Kind leert Kreditkarte des Vaters für Werbekampagne – oder ist es selbst das Marketinginstrument?
Youtube Gaming Kind leert Kreditkarte des Vaters für Werbekampagne – oder ist es selbst das Marketinginstrument? Ein neunjähriger Gaming-Youtuber soll mit der Firmenkreditkarte Google-Anzeigen für 118....
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Kind leert Kreditkarte des Vaters für Werbekampagne – oder ist es selbst das Marketinginstrument?
Ein neunjähriger Gaming-Youtuber soll mit der Firmenkreditkarte Google-Anzeigen für 118.000 Dollar gekauft haben. Das könnte sich als gutes Geschäft erweisen
Michael Windisch
Die Grenzen von gutem Marketing und Leichtsinn sind oft fließend, und am Ende weiß niemand so genau, was jetzt eigentlich wahr ist. Nur so zumindest lässt sich verstehen, wie ein neunjähriger Bub die Firmenkreditkarte seines Vaters in die Hände bekommt und am Ende eine Rechnung für Werbung bei Google Ads in Höhe von 118.000 Dollar (derzeit rund 103.000 Euro) anhäuft.
Der Reihe nach: Die Hauptrollen der Tragödie sind ein neunjähriger Gamer mit einem eigenen Youtube-Kanal namens "Mighty Mike Plays" und dessen Vater Dave, seines Zeichens Marketingmanager bei einem namentlich nicht genannten "großen Unternehmen". Da der Vater seinen in Roblox und Minecraft vernarrten Sohn permanent vor Youtube-Streams anderer Gamer sieht, kommt er eines Tages auf die Idee, für seinen Sohn einen eigenen Kanal anzulegen.
Die Steine kommen ins Rollen
Wie es weiterging, zumindest seiner eigenen Erzählung nach, legt Dave in einem am Dienstag veröffentlichten Video dar. Erst bittet sein Sohn um Robux, dem im Roblox-Ökosystem verwendeten digitalen Zahlungsmittel. Der Vater willigt ein und hinterlegt dafür seine Firmenkreditkarte. Als Nächstes mokiert sich Mighty Mike über die geringe Zahl an Zuschauern. Der Vater lässt ihn wieder gewähren und gönnt ihm eine auf 20 Dollar limitierte Google-Ads-Werbekampagne.
Jetzt kommen die Steine ins Rollen, denn von hier ausgehend startet der junge Youtuber dann aber einfach noch eine 20-Dollar-Kampagne, und noch eine, und noch eine. Bis sich eines Tages die Finanzabteilung von Daves Arbeitgeber bei ihm meldet und wissen will, was denn bitte schön mit den 118.000 Dollar passiert sei, die da plötzlich fehlten. "Mir dämmerte langsam, dass das verdammt nochmal etwas war, was mein Sohn angestellt hatte. Die Zahl auf der Rechnung vor mir hatte rund fünf Stellen mehr, als sie haben sollte." Dass 118.000 eigentlich nur vier Zahlen mehr sind als 20 ist ein andere mathematisches Problem, mit dem der Vater seine Schwierigkeit zu haben schien.
Netflix kann kommen
Wie dem auch sei: Vater Dave fürchtet nun nicht nur die 118.000 Dollar aus eigener Kassa zurückzahlen zu müssen, sondern auch, seinen Job zu verlieren. Dass all das für Mighty Mike Konsequenzen haben muss, betont sein Vater zwar immer wieder, aber natürlich auch, dass man all das als Familie durchstehen werde. Netflix kann kommen.
Die Schlüsse, die Tech-Medien wie The Register daraus ziehen – erstens: keine Firmenkreditkarten für private Einkäufe zu verwenden, zweitens: die Bildschirmzeit von Kindern stark einzuschränken – sind sicher gut und richtig. Und doch bleibt am Ende die Frage, ob die fließende Grenze zwischen Marketing und Leichtsinn nicht in beide Richtungen überschritten werden kann. Dass einerseits der Wille zum Marketing dazu veranlasst, dumme Entscheidungen zu treffen – also dem neunjährigen Sohn die Firmenkreditkarte zu überlassen. Dass aber andererseits auch der Leichtsinn als Marketing-Instrument eingesetzt werden kann.
Kostenloses Marketing?
Denn während die meisten bisherigen Videos von Mighty Mike irgendwo im Bereich zwischen 400 und 3000 Aufrufen herumtölpeln – mit Ausreißern nach oben – wurde die "Message from Dad" binnen zwei Tagen bereits deutlich öfter als eine Million Mal gestreamt. Die mitleidvollen Kommentare fließen in Strömen herein. Und auch wenn das Video den Untertitel "Es ist vorbei mit Mighty Mike" trägt, kündigt der Vater am Ende doch an, dass es nach ein paar Tagen des "Resets" eine Rückkehr des Youtubekanals geben wird.
Die Aufmerksamkeit für das bevorstehende Comeback wurde also in jedem Fall schon erreicht. Besser, als es eine Google-Ads-Kampagne hinbekommen hätte. Die Geschichte – ob sie nun wahr ist oder nicht – mag zwar unterhaltend oder berührend klingen. Vor allem aber sollte sie uns darüber nachdenken lassen, wie gutes Marketing unsere Gefühle steuert. (Michael Windisch, 17.9.2026)
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