Kimi Antonelli könnte jüngster F-1-Champion werden – inspiriert von Verstappen

Der Ältere ist im Moment womöglich der beste Rennfahrer im Feld, der Jüngere der erfolgreichste Fahrer der Saison: Max Verstappen und Kimi Antonelli prägten die Asien-Tour der Formel 1.

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Kimi Antonelli könnte jüngster F-1-Champion werden – inspiriert von Verstappen

Kimi Antonelli könnte schon im nächsten Rennen Weltmeister werden – er schaut sich bei Singapur-Sieger Max Verstappen ab, was einen Champion ausmacht

Der Ältere ist im Moment womöglich der beste Rennfahrer im Feld, der Jüngere der erfolgreichste Fahrer der Saison: Max Verstappen und Kimi Antonelli prägten die Asien-Tour der Formel 1.

Elmar Brümmer, Singapur

11.10.2026, 19.11 Uhr

4 Leseminuten


Max Verstappen (Mitte) siegt im Grand Prix von Singapur, Kimi Antonelli (r.) wird Dritter und führt in der Gesamtwertung souverän.

Max Verstappen (Mitte) siegt im Grand Prix von Singapur, Kimi Antonelli (r.) wird Dritter und führt in der Gesamtwertung souverän.

Imago/dppi / Imago

Noch immer ist nicht klar, ob diese Formel-1-Saison noch fünf oder sechs Weltmeisterschaftsläufe umfassen wird. Die beiden abschliessenden Rennen im Mittleren Osten stehen wegen der nahen Kriegshandlungen auf der Kippe, im italienischen Imola als Ersatzaustragungsort werden vorsichtshalber schon Zusatztribünen aufgebaut.

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Sollte dieses Rennjahr in der Emilia-Romagna enden, wäre das der perfekte Ort für den grossen Gewinner der Asientournee, die am Wochenende in Singapur abgeschlossen wurde: Der in Bologna geborene Mercedes-Pilot Kimi Antonelli könnte nach seinem dritten Platz beim Grossen Preis von Singapur zumindest theoretisch schon beim nächsten Rennen in zwei Wochen in Austin, Texas, zum jüngsten Weltmeister der Grand-Prix-Historie gekürt werden. «Wirklich?», fragte Antonelli etwas ungläubig den Moderator der Siegesfeierlichkeiten am Marina Bay Street Circuit. «Ich denke nicht darüber nach.»

Ein netter Versuch des 20-Jährigen, nicht noch weiteren Druck aufzubauen. Aber vermutlich ein vergeblicher. Der Italiener hat in der Gesamtwertung 102 Zähler Vorsprung auf seinen Teamkollegen George Russell, gegenüber dem Drittplatzierten Lewis Hamilton sind es schon 111 Punkte. Sollten tatsächlich noch alle angesetzten WM-Läufe ausgetragen werden, müsste Antonelli nach dem Rennen auf dem Circuit of the Americas 125 Punkte Vorsprung auf den Nächstbesten haben.

Verstappens Sieg im 250. Formel-1-Rennen

Beim schweisstreibenden Nachtrennen in Äquatornähe stahl ihm jedoch Max Verstappen in seinem 250. Rennen in der Königsklasse die Show. Der vierfache Weltmeister liess seinem ersten Saisonsieg in Malaysia nur sieben Tage später einen zweiten Triumph folgen, noch dominanter.

Mehr noch: Bereits am Samstag konnte der Niederländer auf dem schwierigen Strassenkurs in Singapur, auf dem er noch nie gewonnen hatte, das Sprintrennen für sich entscheiden. Anschliessend fuhr er auf die 50. Pole-Position seiner Karriere, und die konnte er auch in einem knappen Duell gegen Charles Leclerc im Ferrari behaupten. Damit war das Rennen ganz vorn praktisch schon entschieden.

Dadurch, dass der Funkverkehr von Verstappens Auto zur Box gestört war, blieb der Red-Bull-Pilot in einem von der Strategie dominierten Grossen Preis auf sich allein gestellt. Offenbar kein Problem für den 29-Jährigen, bei dem sich seit Wochen beobachten lässt, wie er an Momentum gewinnt. Der Teamchef Laurent Mekies sprach von einem unglaublichen Tempo seines Schützlings: «Er fuhr nicht nur in seiner eigenen Liga, er hat sich an diesem Wochenende selbst übertroffen.»

