Kein Tropfen wird verschwendet: 76-Jährige duscht im Eimer und verwendet das Wasser dann weiter
StartseiteWeltStand: 26.08.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenWasser auffangen: Resi Harth sammelt Wasser in einer Schüssel, wenn sie einen Fleck aus Kleidung reibt. © Susanne WeißDuschwasser auffang...
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Stand: 26.08.2026, 08:00 Uhr
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Duschwasser auffangen, Waschmaschinen randvoll machen, Regenwasser sammeln: Resi Harth zeigt, wie sich im Alltag erstaunlich viel Wasser sparen lässt.
Geretsried – Bei Resi Harth stehen überall Eimer und Schüsseln: in der Spüle, im Waschbecken und in der Dusche. Die 76-Jährige nutzt Wasser mehrfach. Einfach so etwas abwaschen und das wertvolle Gut in den Gully fließen lassen oder gar einen riesengroßen Pool damit auffüllen, das würde der Geretsriederin niemals einfallen. Wassersparen ist für Harth Alltag. Aktuell sind alle Bürger dazu angehalten. Die Stadtwerke haben eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen, um die außergewöhnlich niedrigen Grundwasserstände zu schonen (wir berichteten). Unsere Zeitung hat die Trägerin des „Grünen Engel“ besucht, um sich ein paar Tipps von ihr abzuschauen.
Wertvolles Nahrungsmittel
„Wasser ist ein so wertvolles Nahrungsmittel, dass man ehrfürchtig damit umgehen und es nie für selbstverständlich nehmen soll“, sagt Resi Harth. Das habe sie von ihrer Mutter gelernt und immer schon danach gelebt. Deswegen ist es für sie kein Problem, auf einem Bein in einem Eimer in der Dusche zu stehen und das Wasser darin zu sammeln. „Aber das sollte man wirklich nur machen, wenn man gut auf einem Bein stehen kann“, warnt die 76-Jährige. Was dagegen jeder schafft: Beim Händewaschen befeuchtet Harth erst ihre Finger in der Schüssel, macht sie mit Seife sauber und wäscht sie dann kurz unter dem Hahn ab. Mit dem aufgefangenen Seifenwasser spült sie die Toilette. „Da braucht es dann auch keinen Reiniger mehr.“
Um die Hände nicht lang unter fließendem Wasser schrubben zu müssen, nutzt Harth eine Paste aus Seifenflocken, etwas Wasser und Mohnsamen. „Das ist wie ein Peeling und macht sogar Gärtnerhände sauber.“ In Afrika hat die 76-Jährige erlebt, wie man sich mit richtig wenig Wasser säubern kann. „Man nimmt einen winzigen Schluck Wasser in den Mund, erwärmt ihn und spuckt ihn dann in die Hand.“ Über einer Pflanze, die auch Wasser brauchen kann, reibt man sich damit ab. „Die Bakterien im Mund gehören ja zu einem, da braucht man sich nichts denken.“ Überhaupt hält Harth dazu an, nicht zweimal täglich zu duschen, gerade wenn man nicht körperlich arbeitet. Meist reiche ein Waschlappen. „Bei mir sind oft nur die Füße dreckig.“ Um sie bequem im Eimer waschen zu können, hat sich die Seniorin extra einen Wasserhahn unter dem Waschbecken einbauen lassen. So kann sie ihn auch bequem im Bad auffüllen.
Gieß-Tour mit Lastenrad
Seifenfreies Wasser, mit dem sie beispielsweise Gemüse abgewaschen hat, nutzt Harth zum Gießen. Ihr Garten und ihr gepachteter Acker brauchen nicht viel Wasser, weil sie mit Kompost für eine gute Humus-Schicht sorgt, die viel Feuchtigkeit speichert. Deswegen versorgt die 76-Jährige regelmäßig Bäume im Stadtgebiet. Einen neu gepflanzten Baum auf einem Supermarktparkplatz in ihrer Nachbarschaft hat sie so durch die Hitzeperiode gebracht. Und auch einem frisch gepflanzten auf städtischem Grund hat sie neue Blättchen entlockt. Dafür nutzt Harth nicht nur ihr benutztes Leitungswasser. Sie sammelt auch Regenwasser in einer Zisterne. Damit befüllt sie zwei Gießkannen, packt diese auf ihr Lastenrad – selbstverständlich mit Sonnenenergie geladen – und fährt zum Gießen, „wo es die Stadt nicht schafft und ich es für nötig halte“. Insbesondere im Frühjahr müsse man die Bäume gut mit Wasser versorgen. „Sonst haben sie keinen guten Start.“ Aber: Wer bei Hitze bewässert, schickt viel in die Atmosphäre. Besser ist es laut Harth, tröpfchenweise früh am Morgen oder spät am Abend mit sonnenwarmem Wasser zu gießen, damit nicht so viel verdunstet. Sie hat einen weiteren Tipp: Düngen mit Kompost „geht auch auf Rasen“.
