"Mord an Kinderseelen": Betroffene schildern Missbrauch in katholischer Kirche

Die Beobachter der einberufenen Pressekonferenz im Filmhaus in der Maybachstraße brauchen starke Nerven. Die Schilderungen des Vorstands des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz und die Berichte v...

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"Mord an Kinderseelen": Betroffene schildern Missbrauch in katholischer Kirche

Die Beobachter der einberufenen Pressekonferenz im Filmhaus in der Maybachstraße brauchen starke Nerven. Die Schilderungen des Vorstands des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz und die Berichte von zwei Betroffenen gehen unter die Haut. Es sind Fälle, die weit zurückliegen, aber durch die drastischen Darstellungen, sehr präsent wirken.

Klaus Kurz ist ein Betroffener, der bereit ist, seine Geschichte zu erzählen. Er habe drei Täter gehabt, sagt er. Zwei Priester und eine Ordensschwester. Der genaue Wortlaut der von ihm beschriebenen Taten kann hier nicht konkret wiedergegeben werden. Nur soviel: Als er neun Jahre alt war, musste er die Ordensschwester oral befriedigen und wurde regelmäßig von den Priestern vergewaltigt.

Annerkennungszahlung: "Schäbiges Almosen"

Er hatte eine "Entschädigung" von 25.000 Euro bekommen. Das sei nichts weiter als ein "schäbiges Almosen", sagt er im Interview mit dem WDR. Er fordert die Deutsche Bischofskonferenz auf, über eine wirklich unabhängige Kommission ein angemessenes Schmerzensgeld zu zahlen. "Man kann mit keinem Welt der Geld der Welt das wieder gut machen", er fügt hinzu: "Was man uns angetan hat, ist der Mord an Kinderseelen."

Vergewaltigung an Kindern hinter dem Altar

Ebenfalls am Tisch der Pressekonferenz sitzt Bob Krichel. Er meldete seinen Fall dem Bistum Aachen, weil sein Täter - ein Priester - nach dessen Tod geehrt werden sollte. Seitdem kämpft er um Anerkennung, doch seine abgegebenen Daten und seine Aussagen sind über die Jahre immer wieder verloren gegangen.

Er beschreibt die unfassbare Situation, dass der Priester damals Kinder in der Kirche hinter dem Altar vergewaltigt hatte.

Menschen vertrauen sich Betroffenenbeirat an

Die Vorsitzenden des Betroffenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz berichten, dass sich nach wie vor viele Erwachsene melden und zum ersten Mal von Missbrauchserfahrungen berichten. Es seien Chefärzte oder Manager, die stundenlang mit dem Auto anreisen und beim ersten Gespräch in Tränen ausbrechen, sagt Manfred Schmitz. Er ist Anwalt, selbst Betroffener und 2. Vorsitzender des Beirats.

Viele meldeten sich erst nach Jahren, weil es Menschen gebe, die sexualisierte Gewalt verdrängt haben, sagt Schmitz. Erst, wenn zum Beispiel psychische Probleme dazu kämen, suchten Viele Hilfe.

Der Betroffenenbeirat hat klare Forderungen. Die Aufarbeitung könne man nicht der Kirche überlassen, sagt Manfred Schmitz. Dabei gebe es eine Interessenkollision. "Gegen sich selber zu ermitteln, macht keiner, so wie es notwendig wäre." Deshalb müsse die Politik unterstützen. Der Beirat gehe davon aus, dass es etwa 30.000 Betroffene gebe, die sich noch nicht gemeldet haben.

Deutsche Bischofskonferenz nicht informiert

Die Deutsche Bischofskonferenz weist die Kritik zurück. Sie war über die Pressekonferenz in Köln nicht informiert. Dem WDR teilt sie mit, dass die Dauer der Verfahren reduziert worden sei, niemand in Deutschland zahle solch hohe Summen wie die katholische Kirche und die Aufarbeitung geschehe durch unabhängige Kommissionen.

Unsere Quellen:

  • Betroffenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz
  • WDR-Gespräch mit den Betroffenen Klaus Kurz und Bob Krichel
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 08.10.2026, 19:30 Uhr