Keine Benachteiligung des Ostens: Ökonom verteidigt Abschaffung der Rente mit 63
Die geplante Abschaffung der Rente mit 63 stößt vor allem in Ostdeutschland auf Kritik. Der Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger hält die Reform dennoch für gerechtfertigt und weist den Vorwurf einer Benachteiligung Ostdeutscher zurück. Ein Verzicht auf die Reform würde die Rentenversicherung seiner Einschätzung nach Milliarden kosten.
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AUDIO: Werden Ostdeutsche durch die geplante Rentenreform wirklich benachteiligt? (5 Min)
Abschlagsfreie Frührente
Stand: 04.08.2026 19:29 Uhr
Die geplante Abschaffung der Rente mit 63 stößt vor allem in Ostdeutschland auf Kritik. Der Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger hält die Reform dennoch für gerechtfertigt und weist den Vorwurf einer Benachteiligung Ostdeutscher zurück. Ein Verzicht auf die Reform würde die Rentenversicherung seiner Einschätzung nach Milliarden kosten.
von MDR AKTUELL
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- Der Ökonom Peter Bofinger hält die Abschaffung der Rente mit 63 für richtig und weist Kritik aus Ostdeutschland zurück.
- Laut Bofinger soll es für körperlich belastende Berufe Ausnahmen geben.
- Ein Verzicht auf die Reform würde dem Ökonomen zufolge Milliarden kosten.
Der Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger hat die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 verteidigt. Das Mitglied der Rentenkommission sagte MDR AKTUELL, die Rente mit 45 Beitragsjahren sei ein zusätzlicher Bonus, der sich aus dem Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung nicht rechtfertigen lasse.
"Wahlkampfmanöver" und keine Benachteiligung des Ostens
Die Kritik mehrerer ostdeutscher Ministerpräsidenten an den Reformplänen bezeichnete Bofinger als "Wahlkampfmanöver". Die Abschaffung sei unpopulär und betreffe nicht nur Menschen kurz vor dem Renteneintritt, sondern auch Beschäftigte, die ihre Ruhestandsplanung nun überdenken müssten.
Den Vorwurf, Ostdeutsche würden benachteiligt, wies Bofinger zurück. "Zwischen 1990 und 2025 haben Menschen in Ostdeutschland für das, was sie jetzt in das Rentensystem einbezahlt bekommen haben, höhere Entgeltpunkte bekommen als die Menschen in Westdeutschland", so Bofinger. Im Rentensystem führe das zu nicht beitragsgedeckten Ausgaben von rund 37 Milliarden Euro. "Das heißt also, die Menschen in Ostdeutschland werden durch das System durchaus dann begünstigt."
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Ausnahmen für körperlich belastende Berufe
Für Menschen in körperlich belastenden Berufen sehe der Vorschlag der Rentenkommision dennoch Ausnahmen vor. Wer aus gesundheitlichen Gründen im Alter nicht länger in seinem Beruf arbeiten könne, könne sich das weiterhin anerkennen lassen. Dies sei einfacher zu erreichen als bisher bei einer Erwerbsminderung. Dann bestehe auch weiter Anspruch auf einen vorzeitigen Renteneintritt.
Milliardenkosten bei Beibehaltung
Sollte die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren entgegen den Vorschlägen der Rentenkommission bestehen bleiben, hätte das nach Einschätzung Bofingers erhebliche finanzielle Folgen. Die Rentenversicherung müsste mit Mehrausgaben von schätzungsweise fünf bis zehn Milliarden Euro pro Jahr rechnen. Dadurch würden die Beiträge stärker steigen und die geplante Rentenreform deutlich schwieriger umzusetzen sein.
Rentenkommission empfiehlt Reform
Die Rentenkommission hatte empfohlen, die sogenannte Rente mit 63 – also die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren – abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) hatten angekündigt, die Empfehlungen der Kommission umsetzen zu wollen.
Zuletzt war die Kritik an dem Vorschlag vor allem aus Ostdeutschland lauter geworden. Zunächst hatten sich die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegen die Pläne ausgesprochen.
MDR(mbe)
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