Bundeswehr rekrutiert in Berliner Dönerläden

Publiziert21. August 2026, 14:18Berlin«Karriere mit alles»: Bundeswehr rekrutiert im DönerladenDeutschland will seine Streitkräfte massiv vergrössern. Dafür wirbt die Bundeswehr nun dort um neue Kräfte, wo sie ...

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Bundeswehr rekrutiert in Berliner Dönerläden

Publiziert21. August 2026, 14:18

Berlin«Karriere mit alles»: Bundeswehr rekrutiert im Dönerladen

Deutschland will seine Streitkräfte massiv vergrössern. Dafür wirbt die Bundeswehr nun dort um neue Kräfte, wo sie ihr im Alltag begegnen.

Karin Leuthold

Darum gehts

  • Die Bundeswehr wirbt in Berliner Dönerläden um Nachwuchs – mit Verpackungen, die den Slogan «Einmal Karriere mit alles» tragen.
  • Über einen QR-Code auf den Tüten gelangen Interessierte direkt zu den Karriereangeboten der Bundeswehr.
  • Die Kampagne richtet sich an Berufseinsteiger, Quereinsteiger und Fachkräfte, die einen Jobwechsel in Betracht ziehen.

Jahrelang politisch und strukturell vernachlässigt, zählt der Personalmangel heute zu den grössten Herausforderungen der Bundeswehr. Nun wollen die deutschen Streitkräfte verstärkt junge Menschen für den Wehrdienst gewinnen – und suchen potenzielle Rekruten dort, wo sie ihnen im Alltag begegnen – unter anderem in Berliner Dönerläden.

Wie der «Berliner Kurier» berichtet, werden Döner derzeit in eigens gestalteten Verpackungen ausgegeben. Darauf prangt der Slogan: «Einmal Karriere mit alles». Über einen aufgedruckten QR-Code gelangen Interessierte direkt zu den Karriereangeboten der Bundeswehr und können sich über Einstiegsmöglichkeiten informieren.

4000 Dönertüten für etwas mehr als 30 Euro

Die Kampagne richtet sich allerdings nicht ausschliesslich an junge Menschen, die vor der Berufswahl stehen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte dem «Berliner Kurier» am Mittwoch, angesprochen werden sollen ebenso Quereinsteiger und Fachkräfte, die einen Berufswechsel in Betracht ziehen.

Die Dönerverpackungen sind Teil der sogenannten «Ambient-Massnahmen» des Verteidigungsministeriums. Dabei wird Werbung gezielt an Orten platziert, an denen sich potenzielle Bewerberinnen und Bewerber in ihrem Alltag aufhalten. Die teilnehmenden Dönerläden erhalten dafür nach Angaben des Ministeriums keine Vergütung. Die Betreiber beteiligen sich freiwillig und bekommen die Verpackungen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Für die Bundeswehr dürfte die Aktion vergleichsweise günstig sein. Laut «Berliner Kurier» sind 4000 herkömmliche Dönertüten bereits für etwas mehr als 30 Euro erhältlich.

260'000 aktive Soldaten in circa zehn Jahren

Die ungewöhnliche Rekrutierungsstrategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland seine Streitkräfte deutlich vergrössern will. Ende Juli zählte die Bundeswehr 186'705 aktive Soldatinnen und Soldaten – so viele wie seit 13 Jahren nicht mehr. Bis Mitte der 2030er-Jahre soll die Truppenstärke jedoch auf mehr als 260'000 steigen. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte, hatte diese Zielgrösse bereits im März genannt. Mit dem Ausbau reagiert Deutschland unter anderem auf neue Nato-Vorgaben und die veränderte Sicherheitslage in Europa.

Soldaten der Bundeswehr versammeln sich bei einer Ausbildung. Die Streitkräfte verstärken ihre Nachwuchswerbung, um ihre geplante Expansion zu erreichen.

Soldaten der Bundeswehr versammeln sich bei einer Ausbildung. Die Streitkräfte verstärken ihre Nachwuchswerbung, um ihre geplante Expansion zu erreichen.Thomas Banneyer/dpa

Mit unkonventionellen Werbekampagnen für die Streitkräfte steht Deutschland allerdings nicht allein da. Bereits 2019 sorgte die britische Armee mit einer Kampagne für Aufmerksamkeit, in der sie gezielt vermeintliche «Schneeflocken», «Selfie-Süchtige» und «Handy-Zombies» ansprach – und deren vermeintliche Schwächen als militärisch wertvolle Eigenschaften umdeutete. Frankreich startete 2024 eine landesweite Multimedia-Kampagne zur Personalgewinnung. In den Niederlanden wiederum können junge Menschen seit 2023 ein bezahltes Jahr in Uniform absolvieren.

Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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