Der runderneuerte Red-Bull-Rennwagen scheint nun wieder in der Lage, auf jeder Rennstrecke siegen zu können. Damit ist wohl jene aerodynamische Überlegenheit zurückgekehrt, die Verstappen zu Beginn des Jahrzehnts zum Regenten gemacht hatte. Auch im Vorjahr legte das österreichisch-britische Konzernteam ein beachtliches Comeback hin, diesmal allerdings dürfte die Kehrtwende unter normalen Umständen zu spät kommen. Der Rückstand des WM-Vierten auf Spitzenreiter Antonelli beträgt bereits 119 Punkte.

Wichtiger für ihn ist es jedoch, den Spass an seinem Job und das Vertrauen ins Team zurückgewonnen zu haben, auch wenn sich sein Renningenieur Gianiero Lambiase bald zu McLaren verabschieden wird. Der Italiener durfte in Singapur auf dem Podest die Trophäe für das Team entgegennehmen.

Zwei Generationen, ähnliches Offensivverhalten

Max Verstappen und Kimi Antonelli stammen aus zwei unterschiedlichen Rennfahrergenerationen, aber vom Offensivverhalten ähneln sich die beiden stark. Der Silberpfeil des Mercedes-Piloten wurde nach einem technischen Upgrade unberechenbarer, und so riet man Antonelli, zurückhaltender zu fahren, um seinen Vorsprung in der Gesamtwertung zu verwalten.

Wie das aussah, zeigten schon die Striche für die Übertretungen bei den Streckenlimits. Antonelli hätte fast eine 5-Sekunden-Zeitstrafe dafür riskiert – Verstappen übrigens auch. Mit besser kontrollierter Aggressivität gelang ihm acht Runden vor Schluss allerdings das Manöver, das ihm doch noch den Podestplatz und den ersten Matchball für den Titel bescherte.

Lewis Hamilton versuchte trotz den völlig abgenutzten Reifen seinen dritten Platz zu verteidigen, ihm sass Lando Norris mit dem McLaren im Genick, dahinter lauerte Antonelli als Fünfter. Als sich Norris innen vorbeidrücken wollte, wurde Hamilton weit hinausgetragen, und am Ende der Kurvenkombination war Antonelli an beiden vorbei. Diese Abgeklärtheit ist es, die ihn zu einem Ausnahmepiloten macht. Er will bei allen Mahnungen zur Vorsicht dann doch immer mehr.

Das ist nicht jugendlicher Leichtsinn, sondern gesunder Rennfahrerinstinkt. Sein Mentor, der Mercedes-Teamchef Toto Wolff, muss in solchen Situationen immer besonders tief durchatmen.

Verstappen will noch ein bisschen mehr Spass haben

Der eine wieder ganz der Alte, der andere schon erstaunlich weit – das adelt die beiden Hauptdarsteller in Fernost. Mit grossen Augen beobachtet Antonelli immer wieder, was Verstappen tut und wie er sich gibt. Dahinter steckt die Wissbegier, selbst diese Art Souveränität zu entwickeln, die einen Champion ausmacht.

Der Ältere ist im Moment womöglich der beste Rennfahrer im Feld, der Jüngere ist der erfolgreichste Fahrer der Saison. Bei fortgesetztem Trend könnte das nicht nur die Geschichte beim Schlussspurt in diesem Jahr werden, sondern auch ein spannender Vergleich für das kommende Rennjahr.

So weit aber mag der Tagessieger noch nicht denken. Das ganze Team sei hochmotiviert, noch viele weitere Erfolge einzufahren, sagte Verstappen: «Hoffentlich können wir bis zum Jahresende noch ein bisschen mehr Spass haben.» Momentan ist er mit seiner fahrerischen Dominanz in vielen Bereichen tatsächlich das perfekte Anschauungsbeispiel für Antonelli, wie man Weltmeister wird.

Mercedes will dem kaum aufzuhaltenden Aufstieg des eigenen Schützlings zusätzlichen Schub verleihen. Für das vorentscheidende Rennen in den USA bekommt sein Auto eine neue Motorenausbaustufe. Damit es für den angehenden Champion nicht weiter um geschickte Schadensbegrenzung geht, sondern um Attacke. Ganz im Stil eines Max Verstappen.

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