Karoline Leavitt: Nichts als Trumps Wahrheit, so wahr ihr Gott helfe

Als jüngste Sprecherin des Weißen Hauses setzte Karoline Leavitt neue Standards. Kampflustig, unbeirrbar und verlogen vertrat sie Donald Trump frei nach Orwell. Ein großer Verlust – zumindest für den US-Präsidenten

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Karoline Leavitt: Nichts als Trumps Wahrheit, so wahr ihr Gott helfe

Benno Schwinghammer

Karoline Leavitt: Nichts als Trumps Wahrheit, so wahr ihr Gott helfe

Als jüngste Sprecherin des Weißen Hauses setzte Karoline Leavitt neue Standards. Kampflustig, unbeirrbar und verlogen vertrat sie Donald Trump frei nach Orwell. Ein großer Verlust – zumindest für den US-Präsidenten

Kommentar

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Benno Schwinghammer

aus New York

Donald Trump braucht niemanden, der für ihn spricht. Kein Präsident hat je so viel ausgesandt wie er: Salven von Online-Posts, Pressekonferenzen bei fast jeder Gelegenheit, und wenn ihm langweilig ist, lässt er sich bei Fox News in die Sendung durchstellen. Dass der lauteste Mann der USA nun seine Sprecherin Karoline Leavitt verliert, könnte also eine Randnotiz sein. Doch ihr Abgang, den der US-Präsident am Mittwoch verkündete, kostet ihn sein verlässlichstes Echo.

Zwei Personen unterhalten sich im Freien auf der South Lawn des Weißen Hauses. Im Hintergrund steht ein Hubschrauber, und die Szene spielt bei Tageslicht.
Für Karoline Leavitt gab es stets nur eine Wahrheit: die ihrem Chef Donald Trump zuträgliche.

Man kann eine Sprecherin nach zwei Maßstäben beurteilen. Zuerst von innen: Arbeitet sie im Sinne ihres Chefs? Und dann von außen: Tut sie das auf eine Art und Weise, die zur Wahrheitsfindung beiträgt? Das Zeugnis für Leavitt weist die Spitzennote für den ersten Maßstab aus und das Gegenteil für den zweiten.

Doch Letzteres war für die erst 28-Jährige nie der Punkt. Eine Sprecherin ist keine politische Verbündete mit eigener Meinung. Ihre Aufgabe ist es, die Position des Chefs so eindringlich wie möglich zu transportieren. Genau darin war Leavitt konkurrenzlos. Sie übernahm die Unwahrheiten ihres Bosses so nahtlos, dass man nicht mehr wusste, wo sie aufhört und wo Trump anfängt.

Und mehr als das: Beim Lügen schaute sie sich die absolute Unbeirrbarkeit ihres Bosses ab und verdrehte die Welt mit einer Kaltblütigkeit, die leicht an die Regierungsführung in George Orwells 1984 erinnern konnte: Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.

Ein "Amen" vor dem Briefing

Bei ihrer ersten Pressekonferenz Ende Jänner 2025 versprach die jüngste US-Regierungssprecherin der Geschichte, vom Podium aus, stets die Wahrheit zu sagen. Im selben Briefing erklärte sie dann, die US-Regierung habe 50 Millionen Dollar Steuergeld gespart, weil sie Lieferungen von Kondomen nach Gaza gestoppt habe. Ein solches Programm hat es nie gegeben. Beim Thema Zölle beharrte Leavitt wenig später darauf, dass diese wie eine Steuersenkung für die US-Amerikaner wirkten. Das Gegenteil ist wahr.

Die Auftritte Leavitts im Presseraum des Weißen Hauses waren nie der Versuch, Dinge zu erklären. Es ging darum, Dinge zu verklären. Sie tat es mit dem Kreuz-Anhänger vor der Brust und dem breiten Lächeln einer Person, die nicht nur den allmächtigen Donald Trump hinter sich wusste, sondern auch Gott. Einmal betrat sie den Saal mit der Frage, ob man das "Amen" ihres Teams habe hören können. Das habe vor der Tür noch schnell gebetet.

Leavitt füllte ihre Rolle nicht nur aus, sie sprengte sie, so wie Donald Trump die bisherigen Limits des Präsidentenamtes aufbrach. Das Podium nutzte sie als Bühne für den täglichen Kampf gegen die vermeintlichen "Fake News". Wie sie das tat, war beeindruckend, denn selbst unter dem immensen Druck des vielleicht schwierigsten Jobs der Welt zuckte Leavitt nicht einmal mit der Wimper.

"Externe Beraterin"

Mit 28 geht sie auf dem Höhepunkt ihrer Bekanntheit und soll der Regierung als "externe Beraterin" verbunden bleiben. Ein idealer Startpunkt für eine Karriere in Politik, Medien oder Wirtschaft. Leavitt spielte ihre Rolle von Anfang an perfekt – und wählte am Ende sogar den einzigen Rücktrittsgrund, der nicht als Schwäche gilt, sondern als Qualifikation: mehr Zeit für ihre beiden Kinder zu haben.

Mit ihrer Angriffslust und Schärfe gegenüber den Reportern trieb sie die Spaltung in den Vereinigten Staaten auf ihre Weise voran. Für die Wahrheitsfindung ist ihr Abgang kein Verlust. Trump dagegen wird sie sehr vermissen. (Benno Schwinghammer aus New York, 13.8.2026)

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