Keine Rettung möglich: Völklinger Meeresfischzucht nun endgültig pleite
Mit potenziellen Investoren aus Australien und Israel wurde es dann doch nichts. Die Makrelen sind schon abgefischt. Die letzten der Meeresfische aus dem Binnenland wurden in einen Mittelmeer-Staat verkauft. Die Insolvenzmasse ist begrenzt.
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Keine Rettung möglich Völklinger Meeresfischzucht nun endgültig pleite
Mit potenziellen Investoren aus Australien und Israel wurde es dann doch nichts. Die Makrelen sind schon abgefischt. Die letzten der Meeresfische aus dem Binnenland wurden in einen Mittelmeer-Staat verkauft. Die Insolvenzmasse ist begrenzt.
02.09.2026 , 19:55 Uhr
Als vor zwei Jahren dieses Foto entstand, waren die nagelneuen, nun runden und pflegeleichteren Becken der Völklinger Meeresfischzucht noch leer. Jetzt sind sie es wieder. Diesmal allerdings endgültig.
Foto: Infinite Sea
Eigentlich gilt sie durchaus als zukunftsfähig, die Meeresfischzucht im Binnenland. Es ist aber leider eine Zukunft, die ohne Völklingen stattfinden wird: Die Völklinger Meeresfischzucht, die bereits Insolvenz angemeldet, aber den Betrieb noch weitergeführt hatte (wir berichteten), ist nun endgültig geschlossen. Am Montag wurde das letzte Becken der InfiniteSea GmbH leergefischt, der Betrieb ist seit 31. August eingestellt. Das teilte Insolvenzverwalter Udo Michalsky auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung mit.
Auch die Muttergesellschaft aus der Schweiz wollte kein Geld mehr zuschießen
Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen Insolvenz beantragt, nachdem es in finanzielle Schieflage geraten war. Die Investorensuche lief auf Hochtouren, wie Michalsky sagt. Er habe mehrere vielversprechende Gespräche geführt. Auch mit einem australischen Investor. Der Erwerb sei dann aber an der zu großen Entfernung gescheitert. Der Verkauf an einen potenziellen israelischen Investor sei unter anderem deshalb nicht in Betracht gekommen, weil dieser den gesamten Betrieb nach Israel verlagern wollte. Auch Verhandlungen über eine Beteiligung der Muttergesellschaft blieben laut Michalsky erfolglos. – Die Muttergesellschaft und auch der einzige Gesellschafter ist die InfiniteSea AG im schweizerischen Zug, Präsident des Verwaltungsrates ist der schweizer Investor Walter Gränicher.
Abnehmer gesucht: Auf dem einstigen Kokereigelände steht die – nun ebenfalls einstige – Meeresfischzucht. Findet sich eine neue Nutzung?
Foto: InfiniteSea/Insolvenzverwalter Dr. Udo Michalsky
Michalsky bleibt letztlich nur zu bedauern: „Es ist leider nicht gelungen, einen Investor zu finden.“
Und was ist mit den Fischen passiert? Ein besonderes Kennzeichen der Völklinger Fischzucht war es ja gerade, dass man nochmals Geld in die Hand genommen hatte, um – nach einer zweijährigen Umbauzeit – seit vergangenem Jahr keine Jungfische mehr zur Aufzucht einzukaufen, sondern sie im eigenen Haus zu züchten. Nun musste zunächst einmal die Brut neuer Gelbschwanzmakrelen gestoppt werden. Die bereits vorhandenen Fische wurden noch großgezogen, dann gefischt und verkauft. Der überwiegende Teil der Fische sei nach Italien verkauft worden. Was dann kurioserweise bedeutet, dass Meeresfische aus dem Binnenland an Käufer in einem Staat am Mittelmeer gingen, in dem es auch solche Makrelen gibt.
Der Saarland-Fisch kommt jetzt in Italien auf den Tisch
Im Saarland konnten, trotz „deutlich gesenkter Preise“, nur Restaurants, aber keine Händler als Abnehmer gefunden werden. Und so war Ende August Schluss. Laut Michalsky finden nun noch die üblichen Abwicklungsmaßnahmen statt.
Archivfoto eines Zuchtfisches in einem Becken in der Forschungshalle von InfiniteSea.
Foto: BeckerBredel
Beim Amtsgericht Saarbrücken hat, laut Wirtschaftsinformationsdienst North Data, der Insolvenzverwalter bereits am 10. August bekanntgegeben, dass eine „Masseunzulänglichkeit“ vorliege. Das bedeutet, dass aus der Insolvenzmasse zwar alle Verfahrenskosten gedeckt werden können, jedoch nicht genügend Mittel vorhanden sind, um die Ansprüche aller Gläubiger komplett zu decken. North Data verzeichnet zudem für die InfiniteSea GmbH für das Jahr 2025 einen Verlust von knapp 2 Millionen Euro, für 2024 von knapp 700.000 Euro und für 2023 von etwas über 1,5 Millionen Euro. 2022 muss frisches Investoren-Geld in das Unternehmen geflossen sein, denn in jenem Jahr ist ein Gewinn von etwas über eine Million Euro genannt.
Der Wert der „Sachanlagen“ in Völklingen beträgt fast 6 Millionen Euro – jedenfalls auf dem Papier.
Zum Jahresende 2025 verzeichnet North Data 23 Mitarbeiter. Der Wert der „Sachanlagen“ der GmbH im selben Zeitraum wird mit knapp 5,9 Millionen Euro beziffert. Der Wert von Sachanlagen auf dem Papier bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Anlagen auch tatsächlich in die dort genannten Summen umgewandelt werden können.
Die ursprünglich von den Völklinger Stadtwerken betriebene Fischzucht hatte bereits einen Untergang erlebt, und das nicht lange nach ihren Anfängen. Erstmals war 2006 öffentlich darüber gesprochen worden, die ehemalige Kokerei im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen in eine Meeresfischzucht umzuwandeln. Doch es gab Verzögerungen und schon Rechtsstreite mit beteiligten Investoren. Im Februar 2013 zogen dann etwa 4000 kleine Störe als Erstbesatz in die Fischzucht ein. Da hatte die damalige Abwärtsspirale aber bereits begonnen, an der die Völklinger Stadtwerke 2015, nach dem mehr als 20 Millionen Euro teuren Abenteuer, fast zerbrochen wären. Das Unternehmen „Fresh“, ab 2022 „InfiniteSea“, kaufte die Reste, investierte nach und nach viel Geld – und musste jetzt letztlich auch die Segel streichen.
Dem Oberbürgermeister kam etwas spanisch vor
Oberbürgermeister Stephan Tautz („Wir Bürger Völklingen“) erinnerte sich an eine Einladung der GmbH im vergangenen Jahr, bei der neue Investoren gesucht wurden. Das Konzept sei gut vorgestellt worden, aber als es geheißen habe, auch Kleininvestoren könnten nun einsteigen, sei ihm das schon etwas seltsam vorgekommen. „Die Schließung eines Unternehmens ist immer ein Verlust für eine Stadt“, so der Oberbürgermeister, „mit dem Ende eines Betriebs gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern häufig auch eine bislang genutzte Gewerbe- oder Industriefläche.“ Das sei auch im Fall der Fischzuchtanlage bedauerlich, „besonders im Blick sind dabei natürlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Schließung unmittelbar betroffen sind.“ In Bezug auf den Standort sei es nun wichtig, nach vorne zu schauen: „Ich hoffe, dass für das Gelände zeitnah ein neuer Eigentümer gefunden wird und der Standort wieder einer gewerblichen oder industriellen Nutzung zugeführt werden kann.“