Kein „Weiter so“ nach AfD-Beben – CSU und SPD unter Druck
StartseiteLokalesBad TölzBad TölzStand: 07.09.2026, 19:00 UhrKommentareUns auf Google folgenLöste mit seinem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt ein Politbeben aus: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. © AFP/RONNY HARTM...
- 3 min read
Stand: 07.09.2026, 19:00 Uhr
Kommentare

Der historische AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt sorgt auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen für Unruhe: CSU-Kreisvorsitzender Thomas Holz und sein Amtskollege von der SPD, Klaus Barthel, fordern politische Konsequenzen und sprechen sich gegen ein „Weiter so“ aus.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Sachsen-Anhalt hat der AfD ein historisches Wahlergebnis beschert: Mit 43,8 Prozent wird sie unter ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund erstmals stärkste Kraft bei einer Landtagswahl in Deutschland – mit großem Abstand vor allen anderen Parteien. Das Ergebnis erschüttert die Bundespolitik: In Berlin ist von einer einschneidenden Zäsur die Rede. Und manch einer stellt sich bereits die Frage, wie lange Friedrich Merz (CDU) noch Kanzler sein wird.
Sorgen und Nöte der Bürger ernst nehmen
Die Auswirkungen des Politbebens sind nicht nur in der Hauptstadt zu spüren. Auch im Landkreis reagieren die Parteien der Bundesregierung mit Sorge auf den Erfolg der AfD. Deren Landesverband in Sachsen-Anhalt wird von den Sicherheitsbehörden als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. In ersten Reaktionen schlagen der CSU-Kreisvorsitzende Thomas Holz und sein SPD-Amtskollege Klaus Barthel ähnliche Töne an: Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben. Die Menschen müssten wieder das Gefühl bekommen, so der Tenor, dass ihre Sorgen und Nöte ernst genommen werden.
Für Holz, der dem Bayerischen Landtag angehört, ist klar: „Das ist mehr als ein Warnschuss“, sagt er mit Blick auf Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis sei kein einmaliger Betriebsunfall, wie es manche Bundespolitiker nun darstellten. Wenn die Bundesregierung nicht reagiere, werde sich die Erfolgsserie der AfD fortsetzen, warnt Holz. Bereits in knapp zwei Wochen stehen mit Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die nächsten Wahlen an. „Das wird ein heißer Herbst“, ist Holz überzeugt.
„Es muss einen Wumms geben“
Die schwarz-rote Koalition sei gefordert, endlich Reformen anzustoßen, die die Probleme des Landes lösen. Holz nennt Stichworte wie das Wirtschaftswachstum, Steuerentlastungen und Bürokratieabbau. Konkreter wird der Kochler allerdings nicht. „Es muss einen Wumms geben“, sagt er. Kein Hehl macht er daraus, dass er vor allem von Kanzler Merz enttäuscht ist. Ausdrücklich ausnehmen von seiner Kritik will Holz dagegen seinen Parteifreund und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der hervorragende Arbeit leiste.
Und was ist mit der Brandmauer? Eine Zusammenarbeit mit der AfD hält Holz für nicht denkbar, solange die Partei völkisches und rechtsradikales Gedankengut zulasse. Im Umgang mit der AfD plädiert er stattdessen für eine harte inhaltliche Auseinandersetzung.
Ob die Brandmauer der Union zur AfD hält, bezweifelt dagegen Barthel. Der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete, der von 1994 bis 2017 Mitglied des Parlaments war, sieht durchaus die Gefahr, dass sich in Sachsen-Anhalt Teile der Union auf eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der AfD einlassen könnten.
Der Erfolg der AfD in dem ostdeutschen Bundesland habe sich abgezeichnet. „Viele Menschen fühlen sich von den etablierten Parteien und der Bundesregierung nicht wahrgenommen“, sagt der Kochler. Auch Merz habe die hohen Erwartungen, die er im Wahlkampf gegen die damalige Ampelregierung geweckt hatte, nicht erfüllen können.
Es könne nicht sein, so Barthel weiter, dass derzeit vor allem über eine Sparorgie und den Abbau des Sozialstaats gesprochen werde. Die Menschen erwarteten eine Politik, die dafür sorge, dass es ihnen besser gehe. Barthel drängt deshalb auf Nachverhandlungen mit dem Koalitionspartner Union: „Das Reformpaket muss noch einmal aufgeschnürt werden.“
Vom AfD-Kreisverband war am Montag (7. September) bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen. Auf seiner Facebook-Seite gibt sich dieser nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt selbstbewusst. „Wir sind die politische Mitte!“, wird dort die bayerische Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner zitiert.