Kasseler Babyklappe 2025 mehrfach genutzt – Gründe dafür unklar

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Kasseler Babyklappe 2025 mehrfach genutzt – Gründe dafür unklar

Stand: 09.09.2026, 07:05 Uhr

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Babyklappe Marienkrankenhaus Kassel

Blick von außen: Die Tür zur Babyklappe im Marienkrankenhaus ist mit einem Alarm gesichert, der wenige Minuten nach Schließung auslöst. © Foto: Kathrin Meyer

Am Marienkrankenhaus Kassel wurden 2025 mehrere Kinder in die Babyklappe gelegt. Einen Trend sieht der Betreiberverein darin aber nicht.

Kassel – In Kassel wurden im Jahr 2025 mehr Kinder in die Babyklappe am Marienkrankenhaus gelegt als in den Jahren davor. Die Zahl ist aber immer noch in einem niedrigen einstelligen Bereich. Seit der Einrichtung der Babyklappe 2003 wurden 19 Kinder dort abgelegt, bestätigt Sarah Muth, Geschäftsführerin des Vereins Sozialdienst katholischer Frauen in Fulda. Der Verein betreibt drei Babyklappen im Bistum Fulda – neben Kassel noch die in Fulda und Hanau.

Eine steigende Zahl an Abgaben sieht Sarah Muth trotzdem nicht. Man könne schon festhalten, dass die Zahl der Abgaben in die Babyklappe innerhalb des vergangenen Jahres außergewöhnlich war, aber das alleine lasse keinen Trend erkennen. Es gäbe immer mal Jahre oder Zeiträume, in denen eine Babyklappe, bezogen auf die drei Babyklappen im Bistum Fulda, gar nicht genutzt wurde, und Jahre, in denen sie stärker in Anspruch genommen wurde. Eine Erklärung dafür hat der Sozialdienst nicht. Es gäbe keinen klaren Zusammenhang, beispielsweise mit Blick auf politische Entscheidungen oder gesellschaftliche Veränderungen.

Babyklappe Marienkrankenhaus Kassel

Blick von außen: Die Tür zur Babyklappe im Marienkrankenhaus ist mit einem Alarm gesichert, der wenige Minuten nach Schließung auslöst. © Foto: Kathrin Meyer

Die Stadt Kassel verfügt über ein breites Angebot an frühen Hilfen, Unterstützung für Schwangere und Eltern von Säuglingen und Kleinkindern. Es gibt Begleitung durch Familienhebammen oder Familienzentren. Schwangere können sich, auch anonym, an die Schwangerschaftsberatungsstellen vor Ort wenden und sich zu Unterstützungsangeboten oder zur vertraulichen Geburt beraten lassen.

Die Möglichkeit, vertraulich zu gebären, gibt es seit 2014. In Kassel ist das am Klinikum möglich. Die vertrauliche Geburt richtet sich an Frauen, die sich in einer Notlage befinden, sodass sie die Schwangerschaft verheimlichen wollen. Anders als bei einer Babyklappe soll den Schwangeren so unter Wahrung der Anonymität eine medizinisch betreute Geburt ermöglicht werden. Gleichzeitig erhalten vertraulich geborene Kinder das Recht, etwas über die eigene Herkunft zu erfahren. Das ist in der Regel ab einem Alter von 16 Jahren möglich. So lange werden die Informationen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hinterlegt.

In der Kasseler Babyklappe liegen neben dem Wärmebettchen mehrere Infobroschüren. Unter anderem liegt dort ein Brief an die Mutter und ein Zettel, auf dem diese Informationen über das Kind hinterlassen kann. Der Brief beginnt mit: „Liebe Unbekannte, Sie haben uns heute Ihr Kind anvertraut, vermutlich, weil Sie sich in einer sehr schweren Lage befinden. Wir respektieren Ihre Entscheidung und möchten Ihnen helfen.“

Das ist es auch, worauf es Johanna Klatt ankommt. Sie ist stellvertretende Leiterin der Zentralen Notaufnahme und betreut in ihren Schichten auch die Babyklappe. „Wir verurteilen niemanden, der sein Kind hier abgibt“, sagt sie. Wenn eine Frau sich entscheide, das Kind alleine ohne medizinische Betreuung zu gebären, um es dann in die Babyklappe zu legen, dann sei für sie klar, dass die Person sich in einer Notlage befinde. Zugleich sei es aber auch ein „Liebesbeweis“ das Kind in gute Hände zu geben.

An der Babyklappe, die sich rechts neben dem Haupteingang befindet, öffnet sich eine Tür, hinter der ein beheiztes Wärmebettchen steht. Das Baby wird anonym hineingelegt. Sobald die Klapptür geschlossen wird, lässt sie sich nicht wieder öffnen. Ob sie Informationen über ihr Kind hinterlässt, bleibt der Mutter überlassen. Der Sozialdienst informiert in einem Schreiben auch über die Möglichkeiten, das Kind zurückzunehmen oder zu einem späteren Zeitpunkt Kontakt aufzunehmen.

Sobald die Babyklappe geschlossen wird, wird leicht zeitversetzt ein Signal an das im Dienst befindliche Personal weitergegeben, das sich um die Versorgung des Kindes kümmert. Nachdem das Kind im Krankenhaus aufgenommen und erstversorgt wurde, sucht der Adoptionsdienst bereits in den ersten drei bis fünf Tagen eine mögliche Adoptivfamilie aus.

Bei Säuglingen befindet sich das Kind dann etwa ein Jahr in Adoptivpflegezeit. Dann stellen die Adoptivpflegeeltern einen Antrag auf Annahme des Kindes beim Notar. Das zuständige Familiengericht entscheidet dann über die Adoption des Kindes.

In fünf der 19 Fälle konnten Kinder zu ihren leiblichen Müttern zurück, nachdem diese aus der Anonymität getreten sind, schildert Sarah Muth. In einem Fall habe sich eine Mutter gemeldet und sich nach dem Kind erkundigt.