Wo lässt sich noch sparen? Um ihre Kleidung zu schonen, trägt Harth in der Küche eine Schürze. Schmutzige Kleidung weicht Harth in Regenwasser ein. Flecken reibt sie mit Seife ab, die in einem Häkelsäckchen steckt. So braucht es keine Vorwäsche in der Maschine. Und Harth begnügt sich mit einem Trinkgefäß am Tag. „Nicht eine Tasse fürs Frühstück, mittags ein neues Glas und zum Abendessen wieder.“ Wasch- und Spülmaschine startet die Seniorin erst, wenn sie „brechend voll“ sind. Bauliche Veränderungen helfen Harth ebenfalls. So hat sie eine Entkalkungsanlage im Keller. „Dadurch muss ich weniger putzen und brauche weniger Waschmittel.“ Außerdem ist der Wasserspeicher ihrer Wärmepumpe auf 45 Grad eingestellt. Das spart Mischwasser.
Auch in Produkten steckt viel Wasser
Es gibt auch unzählige Dinge, die in der Herstellung viel Wasser brauchen. Auch daran denkt Harth. Sie verzichtet aus diesem Grund auf Kaffee, Saft oder Bier. „Ich habe mir angewöhnt, Teeblätter zu sammeln und zu trocknen“, berichtet die 76-Jährige. Ein Spritzer Zitronensaft oder etwas Essig im Leitungswasser sorge ebenfalls für Abwechslung. Sie bereitet sich eigene Hafermilch zu und setzt auf regionale, saisonale, biologische und vegane Ernährung. „Gekauftes Essen sorgt immer für mehr Aufwand“, sagt die Seniorin mit Blick auf den Wasser- und Energieverbrauch in der Produktion. Harth stellt viel selbst her, zum Beispiel fermentiertes Gemüse, das ein Jahr hält. Ihre Enkel lieben ihre Brennnesselchips. Besonders gern backt sie mit Buchweizen (siehe Rezept). „Der braucht nicht viel Wasser und ernährt viele Insekten.“ Weil Kleidung in der Herstellung auch viel schluckt, kauft sie Second-Hand. Und „ich repariere alles. Ich bin erfinderisch, damit es nicht hässlich aussieht.“
Resi Harth ist in allen Lebensbereichen erfinderisch, der Umwelt zuliebe. Sie erzählt gern davon, aber nie mit erhobenem Zeigefinger. Wenn sie bei jemandem eingeladen ist, isst sie, was es gerade gibt, auch Fleisch. Sie will niemanden vor den Kopf stoßen. Sie würde auch ins Hallenbad gehen, wenn sich einer ihrer Enkel das von Herzen zum Geburtstag wünschen würde. Aber „mir langt der Bibisee von Mai bis Oktober.“ Die 76-Jährige sagt über ihre Art zu leben: „Für mich ist das kein Verzicht. Ich kann auf Umweltkatastrophen jeglicher Art verzichten.“
Knäckebrot á la Mama Resi
Buchweizen ist ein „Alleskönner“, der laut Resi Harth etwas in Vergessenheit geraten ist. Er ist auch für Menschen mit Glutenunverträglichkeit geeignet und verbraucht im Anbau wenig Wasser. Zutaten für vier kleine Backbleche: 300 Gramm Buchweizenmehl, 300 Gramm zarte Haferflocken, 20 Gramm Salz, 1 Liter lauwarmes Wasser, 40 Gramm Rapsöl
Zubereitung: Alle trockenen Zutaten mischen. Wasser und Öl zufügen. Zu einem dünnflüssigen Teig verrühren. Den Teig mindestens vier Stunden und maximal drei Tage bei Zimmertemperatur quellen lassen. Umrühren und mit einem Teigschaber dünn auf mit Backpapier ausgelegten Backblechen verstreichen. Nach Geschmack mit Sesam, Kürbiskernen, Leinsamenschrot, Sonnenblumenkernen etc. bestreuen. Im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad Ober-/Unterhitze circa zehn Minuten backen, bis sich der Teig leicht vom Backpapier ziehen lässt. Mit Pizzaroller oder Schere in kleine Stücke schneiden. Weitere 20 bis 40 Minuten backen, bis es goldbraun und trocken ist. Zwischendurch immer wieder die Backofentür öffnen, damit der Dampf entweichen kann. Wird das Brot zu dunkel, Ofen auf 160 Grad runterschalten. Die letzten fünf Minuten eventuell bei leicht geöffneter Ofentür backen, so wird es richtig knusprig. Abkühlen lassen und in eine luftdichte Dose packen.
(sw)