbewerten, kommentiert Klaus Rimpel. © Montage: Marco Di Marco/dpa/AP

Aber trotzdem zeigt das isländische „Nei“ wie schon der Brexit, dass die Attraktivität der EU nachgelassen hat. Die überbordende Regelwut, die damit zuletzt ja auch von Kanzler Merz kritisierten ausufernden Kosten, die Ferne Brüssels zu den Sorgen der Menschen in den Mitgliedstaaten: All das sind Tatsachen, die es den Gegnern Europas leicht machen, Stimmung gegen die Gemeinschaft zu schüren.

Islands Abneigung zum Trotz ist die EU heutzutage wichtiger denn je

Die Pro-Europäer tun sich schwer damit, eine Erzählung zu bieten, die gegen diese Anti-Brüssel-Klischees ankommt. Dabei gibt es gerade in einer von zunehmend aggressiven Großmächten dominierten Welt viele Gründe, die für ein vereintes Europa sprechen: Da wäre der Euro als zweitwichtigste Währung der Welt, die in Zeiten einer zerbröselnden NATO so wichtige EU‑Verteidigungsallianz, und der nur gemeinsam mächtige Markt, mit dem man Trumps Zoll-Irrsinn und Chinas Dominanzstreben selbstbewusst entgegentreten kann. All das zeigt: Die EU ist tatsächlich heute wichtiger denn je.

Das war auch der Grund, weshalb Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir und die EU‑Befürworter hofften, die Isländer von der Dringlichkeit einer noch engeren Anbindung an Brüssel zu überzeugen. Vor allem Trumps Griff nach Grönland, das er in einer Rede schon mal mit Island verwechselte, hätte die Mehrheit der Isländer überzeugen sollen, dass die NATO‑Mitgliedschaft allein keine ausreichende Sicherheit gegenüber Annexionsgelüsten bietet.

Nur: Das alles war offensichtlich nicht so handfest wie eine Kabeljau-Fangquote. Und da die Isländer ohnehin zum Europäischen Wirtschaftsraum gehören und so die Vorteile des Binnenmarkts genießen, war es umso schwerer für die Pro-Europäer, ihre Bürger zu überzeugen.